Über den Alltag einer Risikopatientin

Seit Montag gelten neue Lockerungsmaßnahmen im ganzen Land. Für viele Belgier sind das ausschließlich gute Nachrichten, einige können von den neuen Freiheiten aber kaum profitieren. Risikopatienten müssen sich auch weiterhin vor dem Virus in Acht geben und sind auf die Vorsicht ihrer Mitbürger angewiesen.

Nachbarschaftshilfe (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / melis82)

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / melis82

„Ich kann von den neuen Maßnahmen nicht wirklich profitieren. Ich bin tatsächlich immer noch eingeschränkt und muss mich persönlich schützen“, erzählt Irene Reinertz-Maraite aus Halenfeld. „Bis auf die notwendigen Krankenhausbesuche gehe ich quasi gar nicht mehr außer Haus – und das schon seit Monaten. Ich könnte also wirklich von Einschränkungen meiner Lebensqualität reden.“

Trotzdem findet Irene Reinertz-Maraite es gut, dass die Maßnahmen gelockert wurden. Eine Rückkehr zur Normalität sei unter anderem für die Wirtschaft aber auch für die Schüler und Auszubildenden wichtig. Aber sie weiß auch, dass sie sich als Risikopatientin weiterhin schützen muss. Und dabei ist sie auch auf die Hilfe ihrer Umgebung angewiesen. „Meine Verwandten oder meine Freunde gehen total verantwortungsbewusst mit mir um und halten auch alle Vorschriften ein. Die wollen mich wirklich schützen und da bin ich ja auch dankbar dafür“, sagt Irene Reinertz-Maraite.

„Aber wenn ich so um mich schaue, dann sehe ich schon, dass manche Leute schnell nachlässig werden.“ Sie befürchtet, dass das Virus mit der Zeit vergessen wird. „Man darf nicht vergessen: Das Virus grassiert noch immer unter uns, also muss man auch immer noch gewisse Maßnahmen einhalten, vor allem die Hygiene-Maßnahmen. Daran muss man auch bei den neuen Freiheiten immer denken.“

Denn Nachlässigkeiten im Verhalten anderer bedeuten für Risikopatienten ein erhöhtes Risiko sowie weitere Einschränkungen im alltäglichen Leben. Für diese persönlichen Umstände gibt es keinen Schuldigen, jedoch wünscht sich Irene Reinertz-Maraite seitens ihrer Mitbürger einen risikobewussten Umgang.

Umso mehr verärgert es sie, wenn sie die Faktenresistenz mancher Menschen beobachtet. „Das ist unverantwortlich. Wollen die nicht hören, wie die Zahlen wirklich weltweit sind? Das kann ich gar nicht verstehen und das kann man nicht unter Verschwörungstheorien oder dergleichen abklassieren. Es gibt ja doch weltweit eine Menge an verantwortungsbewussten und hochgestellten Virologen. Es sind also wirklich Fachleute, die bestimmt nicht das Blaue vom Himmel herunter reden.“

Irene Reinertz-Maraite möchte ihr eigenes Schicksal nicht in den Vordergrund stellen, sondern eigentlich nur darauf hinweisen, dass es viele Risikopatienten gibt. Und das müssen nicht unbedingt ältere Menschen sein. Eine Herz- oder Lungenvorerkrankung oder aber Asthma reichen aus, um auch als junger Mensch als Risikopatient zu gelten.

Andreas Lejeune

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