Eifelgemeinden gegen Atommüllendlager: Bütgenbach begrüßt gemeinsames Vorgehen

Atommüllendlager nicht bei uns – da sind sich zumindest die Bürgermeister der fünf Eifelgemeinden einig. Und auch der Gemeinderat in Bütgenbach teilt diese Meinung.

Abstandsregeln im Gemeinderat in Bütgenbach (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Gemeinderat in Bütgenbach: Die Sitzplätze wurden auseinander gestellt, um genügend Abstand zu gewährleisten (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Die fünf Eifelgemeinden sprechen sich vehement gegen ein Atommülllager auf ihrem Gebiet aus. Das hat am Dienstagabend der Bütgenbacher Bürgermeister Daniel Franzen beim Gemeinderat erklärt.

Die Nationale Einrichtung für radioaktive Abfälle zieht nämlich das Stavelot-Massiv und auch das sogenannte „Synclinal de Neufchâteau“ als Standorte für Atommülllager in Betracht. Das betrifft unter anderem das Gebiet der Eifelgemeinden.

Offiziell informiert wurden die Bürgermeister aber nicht, sondern mussten aus der Presse von den Plänen erfahren. Sie fordern nun, dass beide nahe gelegenen Gebiete als Atommüllendlager nicht infrage kommen. Unterstützung erhoffen sich die Bürgermeister dabei auch von der Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Wind und Sonne statt Atomenergie

In ihrem gemeinsamen Schreiben begründen die Bürgermeister ihre Forderung unter anderem damit, dass negative Folgen für die Gesundheit der Menschen vermieden werden müssen. Auch den hiesigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen gilt es zu schützen. Darüber hinaus plädieren die Eifelbürgermeister für einen raschen Ausstieg aus der Atomenergie.

Nicht nur die DG und die Nationale Behörde für radioaktiven Müll wurden angeschrieben. Die Bürgermeister haben auch einen Anwalt eingeschaltet. Der Rechtsbeistand prüft nun, inwiefern die Vorgehensweise der nationalen Behörde rechtens ist. Zudem bestehe Kontakt zu einem Doktor der Geologie, der die Standpunkte der Eifelgemeinden wissenschaftlich stützen kann. So die Informationen von  Daniel Franzen. Auch Nachbargemeinden aus Deutschland haben ihre Unterstützung angekündigt.

Die Ratsmitglieder der Gemeinde Bütgenbach begrüßen das gemeinsame Vorgehen gegen ein Atommüllendlager in der Region. Oppositionsmitglied Hermann-Josef Pauels kritisiert aber, dass die Gemeinde nicht schon vorher in erneuerbare Energien aus Sonne und Wind investiert hat. Die Gemeinde biete sich gut an für die Gewinnung von Windenergie und auch in Sachen Photovoltaikanlage habe die Gemeinde nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Schöffe Charles Servaty erwiderte daraufhin, dass in der Gemeinde Bütgenbach der erste Windpark der Wallonie entstanden sei. Bürgermeister Daniel Franzen räumte aber ein, dass man künftig mehr in Windenergie investieren wolle.

Ratsmitglied Ursula Gehlen bemerkte, dass man die Bevölkerung für das Thema Energie sensibilisieren muss. Ein Umstieg sei mit Mehrkosten verbunden. Das müsse den Leuten auch bewusst gemacht werden.

Oppositions-Vorschläge: Straßenarbeiten und Seniorenbonus für Vereine

Des Weiteren wurde in Bütgenbach der Haushalt angepasst. Ungeplante Mehrkosten sind unter anderem wegen der Corona-Pandemie entstanden. Auch die Gemeinde musste Schutzmaterialien und -vorkehrungen für ihre Einrichtungen wie Schulen und Verwaltung vorsehen. Oppositionsmitglieder Hermann-Josef Pauels und Elmar Heindrichs bedauern, dass nicht genug Gelder für Straßenarbeiten übrig bleiben. Je länger man dies hinzieht, desto kostenaufwendiger werden die Arbeiten. Eine Komplettsanierung der Straßen solle vermieden werden. Elmar Heindrichs schlägt vor, dass man das komplette Straßennetz in 15 Abschnitte unterteilt. So könnte man sich jedes Jahr um einen Abschnitt kümmern.

Ebenfalls verabschiedet wurden Zuschüsse für verschiedene Vereine. Dabei gibt es einen Bonus für Vereins-Angebote, die sich an Jugendliche richten. Jean-Luc Velz schlug daraufhin vor, auch einen Seniorenbonus einzuführen. So soll die Gemeinde Vereine dazu ermutigen, ihr Angebot auch für Senioren zu erweitern und anzupassen.

Zurück zur Normalität: Recypark nimmt wieder alle Abfälle

Zu den Projekten, die im Gemeinderat besprochen wurden, gehörte auch ein Bauvorhaben an der Grundschule in Weywertz. Der Zugang zur Schule soll behindertengerecht werden. Der Gemeinderat hat dem Lastenheft einstimmig zugestimmt.

Zum Schluss verkündete der Bürgermeister noch, dass am kommenden Dienstag, dem 26. Mai, der Markt in Bütgenbach stattfinden wird. Auch in Sachen Containerparks soll ein wenig Normalität zurückkehren. Der Recypark nimmt ab sofort wieder alle Wertstoffe und Abfälle an. Geöffnet ist jetzt nicht nur von Montag bis Freitag (13-19 Uhr), sondern auch samstags (9-18 Uhr).

Raffaela Schaus

14 Kommentare
  1. Wahl, Joachim

    Es ist erschreckend, welche fachliche Inkompetenz hier geboten wird. Verlogen argumentiert man mit Umwelt- und Naturschutz, aber deklariert Windmühlen als „Zukunft“. Die optische Vermüllung der Region, das Verklappen von Beton, Anhäufen von nicht recycelbarer Glasfaser der Rotoren wird in naher Zukunft der „neue Sondermüll“ sein. Allein die Betrachtung der Strommengen, die allein die DG benötigt, führt dieses Unterfangen ad absurdum. Mathematische Grundrechenarten scheinen diesen Herrschaften allerdings unbekannt zu sein. Jahrzehntelang hat die Kernenergie die Wirtschaft und Haushalte mit Strom versorgt. Dass abgebrannte Brennstäbe anfallen war allen bekannt; jetzt so zu tun, man hat das nicht gewusst, ist erbärmlich. Im übrigen ist das kein Müll, wie immer behauptet. Dieser „Müll“ trägt noch ca. 96% Restenergie in sich, die durch Transmutation in „schnellen Brütern“ genutzt werden kann. Einen anderen Weg gibt es nicht, die Russen machen es uns mit dem BN800 vor!

  2. Gerald Pesch

    Wer mit Slogans wie « Wind und Sonne statt Atomenergie » um die Ecke kommt hat natürlich sofort alle Claqueure auf seiner Seite. Dabei offenbare solche Sprüche nur die tiefe Ahnungslosigkeit des Verfassers in Sachen physikalisch-technische Grundlagen der Stromwirtschaft. Wetter- und jahreszeitabhängige Stromerzeugung kann niemals regelbare, grundlastfähige Kernkraftwerke ersetzen, egal wie populär solche Sprüche auch immer sind. Unsere Gruppe „Gegenpol Ostbelgien“ bemüht sich weiter um die diesbezügliche Aufklärung der Bevölkerung da man von Seiten der Politik und der Medien nur von einem Totalversagen sprechen kann.

  3. Guido Scholzen

    Die Medien und ihre öko-freundliche Berichterstattung sind mitschuld an dieser energiepolitischen Inkompetenz. Wenn ein Blinder einen anderen Blinden führt, so fallen alle beide ins Loch… der Ahnungslosigkeit.

  4. JIMI HEIMCHEN

    SIND DIE SCHROTTREAKTOREN DES KLEINEN KÖNIGREICHS, MIT SEINEN ZERSTRITTENEN VÖLKERSCHAFTEN, ALTERNATIVLOS? ÖSTERREICH WUSSTE ES JEDENFALLS BESSER.
    Die angeblichen „95% Restenergie“, welche ein Leser benennt, sind nur zur Herstellung von MOx-Brennelementen, welche Plutonium enthalten, geeignet; für Russland, welches der Leser erwähnt, mag dies ein nützlicher Weg für die Kernwaffenproduktion sein – ob das kleine Belgien eine Kernwaffenproduktiion braucht, um mit dem (ähnlich kleinen) Israel gleichzuziehen, das sei doch dahingestellt…

  5. Wahl, Joachim

    Herr Heimchen, warum Sie den Spagat zum Plutonium bemühen, wissen die Geister. Schnelle Reaktoren „verbrennen“ auch Plutonium und tragen dazu bei, dass dieses für Kernwaffen nicht mehr zur Verfügung steht. Das geht allerdings nicht in den belgischen Reaktoren. Dazu benötigt man „schnelle“. Es steht ausser Zweifel, dass auch Belgien die Energieentwicklung verschlafen hat. Dabei meine ich nicht das Aufstellen von Windmühlen.

  6. Marcel Scholzen eimerscheid

    Der Atommüll ist nun mal da und irgendwie muss man damit umgehen.

    Gibt es Alternativen zu einem Atommüllendlager ?

  7. Jean-Pierre DRESCHER

    „Gibt es Alternativen zu einem Atommüllendlager ?“

    Bestimmt. Ich denke an die vielen kaum besiedelten Gebiete westlich der Maas oder einfach eine Anlage neben den Schrottmeilern zu bauen wo der Müll den man produziert auch gleich an Ort und Stelle bleibt bevor es auf Reisen geht Richtung DG, LU-Grenze bei Bastnech oder gar afrikanische Länder als illegale Sondermüllkippe für ausländischen Atommüll aus Westeuropa mißbraucht werden.

  8. Norbert Schleck

    „Es steht außer Zweifel, dass auch Belgien die Energieentwicklung verschlafen hat.“
    Dann ist Belgien aber in guter Gesellschaft, Herr Wahl.
    Wo arbeiten denn schnelle Brüter? Nur in Russland. Ansonsten nur Testreaktoren und Prototypen in China und Indien.

    Sie wären natürlich hellauf begeistert, wenn ein solches Ding in Ihrer Heimatgemeinde gebaut würde. Es lebe der Fortschritt, nicht wahr?
    Was würden denn Ihre Nachbarn dazu sagen?
    Wären denen nicht doch ein paar Windräder lieber?

    Plutonium? Der giftigste Stoff überhaupt. Halbwertzeit 24000 Jahre.
    Ein Unfall bei der Anreicherung von Brennstäben und Ihre Heimat wäre für Generationen unbewohnbar. Und damit soll überall herumhantiert werden?

    Aber für sie ist sicher das Lagern von Rotorblättern und das „Aufstellen von Windmühlen“ das größere Problem.

    A propos Windmühlen: „Im Jahr 2019 wurden in Deutschland rund 128 Terawattstunden Strom aus Windkraftanlagen erzeugt. Das entspricht einem Anteil von rund 21 Prozent an der gesamten Bruttostromerzeugung in Deutschland.“ (Statista)
    Wohl alles Phantomstrom oder was?

  9. Wahl, Joachim

    Sie sind ja ein ganz schlauer, Herr Schleck. D’land hat also 21% aus Wind gedeckt? Dann waren 4/5 der Bevölkerung ohne Strom? Wo ist der Strom denn genutzt worden? Ins Ausland verschoben zu Negativpreisen, da Windstrom nie verbrauchsabhängig erzeugt wird? Sowas taucht in keiner „Statistik“ auf. Es scheinen wohl einige fachliche Defizite vorzuliegen. Träumen Sie weiter.

  10. Norbert Schleck

    Wie man sieht, ist der „Gegenpol“ vollzählig hier vertreten.

    Da der Bau von schnellen Brütern wohl noch lange auf sich warten lassen wird, werden die Herren ja wohl fleißig Lobbyarbeit für ein Endlager im Süden Ostbelgiens machen.
    Es sei denn, sie wollten für sich das übliche NIMBY-Prinzip anwenden wie Herr Drescher das ja schon tut.

    Ostbelgien liegt bekanntlich auch „östlich der Maas“ und hat im Süden einige Gemeinden, die sehr dünn besiedelt sind: Amel: 44, Büllingen: 36, Bütgenbach: 58 (Der ehemalige Truppenübungsplatz wäre doch ideal?), Reuland: 36 und sogar die Metropole St. Vith hat deren nur 66 (Eupen: 199).
    Warum also nicht dort, wenn die geologischen Formationen es erlauben?

    Wenn es dann einen Unfall geben sollte, wären deutlich weniger Menschen betroffen als im dicht besiedelten Lütticher Raum?
    Bei vorherrschenden Westwinden würden Schadstoffe in die ebenfalls dünn besiedelte Eifel geweht werden statt nach Aachen?

    Von den vielen neue „sicheren“ Arbeitsplätzen wollen wir erst gar nicht reden.

  11. Rainer Moormann

    Soso, Brüter als Alternative zum Endlager ? Der erwähnte russische BN800 verbrennt max. 70% des Plutonium, dann muss wiederaufgearbeitet werden, zurück in den Reaktor usw., bis das Plutonium halbwegs weg ist. Und den schwierigeren Atommüll wie Minore Aktinoide kann er überhaupt nicht verbrennen. Ausserdem erheblich teurer als ein klassischer LWR. Kein Wunder, dass Russland den kommerziellen Nachfolgereaktor BN1200 auf den St. Nimmerleinstag verschoben hat, wie Frankreich sein Brüter Projekt ASTRID. Atommüll als Brennstoff bleibt Phantasie.

  12. Norbert Schleck

    So, so, Herr Wahl. Da installieren diese blöden Deutschen unzählige „Windmühlen“, verschandeln die Landschaft, produzieren Riesenmengen an Strom aus erneuerbaren Energien (davon 50% aus Wind und Photovoltaik 20% u..a.), um diese Mengen dann ans Ausland zu verschenken. Nein, nicht nur verschenken, sie zahlen den Abnehmern auch noch ein hübsches Sümmchen. Also ich hätte die für schlauer gehalten.

    Ich als absoluter Laie bin Ihnen jedenfalls dankbar, dass Sie mich aufgeklärt haben oder, wie man auf Französisch sagt: „que vous avez éclairé ma lanterne“, um im Kontext zu bleiben.
    Hätten Sie vielleicht auch noch ein paar konkrete Zahlen zur Hand?
    Herr Scholzen als Gegenpoler und Statistikfachmann hilft da sicher gerne aus.

    Übrigens, aus Frankreich importiert Deutschland mehr Strom als es exportiert, mit Österreich ist es umgekehrt. Der Gesamtsaldo ist allerdings negativ, das stimmt.

    Vielleicht könnten Sie ja auch gleich zu meinen Bemerkungen über schnelle Brüter und daraus resultierender Plutoniumwirtschaft Stellung nehmen?
    „Kernenergie isch out“ (nach Schäuble)

  13. Guido Scholzen

    Ich hätte lieber ein Kernkraftwerk in meiner Umgebung als einen Windpark!

  14. Norbert Schleck

    Noch etwas für die Gegenpoler in Sachen Strompreis:
    Ein Artikel der Bundesnetzagentur „Negative Strompreise“ vom 07.01.2020.
    Einfach googeln! Alles schön erklärt, aber das alles wissen die Herren bereits?

    Ja, es gibt sie, diese negativen Strompreise, aber nicht, wie Herr Wahl suggeriert, für den Export von sämtlichem aus Windenergie oder Photovoltaik erzeugtem Strom, sondern wenige Stunden im Jahr.

    Was viele nicht wissen: Es gibt Strombörsen, etwa die in Leipzig (EEX) oder in Belgien EPEXSPOT Belgium, wo Strom wie auf einer Aktienbörse national und international gehandelt wird.
    Auch in Belgien kann es zeitweise negative Strompreise geben.
    Leider hat der kleine Endverbraucher dort keinen Zugriff, nicht wie bei Aktien.

    „Im Mai 2020 betrug der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland rund 59 Prozent. Der Durchschnittswert für das Jahr 2020 lag bei insgesamt 55,4 Prozent (Stand: Mai 2020). Quelle: Statista, was sonst?

    @Scholzen: Ich nehme an, Sie gäben sich auch mit einem Atommüllendlager in Eimerberg zufrieden? Ja?