Homeschooling in der SGO Eupen

Die Corona-Krise stellt auch Lehrer und Schüler vor große Herausforderungen. Die Kinder sitzen zu Hause und der Schulstoff wird für viele Wochen vernachlässigt. In der Städtischen Grundschule Oberstadt in Eupen setzt man jetzt deshalb vermehrt auf digitalen Unterricht.

SGO im Homeschooling

Bild: SGO

Frau Göbels und ihre Kolleginnen von der Grundschule Oberstadt in Eupen präsentieren ihren Unterricht neuerdings nicht wie gewohnt in voll besetzten Klassenzimmern, sondern in anschaulichen Youtube-Videos.

Dabei werden Themen aus allen Unterrichtsfächern angesprochen. Ob Kartoffeldruck für die Kleinen, Muffins backen für die Freizeit oder Mathematik und Deutsch für die Schüler der Oberstufe. Neben den klassischen schriftlichen Arbeitsaufträgen runden die Videos den Unterricht von zu Hause ab. So können die Lehrer auch komplexere Lehrinhalte erklären.

Auch Tipps und Tricks werden vermittelt. „Im Kindergarten gibt es zum Beispiel kleine Lieder, Fingerspiele oder Fräulein Martina stellt ihr Hochbeet vor. Es war uns wichtig, dass die Kinder ihre Lehrperson sehen können“, erklärt Sandra Mentenich, Direktorin der SGO Eupen.

„Die Oberschüler bekommen täglich Arbeitsaufträge, die in den Videos von den Lehrern kurz erklärt werden. Es geht um Vertiefung, Reflexion, Kreativität und auch um Gemeinschaft, um das Zusammensein.“

Vor allem steht aber eine enge Kommunikation im Fokus. Den Kontakt nicht verlieren und zusammenhalten ist für Sandra Mentenich besonders in den schwierigen Zeiten sehr wichtig. „Die Webseite und die ganzen Aktivitäten schweißen uns zusammen. Wir sehen uns zwar nicht, aber wir sind vernetzt. Wir sind einfach alle zusammen und das ist schön“, findet Mentenich.

„Unsere Kinder basteln zur Zeit Tulpen. Die schicken sie ins Büro, ich drucke sie aus und eine Pflegerin bringt diese Tulpen ins Heim. Unsere Verbindung mit dem Altenheim ist sehr eng. Wir vermissen die alten Menschen und sie vermissen uns. Aber über die Webseite können wir die alten Menschen erreichen. Ich habe das kreativste Team der Welt an meiner Seite, die machen das ganz fantastisch. Ich bin so stolz auf meine Kollegen“, schwärmt Mentenich.

Sandra Mentenich, Direktorin der SGO Eupen (Bild: Anja Verbaarschot/BRF)

Sandra Mentenich, Direktorin der SGO Eupen (Bild: Anja Verbaarschot/BRF)

Es war zunächst eine ungewohnte Situation, vor leeren Rängen zu unterrichten. Vor allem das Feedback der Schüler fehle. „Wir überlegen immer erst im Team, welche Themen die Kinder interessieren könnten“, erzählt Christine Münch, Lehrerin an der SGO in Eupen. „Jeder ist mit dabei, jeder hat auch Spaß, obwohl es sehr ungewohnt ist, vor der Kamera zu stehen. Uns allen ist eigentlich lieber, vor den Kindern zu unterrichten. Aber es macht trotzdem Spaß und wir hoffen, dass es den Kindern auch gefällt.“

Die Schule stellt nicht nur einen Youtube-Channel zur Verfügung, auch auf einer ständig aktualisierten Homepage und einem Instagram-Channel können sich Lehrer und Schüler ständig austauschen. Diese Kanäle ständig zu aktualisieren, kostet sehr viel Arbeitszeit. Statt einer Fünf-Tage-Woche hat die Direktorin nun eine Sieben-Tage-Woche.

Doch die Arbeit hat sich gelohnt. Das Angebot kommt bei den Kindern sehr gut an und wird auch gut in Anspruch genommen. „Bisher habe ich sehr viele positive Rückmeldungen gehört. Viele Kinder freuen sich auch einfach, uns zu sehen und morgens eine Beschäftigung zu haben. Das freut uns natürlich und motiviert uns, neue Videos zu drehen“, erzählt Christine Münch.

Christine Münch, Lehrerin an der SGO in Eupen (Bild: Anja Verbaarschot/BRF)

Christine Münch, Lehrerin an der SGO in Eupen (Bild: Anja Verbaarschot/BRF)

„Am Anfang haben wir nur ein bis zwei Bilder bekommen. Mittlerweile sind es schon sehr viel mehr, weil die Kinder natürlich möchten, dass auch ihr Bild veröffentlicht wird. Dadurch erfahren die Kinder auch eine Art von Wertschätzung. Ich glaube, das motiviert auch. Wir kriegen viele Mails, aber auch Feedback über unsere Instagram-Seite und da ist es relativ leicht, den Kindern zu antworten. Und es freut die Kinder dann auch, wenn sie sehen, dass die Arbeit, die sie sich gemacht haben, auch wertgeschätzt wird.“

Um in dieser schwierigen Zeit zu Zusammenhalt aufzurufen, hat die Schule ein Songprojekt auf die Beine gestellt. Mit einem selbst geschriebenen Liedtext haben viele Lehrer und Lehrerinnen mit eigenen Instrumenten dieses Lied per Videobotschaft begleitet.

Chris Emonts-Gast, Grundschullehrerin an der SGO in Eupen (Bild: Anja Verbaarschot/BRF)

Chris Emonts-Gast, Kindergärtnerin an der SGO in Eupen (Bild: Anja Verbaarschot/BRF)

Die einzelnen Videos ergeben zusammengesetzt ein Lied, das den Kindern einen positiven Umgang mit der Corona-Thematik näher bringen soll. „Es ist eine schwierige Situation für alle“, sagt Chris Emonts-Gast, Kindergärtnerin an der SOG in Eupen. „Wir sitzen alle im gleichen Boot und das Lied heißt auch ‚Gemeinsam‘. Es kam uns eben die Idee, gemeinsam etwas zu machen, obwohl wir uns nicht treffen können. Aber gemeinsam musizieren können wir trotzdem.“

Neue Situationen fordern auch von Schulen neue Ideen und kreative Lösungen. Der digitale Unterricht macht Bildung auch in Zeiten von Corona zugänglich.

av/mg