„Befreiungskolonne“: Auf historischen Spuren der Ardennenoffensive

Wer am Dienstagmorgen durch die Eifel fuhr, traute seinen Augen vielleicht nicht: Auf den Straßen im Süden waren Militärfahrzeuge unterwegs, wie sie 1945 bei der Ardennenoffensive zum Einsatz kamen. Sie wollten daran erinnern, wie die zerstörte Stadt vor 75 Jahren von den amerikanischen Soldaten befreit wurde.

Bild: Michaela Brück/BRF

Bild: Michaela Brück/BRF

Vor dem Triangel in St. Vith erinnert alles an einen Kriegsschauplatz. Rund 180 Männer und Frauen in Uniformen machen sich bereit für die „Liberation Tour“. Die meisten sind ehemalige Militärs, die dem Landesinstitut für Erinnerung und Militärerbe angehören. Zusammen mit dem Verteidigungsministerium haben sie die Befreiungskolonne, die aus 50 Kampffahrzeugen besteht, organisiert. „Wir sind sehr zufrieden mit den positiven Reaktionen des Publikums“, erklärt Franky Bostyn vom War Heritage Insitute WHI.

Die Befreiungskolonne ist am Samstag in Bastogne gestartet. Insgesamt 300 Kilometer ist ihre Erinnerungs-Tour lang. Über Stavelot, Malmedy, Baugnez und Ligneuville führte sie nach St. Vith. Dass auf der 300 Kilometer langen Strecke mit den alten Fahrzeugen technische Probleme auftauchen, damit mussten die Organisatoren rechnen. Das war 1945 nicht anders.

Das Spektakel zog einige Schaulustige an. Aus St. Vith und Umgebung kamen einige Interessierte, um sich die historischen Fahrzeuge aus der Nähe anzusehen. Auch aus Verviers ist eine Familie angereist, um die „Liberation Tour“ zu sehen. Die 94-jährige Suzanne Crickboom war zur Zeit der Ardennenoffensive 20 Jahre alt und hat noch klare Erinnerungen daran: „Ich war damals bei den Pfadfindern und wir haben die Leute aus St. Vith aufgenommen, die teilweise schwer verletzt waren. Wir haben sie zum Beispiel in die Schule Sainte Claire gebracht und in andere Einrichtungen. Sie blieben sehr lange da.“

An die Opfer der Ardennenoffensive wurde im Rahmen der Liberation Tour bei einer Gedenkfeier erinnert. Am Kriegerdenkmal in St. Vith kamen Vertreter der Stadt St. Vith, der Gemeinschaft, des Militärs und der amerikanischen Botschaft zusammen. Die Feier wurde von Schülern mitgestaltet. Dabei wurde daran erinnert, dass Frieden und Demokratie nicht selbstverständlich sind. „Wichtig war es zu sagen, dass man nicht vergessen darf und nicht durch unüberlegte Wahl, undemokratischen Parteien die Mehrheit gibt“, sagt der St. Vither Bürgermeister Herbert Grommes.

Das sollte auch die Botschaft der „Liberation Tour“ sein, die am Dienstagvormittag durch das Zentrum von St. Vith fuhr. Am Rathausplatz hatten sich Schulklassen und Anwohner versammelt, um die historische Kolonne zu bestaunen. Die Organisatoren sehen ihre Tour aber nicht nur als ein Spektakel. „Die Botschaft ist: ‚Remembering the past, building the future'“, erklärt Bostyn.

An die Vergangenheit erinnern, die Zukunft bauen – unter diesem Motto zog die Liberation Tour von St. Vith aus weiter. Über Lanzerath, Honsfeld und Bütgenbach ging es nach Elsenborn, wo die Befreiungskolonne im Gedenken an die Ardennenoffensive endete.

Michaela Brück