Wereth Eleven: Gedenken an die elf ermordeten farbigen Soldaten

In Wereth ist am Dienstag der elf afro-amerikanischen Soldaten gedacht worden, die auf den Tag genau vor 75 Jahren von SS-Angehörigen misshandelt und umgebracht wurden. An der Gedenkfeier nahm neben dem US-Botschafter auch die Nichte eines der getöteten Soldaten teil.

Gedenkfeier für die ermordeten US-Soldaten in Wereth (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Bild: Stephan Pesch/BRF

Der kleine Weiler Wereth in der Gemeinde Amel steht selten im Mittelpunkt der Öffentlichkeit. Beim Gedenken an die Kriegsereignisse der Ardennenoffensive ist er eine feste Größe.

Die Misshandlung und Ermordung von elf afroamerikanischen Soldaten durch die Waffen-SS steht in einer Linie mit dem Massaker von Baugnez, wie der US-Botschafter Ronald J. Gidwitz bei der kleinen Gedenkfeier am Nachmittag unterstrich.

Die elf Soldaten, die zu einer afro-amerikanischen Einheit gehörten, hatten sich auf der Flucht vor den deutschen Truppen von Schönberg nach Wereth durchgeschlagen. Im Haus von Matthias Langer wurden die hungrigen und frierenden Männer aufgenommen.

Kaum eine Stunde später kamen Angehörige der Waffen-SS auf und griffen die Männer auf, vermutlich hatten sie einen Tipp bekommen. Die Männer wurden abgeführt, später fand man sie tot auf einem Feld liegend, mit Zeichen schwerer Misshandlung. Lange Zeit vergessen wurden sie zu den „Wereth Eleven“.

Zur Gedenkfeier aus Anlass des 75. Jahrestages war die Nichte eines der getöteten Soldaten aus den USA angereist. Sandra Green ist aufgewachsen mit den Erzählungen über ihren Onkel Robert, der bei der Ardennenoffensive in Europa umgekommen war und später in der Heimat beigesetzt wurde.

„Gedenkfeiern wie die in Wereth halten die Erinnerung wach an das, wofür diese Männer gekämpft haben“, sagt Sandra Green. Und sie dankt der Familie Langer aus Wereth dafür, dass sie das möglich gemacht habe.

1994 hatte Hermann Langer, zur Zeit der Geschehnisse noch ein zwölfjähriger Junge, ein Denkmal errichtet, das inzwischen etwas größer angelegt werden konnte. Seine Kinder Patrick und Sylvia Langer sind in seine Fußstapfen getreten. „Das Denkmal ist das Lebenswerk meines Vaters. Es hat ihn immer gestört, dass hier nichts stand, um an die Soldaten zu erinnern. Es war ihm wichtig, dass sie nicht vergessen werden“, sagt Sylvia Langer.

Patrick Langer fügt hinzu: „Es ist schon sehr bewegend, besonders auch die Nichte eines der getöteten Soldaten hier zu haben. Wir sind stolz darauf, was unser Großvater aus Menschlichkeit und Nächstenliebe getan hat und stolz, Teil dieser Familie zu sein.“

Zusammen mit der VoG U.S. Memorial Wereth um Solange Dekeyser setzen Sylvia und Parick Langer darum die Erinnerungsarbeit ihres Vaters fort. Und das soll nach den Worten des US-Botschafters so lange weiter gehen, wie das Königreich Belgien und die Vereinigten Staaten von Amerika bestehen.

Stephan Pesch