Theater Zartbitter: Prävention gegen sexuelle Gewalt

"Ganz schön blöd" - so heißt ein Theaterstück, das sexuellen Missbrauch und Gewalt gegen Kinder und Jugendliche thematisiert. Der Kölner Verein "Zartbitter" hat es auf die Bühne gebracht und Donnerstag und Freitag vor Primarschülern in Eupen und St.Vith aufgeführt. Dazu eingeladen hatte die Arbeitsgemeinschaft "Leuchtturm", die sich die Präventionsarbeit auf die Fahnen geschrieben hat.

Theaterstück "Ganz schön blöd" (Bild: Michaela Brück/BRF)

Theaterstück "Ganz schön blöd" (Bild: Michaela Brück/BRF)

Es sind diese blöden Gefühle, die Zartbitter aus der Tabuzone holt und kindgerecht auf die Bühne bringt. Mit viel Witz und Leichtigkeit wird das schwere Thema „sexuelle Gewalt“ angegangen. Schauspieler Massimo Tuveri hat das Stück für den Kölner Verein „Zartbitter“ mit konzipiert: „Wenn wir die Stücke konzeptionieren achten wir darauf, in der Lebensfreude zu sein. Dass wir nicht Dinge darstellen, die Leute belasten können. Weil immer jemand im Publikum sitzen könnte, der was Blödes erlebt hat. Trotzdem benennen wir die Dinge sehr klar, aber kindgerecht.“

Rund 1.200 Primarschüler haben sich die Aufführung von „Ganz schön blöd“ in St.Vith und Eupen angesehen. Zusammen mit rund 60 Betreuern und Lehrern. Die Arbeitsgemeinschaft Leuchtturm, in der mehrere ostbelgische Dienste sich zusammengetan haben, hofft so, Kinder wie Erwachsene für das Thema sexuelle Gewalt zu sensibilisieren. Barabara Guffens vom Beratungs- und Therapiezentrum BTZ berichtet: „Wir merken, dass wir immer wieder Anfragen haben, wo es um das Thema sexuelle Gewalt geht.“

Der Kölner Verein „Zartbitter“ hat mit dem Theater eine gute Möglichkeit gefunden, präventiv zu wirken und bietet mehrere Stücke zum Thema „Sexuelle Gewalt“ an.  „Zartbitter hat über 30 Jahre Erfahrung gesammelt. Unsere Stücke basieren alle auf wahren Gegebenheiten. Verpackt auf humorvolle und kindgerechte Art und Weise in unseren Stücken“, sagt Schauspielerin Gonca Morgentau.

Trotz aller Leichtigkeit: die Dinge werden im Stück beim Namen genannt. Ohne Umschweife werden sexuelle Übergriffe verbalisiert, betont Schauspieler Massimo Tuveri. „Weil wir finden, dass Kinder richtige Wörter benutzen dürfen und sagen dürfen. Und nicht aus Angst es nicht sagen.“

Von dem Theaterstück verspricht sich Barbara Guffens von der ostbelgischen Arbeitsgemeinschaft Leuchtturm nicht nur Prävention und Sensibilisierung der Öffentlichkeit, sondern auch Hilfe für Betroffene, eine andere Wahrnehmung ihrer Situation zu gewinnen. „Kinder, die von sexueller Gewalt in Familie betroffen, haben vielleicht kein Gefühl oder wissen nicht, dass es nicht passieren darf.“

Zum Konzept von Zartbitter gehört auch das Gespräch nach der Aufführung. In Eupen und St.Vith stellt Schauspielerin Gonca Morgentau fest, dass die Zehn- und Elfjährigen aufmerksam und mit Interesse zugeschaut haben.

Am Ende des Stücks wird den Kindern Mut gemacht, niemals aufzugeben und Hilfe zu suchen, wenn sie ein blödes Gefühl haben. Hilfe finden Betroffene in Ostbelgien bei Kaleido, dem Jugendhilfedienst oder der Opferbetreuung der Polizei.

Michaela Brück

Kommentar hinterlassen
Keine Kommentare
Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150