75 Jahre danach: Erinnerung in St. Vith an die amerikanische Befreiung

In diesen Tagen jährt sich das Ende der Nazi-Herrschaft in Ostbelgien zum 75. Mal. Wie die Befreiung durch die Amerikaner damals verlief, das haben Zeitzeugen dokumentiert und berichtet. Das BRF-Fernsehteam hat sich mit dem Geschichtsverein "Zwischen Venn und Schneifel" in St. Vith auf die Spuren der amerikanischen Eroberung gemacht.

Der Krieg kam im Sommer 1944 nach St. Vith: Am 9. August fielen die ersten Bomben auf die Vitusstadt. Es waren die Vorboten für den amerikanischen Einmarsch im September: „Zunächst wurde die Kirche getroffen. Das war das erste Mal, wo man hier erfuhr, was Krieg ist, Zerstörung, Todesopfer. Man hatte zwar schon tote Soldaten zu beklagen, die aus St. Vith oder den Dörfern weggezogen waren, die als Tote zu beklagen waren. Mit St.Vith ist übrigens auch das Lager Elsenborn angegriffen worden, wo es über 200 Tote gegeben hat. Dort waren Gefangene untergebracht und eben auch Soldaten“, erklärt Klaus-Dieter Klauser, vom Geschichts- und Museumsverein ZVS.

Die brennende Kirche war ein Schock für die St. Vither, wie Zeitzeugen berichtet haben: „Einige haben sich beherzt Decken geschnappt, sind in die Kirche gerannt und haben einige wertvolle Statuen gerettet, zum Beispiel den Vitus, den man heute noch sehen kann, Kelche aus dem Tabernakel. Der große Teil der Kirche, die Holzschnitzereien und so weiter, ist dann doch verbrannt“, so Klaus-Dieter Klauser.

Auch der Bahnhof war Ziel des Bombenangriffes. St. Vith sollte als Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt unschädlich gemacht werden. Das Empfangsgebäude wurde zerstört. Das andere Gebäude blieb unbeschädigt und konnte noch Fahrgäste empfangen. Der Betrieb konnte weiter geführt werden. Dann gaben die deutschen Machthaber den Befehl, die Stadt zu räumen: „Die Zivilbevölkerung wurde aufgefordert, Hab und Gut zusammenzubringen. Ein großer Treck wurde organisiert. Viele haben sich dem Treck angeschlossen. Andere blieben zu Hause.“

Nicht nur die Zivilisten mussten weg aus der Stadt. Auch alle Verantwortungsträger des Nazi-Regimes verließen St. Vith: „Die hatten Vorrecht, mit der Eisenbahn wegzufahren. So sind am 4. September letzte Züge abgefahren Richtung Deutschland.“

Wenige Tage später begann dann der amerikanische Einmarsch. Kampflos nahmen die Truppen Büllingen und die Nachbardörfer ein. In Bütgenbach wurde der Viadukt durch zurückziehende deutsche Truppen gesprengt. Am 14. September zogen die Amerikaner in St. Vith ein: „Die Bevölkerung war durch deutsche Propaganda verunsichert, verängstigt: „Nehmt Euch in Acht vor ihnen“. Als sie eintrafen, waren sie friedfertig, fair, alles andere als feindselig.“

Es war eine trügerische Ruhe, die nicht lange währte. Unbemerkt von den Amerikanern bereitete Hitler seine Gegenoffensive vor, die Mitte Dezember startete. Sie brachte Zerstörung und viel Leid nach St. Vith und in die Eifel-Dörfer.

Michaela Brück

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