Wasserversorgung in Ostbelgien: Jede Stunde Regen ist willkommen

Alarmstufe Orange meldeten am Freitag die Verwaltungsbehörden in Flandern und reagierten damit auf die anhaltende Trockenheit. Die Gewässer dort haben sich noch nicht von der Dürre im letzten Jahr erholt. Die wallonischen Behörden geben Entwarnung und sprechen von normalen Wasserbeständen. Doch wie sieht es in Ostbelgien aus? Einige Gemeinden sind nicht mit dem Wallonischen Netz verbunden, sondern versorgen sich selbst mit Wasser.

Küchelscheid und Leykaul bekommen vorübergehend Trinkwasser aus der Perlenbachtalsperre (Bild: Stephan Pesch)

Bild: Stephan Pesch/BRF

Wenn es knapp und dicke kommt mit der Trockenheit, kann man nicht von einer Versorgungssicherheit über die nächsten drei bis vier Wochen sprechen. Jede Stunde Regen ist willkommen. So drückt es Schöffe Charles Servaty aus, der in der Gemeinde Bütgenbach für die Wasserversorgung zuständig ist. Denn die Quellfassungen haben sich von der Trockenheit im letzten Jahr noch nicht erholt: „Wir sind mit den Quellfassungen unterhalb der Zahlen vom letzten Jahren. Dadruch dass Bohrungen stabil sind, ist die Lage momentan noch im Griff, aber nicht langfristig: Da sind wir abhängig vom Niederschlägen.“ Rohrbrüche, wie aktuell in Elsenborn und Bütgenbach, verschärfen die Situation zusätzlich. Deswegen ist die Bevölkerung auch dazu aufgefordert, umsichtig mit dem Wasser umzugehen.

Einen bewussten Wasserverbrauch empfiehlt auch der Büllinger Schöffe Wolfgang Reuter. Auch wenn in seiner Gemeinde noch kein Grund zur Sorge bestehe: „Die Reserven sind weniger, aber es gibt ausreichend Wasser. Und immer die Möglichkeit, auf den Speicher in Hellenthal zurückzugreifen. 50 Prozent des Wassers beziehen wir von dort. Es ist ein großer Speicher von 20 Millionen Kubikliter Wasser.“

Auf Wasser aus dem deutschen Grenzgebiet zurückgreifen ist in Büllingen Alltag, in Bütgenbach der Notfallplan. Im Oktober letzten Jahres musste die Gemeinde von Wasser aus Monschau beliefert werden. Täglich wurden bis zu 180.000 Liter Wasser von Tankwagen nach Bütgenbach transportiert. In diesem Maße eine einmalige Versorgungsaktion, berichtet der Schöffe Charles Servaty. Doch ausschließen kann er ein ähnliches Szenario in diesem Jahr nicht: „Natürlich wird man versuchen, das zu vermeiden. Denn es ist mit großen Kosten, Aufwand und Versorgungsunsicherheit verbunden. Wir möchten gutes und ausreichend Trinkwasser liefern das ganze Jahr über.“ Um eben das zu garantieren, ist es notwendig die Ressourcen auszubauen. Entsprechende Vorkehrungen sind im Gang: „Neben dem Erschließen neuer Wasservorkommen, ist die unmittelbarste Maßnahme die Bohrung P5. Es wäre ein dritter Rohrbrunnen auf der Liegenschaft Regenberg. In Kürze gibt es Testbohrungen.“

Auch in Büllingen setzt man auf langfristige Maßnahmen: „Gerade jetzt, wo wir unser Wasserkonzept realisieren und verschiedene Quellen nicht mehr am Netz haben. Wir sind dabei, Lotten 1 in Rocherath auszubauen. Man fragt sich, warum die Gemeinde das in der Trockenzeit macht, ein Teil der Reserven vom Netz zu nehmen. Es ist so, dass es dort sehr feucht ist, und die Arbeiten so nur jetzt realisiert werden können. Deswegen haben wir Lotten 1 nicht am Netz, aber bleiben über Wasser“, so Wolfgang Reuter.

Das System optimieren und dabei die Kosten im Blick behalten –- so wollen sich die ostbelgischen Gemeinden für die immer trockener werdenden Sommer wappnen.

Raffaela Schaus

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