Mord an Valentin: Die Geschworenen beraten über die Urteile

Fünf Wochen lang hat der Prozess um den Mord an Valentin Vermeesch gedauert. Der damals 18-Jährige war von fünf anderen Jugendlichen an einem Abend im März 2017 zunächst misshandelt worden, bevor sie ihn mit gefesselten Händen in die Maas geworfen hatten.

Mord an Valentin: die Angeklagten Killian Wilmet, Loick Masson, Dorian Daniels, Belinda Donnay und Alexandre Hart vor dem Schwurgericht in Lüttich

Mord an Valentin: die Angeklagten vor dem Schwurgericht in Lüttich (Bild: Bruno Fahy/Belga)

Der Prozess hat Abgründe aufgetan. Fünf Wochen lang ging es darum, zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, dass fünf Jugendliche einen Altersgenossen auf grausame Weise misshandeln und dann umbringen konnten. Es entstand das Bild von fünf Jugendlichen, die sich daraus einen Spaß gemacht hatten, mit dem 18-jährigen Valentin zu spielen. Valentin litt an einer leichten, geistigen Behinderung, suchte Freundschaft und Anerkennung von anderen. Das hat die Tat womöglich erleichtert. Unter den Jugendlichen hat es augenscheinlich eine Art Anführer gegeben.

Seit dem späten Dienstagvormittag haben sich die Geschworenen im Lütticher Prozess in ein Hotel, das völlig von der Außenwelt abgeschnitten ist, zurückgezogen, um über die Urteile zu beraten. Die Beratungen werden voraussichtlich bis Freitag andauern. Die Geschworenen werden im Prozess um den Mord an dem 18-jährigen Valentin aus Wanze 96 Fragen beantworten müssen.

Fünf Jugendliche werden beschuldigt, Valentin stundenlang gefoltert, anschließend vergewaltigt und dann mit festgebundenen Händen in die Maas geworfen zu haben. Vier der fünf Angeklagten haben bereits einen Freispruch wegen des Vorwurfs des Mordes beantragt. Alle vier stammen, wie auch der vermeintliche Anführer Alexandre aus eher einfachen, benachteiligten gesellschaftlichen Verhältnissen. Neben Alexandre soll die heute 22-jährige Belinda D. eine treibende Kraft bei den Misshandlungen und dem Mord gewesen sein. Belinda allerdings weist immer noch jede Schuld für den Mord von sich. Ihr Anwalt sagte am Dienstag: „Obwohl sie sich sehr intensiv mit ihrem Dossier beschäftigt hat, ist sie weiterhin unfähig, die richtigen Worten zu benutzen, um ihr Verhalten zu erklären und sich gegenüber der Zivilklage zu entschuldigen. Aber die Absicht ist zu erkennen.“

Lediglich der heute 21-jährige Alexandre Hart gestand die Taten und gab sich als Anführer aus. Als er am Dienstag noch einmal zu dem Prozess etwas sagen durfte, bat er um Entschuldigung für seine Tat. Um Verzeihung bat er nicht. Denn das, was er getan habe, sei einfach unverzeihlich. „Er hat aus eigenem Antrieb heraus das Wort ergriffen und sich entschuldigt“, erklärte sein Anwalt nach der Sitzung. Und ergänzte: „Die Entschuldigung scheint mir so aufrichtig, wie sie in dem gegebenen Kontext nur sein kann.“ Alexandre wisse, dass er für den Mord verurteilt wird. Für ihn käme es jetzt vor allem darauf an zu erfahren, wie hoch die Strafe ausfallen wird.

Neben Alexandre und Belinda gab es mit Dorian, Loïc und Killian drei andere Täter, die eher den Rang der Mitläufer innehatten. So zumindest das Bild, das der Prozess ergab. Alle drei geben Schläge und Misshandlungen zu. Alle drei verweigern wie Belinda eine Verantwortung für den Mord. Aller drei ergriffen auch am Dienstag noch einmal kurz das Wort, alle drei brachten mehr oder weniger deutliche Entschuldigungen über ihre Lippen. Der Anwalt des heute 23-jährigen Loïc sagte zu seinem Mandanten: „Ich glaube, dass er Angst hat vor dem, was er selbst ist. Er beteuert seit dem ersten Tag seine Unschuld. Das bezieht sich auf den Mord. Dass er Valentin geschlagen hat, das hat er von Anfang an zugegeben.“

belga/cd/kw

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