Jacques: Die letzten Stunden vor dem Aus

Am Freitag ist endgültig Schluss: In der Eupener Chocolaterie Jacques wird die Produktion eingestellt. Damit endet eine sehr lange Geschichte der Schokoladenherstellung in Ostbelgien. Und auch das angehörige Museum von Jacques steht vor dem Aus.

Seit den neunziger Jahren führte Peter Ramjoie als Museumsführer durch das Eupener Schokoladen-Museum (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Seit den neunziger Jahren führte Peter Ramjoie als Museumsführer durch das Eupener Schokoladen-Museum (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Wir treffen Peter Ramjoie am Schokoladenmuseum in der Eupener Industriezone. Am Mittwoch soll er dort zum letzten mal eine Führung übernehmen. Mitte der 90er Jahre hat er damit angefangen. Doch jetzt ist Schluss. „Die Fabrik schließt jetzt am 17. Mai. Das Museum wird noch ein wenig funktionieren – aber ohne Museumsführer“, erklärt Peter Ramjoie. „Das heißt: Freie Besucher können noch kommen, solange der Shop auch noch genügend Material zur Verfügung hat, aber dann wird das Museum normalerweise wie eine Kerze ausgehen.“

Der Großteil der Ausstellungsstücke soll ins Museum der Baronie-Gruppe nach Brügge verlegt werden, sagt Peter Ramjoie. Dorthin also, wo Schokolade mit dem Markennamen Jacques weiter produziert wird.

Neben den Arbeitsplätzen geht damit auch ein attraktives Tourismusziel in Eupen verloren. „Zu den Hochzeiten des Museums kamen damals pro Tag zehn bis zwölf Busse mit jeweils 50 Leuten hier hin. Es war schon sehr viel los“, erinnert sich Ramjoie. „Die Leute wollten etwas über Schokolade erfahren und anschließend Einkäufe tätigen, denn das kleine Geschäft läuft mit dem Museum parallel.“

In letzter Zeit sind die Besucherzahlen stark zurückgegangen. Die Reisebusse, die noch vor Jahren jeden Tag die Eupener Industriezone ansteuerten, kamen zuletzt nicht mal mehr innerhalb einer Woche. Mit den Sparmaßnahmen wurden auch die Öffnungszeiten des Museums zurückgefahren.

Fast 100 Jahre produzierte Jacques in Eupen. In den 60er Jahren warb Jacques damit, täglich 100 Millionen Schokoriegel herzustellen. Ein trauriges Ende für den Industriestandort, findet Ramjoie. „Es ist wirklich eine Art Brotkorb gewesen. Als ich jung war, arbeiteten mehr als 600 Leute im Betrieb. Es war nach dem Kabelwerk der zweitgrößte Betrieb in Eupen. Das hat sich im Laufe der Zeit reduziert – zum Teil durch die Automatisierung und zum Teil durch Verlagerung der Produktion ins In- und Ausland.“

1896 hatte Antoine Jacques das Unternehmen in Verviers gegründet. Ob die bekannte Marke mit dem Produktionsstandort Brügge einen neuen Aufschwung erfahren wird, ist ungewiss. Fest steht, dass der Name Jacques für viele Menschen immer mit Eupen verbunden sein wird.

Peter Ramjoie vor der Chocolaterie Jacques in Eupen (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Peter Ramjoie vor der Chocolaterie Jacques in Eupen (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Manuel Zimmermann

Kommentar hinterlassen
Ein Kommentar
  1. August Mauel

    Hallo Peter,

    Schade das die Zeit vorbei ist, das warst der Beste
    Halte dich gesund und munter.
    August Mauel

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150