Ostbelgische Schüler bei Klimademos: Mehr als nur Schwänzen

Seit einigen Wochen ist die Bewegung "Schule schwänzen fürs Klima" nach Belgien übergeschwappt. Diesen Donnerstag haben wieder Tausende an Demonstrationen in Löwen, Mons und Arlon teilgenommen. Die Proteste sollen in den nächsten Wochen weitergehen. Auch immer mehr ostbelgische Schüler beteiligen sich an der Bewegung.

Klima-Demonstrant aus Überzeugung: Romain Wiesemes (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Klima-Demonstrant aus Überzeugung: Romain Wiesemes (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Romain Wiesemes ist 18 Jahre alt und geht auf die Maria Goretti in St. Vith – eigentlich, denn bei der größten Schülerdemo in Brüssel war auch er dabei, um fürs Klima zu schwänzen. Gemeinsam mit 35.000 anderen Jugendlichen auf die Straße zu gehen beschreibt er als tolle Erfahrung: „Einfach dieser allgemeine Konsens, dass alle die gleiche Auffassung haben, dass alle Spaß haben und friedlich waren.“

„Das war für mich auch ein erstes Schnuppern einer Demonstration, ich hatte so etwas noch nie gemacht. Es hat mir gut gefallen!“ Nicht nur der 18-jährige Montenauer, sondern auch andere Schüler aus der DG machen bei den Demos mit. Via Social Media tauschen sich die Jugendlichen über Busverbindungen und Treffpunkte aus.

Doch das Klima sei nur Nebensache, behaupten Kritiker der Bewegung. Es gehe eher ums Schwänzen. Ein falsches Bild, findet der Abiturient Romain. „Der größere Teil ist aus Überzeugung da und weil er die Thematik wichtig findet – weil das unser Leben betrifft. Ich glaube, dass wir politisch nicht so viel erreichen können, wie wir uns erhoffen. Allerdings glaube ich, dass wir das Bild, was viele Erwachsene von den Jugendlichen haben, tatsächlich ändern können.“

Die meisten Lehrer zeigen sich tolerant – und sehen das Protestieren nicht als Blaumachen. Einige Lehrpersonen begleiten ihre Schüler sogar zu den Demos. „Die Lehrer sind positiv gestimmt gewesen und waren für Argumente offen. Es gibt einfachere wichtigere Dinge als eine Mathe- oder Biologie-Stunde. Da kam positive Resonanz.“

Auch Romains Eltern finden sein außerschulisches Engagement in Ordnung. „Meine Eltern sehen das auf jeden Fall eher positiv. Das war bei uns in der Familie schon immer so, dass wir mehr auf die Umwelt achten als andere.“

Auf die Umwelt achten, das kann und sollte auch jeder Einzelne. Doch gemeinsam kann man noch mehr erreichen. Deswegen wird Romain Wiesemes auch wieder auf die Straße gehen. Am liebsten in Brüssel, mit tausenden Gleichgesinnten. „Ich bin kein Klimaexperte. Ich könnte jetzt irgendwelche Statistiken und Zahlen heraushauen. Aber das bin ich ganz einfach nicht.“

„Ich glaube, dass der Klimawandel keine Lüge ist und handle aus voller Überzeugung. Wenn viele junge Leute sich zusammentun und aus Überzeugung handeln, dann ist das eine gute Sache.“

Raffaela Schaus

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9 Kommentare
  1. Anja Wotschke

    Nu liebe Jugend von heute, dann verzichtet mal auf eure ach so tollen Smartphones, iPods, Tablets, Laptops und kehrt zurück zu Stift und Papier so wie wir es auch mussten + klassischen Nachschlagewerk ohne Google und co. Dazu lasst euch auch nicht von Mama und Papa oder Oma Opa zur Schule stets bringen und abholen sondern fahrt Bus, Fahrrad oder geht zu Fuss. Auch dies ist vllt hilfreich für’s Klima. Denn auch ihr seit nicht so unschuldig wie ihr tut, ihr verursacht den Klimawandel usw ebenso mit aber alles nur auf die ältere Generation abwelzen ist ja so einfach statt sich mal selbst an die eigener Nase fassen ist ein No-Go.

  2. Norbert Schleck

    Ach, Frau Wotschke, glauben Sie wirklich, was Sie da schreiben?
    Nur ein paar Anmerkungen:

    Sie werfen der Jugend vor, Smartphones oder Laptops zu benutzen? Ja, wer gibt ihnen die denn in die Hand? Doch wohl wir Erwachsenen, die durch die eine hemmungslose Werbeindustie die jungen Menschen von Kindesbeinen an zum Konsum verführen.

    „…zurück zu Stift und Papier“? Warum nicht zu Tontäfelchen und Keilschrift?

    „…klassischen Nachschlagewerk ohne Google“: den Großen Brockhaus, aus dem Jahre 1975, 24 Bände in Opas Bücherregal?

    „…fahrt Bus, Fahrrad oder geht zu Fuss.“
    Stellen Sie sich mal bei Schulschluss etwa vor die CMT/Providence in Herve: Hunderte Schüler an den Bushaltestellen, ein Bus nach dem anderen fährt vor. Ortsansässige gehen durchaus zu Fuß nach Hause, ja, und wieder andere werden abgeholt (nicht jeder wohnt in der Nähe einer Bushaltestelle), aber das ist nicht die Mehrheit.
    Mit dem Fahrrad sind allerdings nur wenige unterwegs, nicht verwunderlich bei dem Verkehr und der fehlenden Infrastruktur.

  3. Guido Scholzen

    Ich hoffe, dass Romain Wiesemes in 20 Jahren über seine eigenen Jugendfehler lachen kann. Wenn er wirklich ‚Klimaschutz“ betreiben will ,dann verzichte auf den Führerschein als 18jähriger. Sei ein guter Klimaschützer.🙂
    In seinem Alter habe ich mich auch für die Thematik Klima interessiert, habe aber angefangen Infos zu lesen und zu sammeln von vielerlei Herkunft.
    Warum soll man sich für etwas stark machen, wovon man keine Ahnung hat, wie Romain Wiesemes selber sagt?
    Zu unserer Zeit hat man sich aus ‚Glaubensgründen‘ in der Kirche oder in religiösen Gruppierungen getroffen. Ich weiss nicht, ob es gut ist, die Jugend mit viel christlicher Weltansicht zu füttern, aber seitdem die Europäer nicht mehr an Gott glauben, glauben sie an jeden Mist.

  4. Anja Wotschke

    Herr Schleck, nur dass nicht jeder Erwachsene oder jedes Elternteil dazu finanziell in der Lage ist ihren Sprösslinge ein Smartphone, Tablet ect ect zu kaufen, nein noch nicht mal das billigste vom billigsten
    Was spricht dagegen einige 100 Meter bis zur nächsten Bushaltestelle zu laufen und von dieser auch zurück zum Elternhaus ? und was spricht jetzt dagegen mit dem Fahrrad zu fahren ? In den 80ern war die auch nicht viel besser und bin von Astenet aus richtung Kelmis zum damaligen Lyzeum geradelt so auch zurück obwohl es auch da schon Busverbindungen gab, und hat’s geschadet ? Und auch als ich in Kelmis, außerorts, wohnte sind wir auch zu Fuss bei Wind und Wetter zur Schule gegangen und ? Sind wir daran gestorben ? Sorry die Jugend von heute muss quasi mit dem A…. bis ins Klassenzimmer usw kutschiert werden

  5. Mario Meis

    Frau Wotschke, Sie haben völlig recht, die Jugend sollte auf das Smartphone etc.
    etwas weniger benutzen.Aber denen geht es doch nicht, um das Klima, sondern eher um Schulschwänzen.Das ist doch“ cool“,einer macht es vor, die anderen machen es nach, das ist „Rudelbildung“:
    Wenn die Verantwortlichlichen der Schulen da rigoros sind, wird diese Unart sicher schnell vorbei sein.
    Herr Schleck,ich glaube, viele Eltern würden froh sein, wenn sie ihrem Schützling
    nicht ein Smartphone kaufen müßten, aber ohne sind es wohl Außenseiter.
    Schließlich ist die Anschaffung und auch die Unterhaltung nicht gerade billig, und da uns gelehrt wird, das es viele Arme gibt,ist es doch erstaunlich,wieviele Jugendliche es benutzen,freiwillig, sie werden nicht von den Erwachsenen gezwungen.Man sieht sie im Bus sitzen,nur auf das Teil schauend, kein Blick für
    Fahrgäste ohne TOLERANZ gegenüber ihnen , wenn man die Musik lauter dreht.
    Warum nicht Papier und Bleistift, Herr Schleck?
    Da sind wir damals gut mit gefahren.

  6. Lorenzo Krings

    Guten Tag!
    Herr Guido Scholzen,
    Ich denke wir werden unseren Kindern und Enkeln mit stolz sagen können wofür wir uns eingestzt haben!
    Wir gehen nicht unbedingt nur für den Klimaschutz, ich würde lieber den Begriff Umweltschutz benuten.
    Unsere Umwelt wird heutzutage wie noch nie verletzt. (Die Begriffe Artensterben, Plastikverschmutzung, Regenwaldrodung, Bodenverschmutzung,… müssten ihnen bekannt sein, da sie sich ja scheinbarsehr mit dem Thema befassen 🙂 ). Wir gehen für unsere Zukunft auf die Straße! Wir haben keine Lust dass unsere nachfolgenden Generationen eine andere Welt sehen als die, die wir sie heute noch TEILWEISE haben.
    Dieses Phänomen nennt man Nachhaltigkeit und ich denke in diesem Punkt haben viele von ihnen aber auch noch Jugendliche nachhilfebedarf.
    Es wäre sehr hilfreich wenn man einen Unterricht (z.b. Nachhaltigkeit) einführt anstatt zu lernen wie man einen Film analysiert, etc.

  7. Norbert Schleck

    Frau Wotschke und Herr Meis, die Digitalisierung in allen Bereichen kann nichts und niemand aufhalten.
    Sicher der totale Horror für Sie: Neueste Meldung: „Lego will mehr Digitales in die Bauklötzchen-Welt bringen.“
    Zu Ihrer Beruhigung: „Papier und Stift“ haben auch in der heutigen Schulwelt noch nicht ausgedient. Aber ein Taschenrechner ist doch ganz nützlich, oder nicht?

    Nun stimmt es, dass nach Schulschluss 9 von 10 jungen Leuten ihr Smartphone am Ohr haben. Was wollen Sie dagegen tun? Außerhalb der Schule machen die jungen Leute (wie auch viele Erwachsene) sowieso, was sie wollen.
    Natürlich ist da „Rudelbildung“ im Spiel, aber die gab es schon immer. Früher waren das die Jeans oder Sportschuhe einer bestimmten Marke, ohne die man nicht „in“ war.

    Was den Schülertransport betrifft, liegt es (noch) in der Verantwortung der Eltern, wie sie ihre Kinder zur Schule bringen oder bringen lassen. Oder wollen Sie das auch reglementieren?

    Und früher, da war natürlich alles besser…

  8. Guido Scholzen

    @Lorenzo:
    Womit ihr euch heute beschäftigt, gab es auch schon in den 1980ern, als meine Generation jung und unerfahren war:
    -Greenpeace war damals gegen Staudämme im Amazonas, weil Urwald+Ureinwohner bedroht waren. Heute ist greenpeace ein Befürworter von Staudämmen in Lateinamerika von Costa Rica bis Brasilien ohne Rücksicht auf Urwald+Ureinwohner, weil ‚ökologischer Strom‘ für Klimaschutz produziert wird. Schau den Film ‚Der Smaragdwald‘ an (auf youtube vorhanden), dann weißt du, was wir damals unter Regenwaldrodung verstanden.
    -Artensterben war damals schon aktuell und immer noch wichtig. übrigens: der Eisbär stirbt nicht aus. Es gab noch nie so viele wie heute. vor 50 Jahren 5-10.000 Tiere, heute sind’s 20.000-25.000. Hier wird ein Artensterben erfunden,um euch in Sachen Klimaschutz zu motivieren (politische Verarschung).
    -Bodenverschmutzung:z.B.mit Pestiziden+Düngung. In den 1980er waren die deutschen Grünen gegen Monokulturen von Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais auf dem Acker,weil die Böden zusehr dadurch ausgelaugt werden. Heute sind die Grünen die grössten Förderer von grossflächigen Maisanbau für…Strom!

  9. Mario Meis

    Gar nichts kann und will ich dagegen tun, Herr Schleck.
    Ich will nur darauf aufmerksam machen, dass es entweder Heuchler sind oder sie können die Zusammenhänge nicht begreifen und laufen nur einem Ideal nach, was niemals werden erreicht kann.Dann ist es wirklich nur ein Grund, die Schule zu schwänzen.
    Ich will gar nichts regelmentieren, ich will das nur aufzeigen.

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