Eupen: Bau-Boom für Baby-Boomer

In Eupen sind die Mieten hoch. Zumindest macht das so mancher Familie zu schaffen, die auf der Suche nach günstigem Wohnraum ist. Sieht man es markttechnisch, müsste da einfach nur das Angebot zunehmen, damit die Nachfrage steigt und dadurch die Preise sinken. Doch so einfach ist das nicht. Zwar gibt es viele Bauprojekte in Eupen, aber die Nachfrage steigt auch stark.

Bauarbeiter

Illustrationsbild: Pixabay

Es ist nicht zu übersehen: In Eupen wird viel gebaut. Wenn man die Wohnprojekte zusammenzählt, kommt man schnell auf einen dreistelligen Bereich – nicht hundert, sondern Hunderte neue Wohnungen.

Doch wie schnell diese Häuser wirklich kommen, ist relativ, so Eupens Bürgermeisterin Claudia Niessen. „Es gibt in Eupen eine Kontinuität, dass ständig Projekte entwickelt und gebaut werden. Was man in den letzten zehn Jahren aber verstärkt gesehen hat, das sind die Appartementgebäude. Man bebaut verstärkt Flächen in der Innenstadt“, so Niessen.

„Man baut also nicht ein Einfamilienhaus neben dem anderen, sondern gleich zehn bis 60 Wohnungen, je nach Größe des Projekts. Wobei man da auch sagen muss, dass von der ersten Projektidee bis zum ersten Spatenstich sechs Jahre vergehen. Bei den Großprojekten muss man noch vier bis fünf Jahre Bauzeit rechnen. Jahre vergehen und bis alle 60 Wohnen entstanden sind, sind schon fast zwölf Jahre um.“

Klar: Hunderte neue Wohnungen entstehen nicht über Nacht. Fest steht: Viele neue Projekte betreffen das Stadtzentrum, denn offenbar zieht es die alternde Baby-Boomer-Generation massiv dorthin. „Es gibt einen Trend, dass auch Senioren aus den umliegenden Gemeinden unsere Innenstadt sehr attraktiv finden. Sie finden hier alles vor für das tägliche Leben. Vielleicht haben sie auch nicht die Möglichkeiten, ein großes Haus mit einem Garten zu pflegen“, sagt Niessen.

Eine Herausforderung für die Stadt. Aber der Trend auf kleinem Raum kompakter zu bauen, habe auch Vorteile. „Wir haben gar nichts dagegen, wenn kompakter gebaut wird. Das erleichtert oft viele Dinge. Die Wege werden kürzer: die Wege für die Versorgungsleitungen oder die Wege, um den Müll einzusammeln. Auch die Wege, die wir unterhalten müssen, werden im wahrsten Sinne des Wortes kürzer“, sagt Bürgermeisterin Niessen. „Die Stadt Eupen hat in den vergangenen sechs Jahren keine weitere Parzellierung auf der grünen Wiese ermöglicht. All das, was man heute sieht, lag also an erschlossenen Straßen. Es gab in Eupen in den letzten sechs Jahren keine Genehmigung für zusätzliche neue Straßen.“

Weniger Zersiedelung – ein Konzept, das keine Eupener Erfindung ist. Im ganzen Land ist man bemüht, den Wachstum von Siedlungsbereichen in die Landschaft zu bremsen. Für Bürgermeisterin Niessen steht fest, dass der Eupener Wohnmarkt schwierig für Familien mit geringem und mittlerem Einkommen ist. Deshalb denke man auch über neue Projekte im sozialen Wohnungsbau nach. Aber auch die brauchen Jahre bis zur Umsetzung.

Einfacher wird es jedenfalls nicht – nicht solange Eupen attraktiv über Eupen hinaus bleibt. „Die Preise sinken nicht automatisch, weil die Nachfrage immer noch sehr hoch ist. Nicht nur durch die Nachfrage aus Eupen, sondern auch die von außen kommt“, erklärt Niessen. „Es gibt viele Leute aus dem Aachener Raum, die bei uns eine Wohnung suchen, weil sie im Aachener Raum keine Wohnung mehr finden. Es ist nicht nur eine Nachfrage, die nur aus Eupen selbst heraus kommt.“

Manuel Zimmermann

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2 Kommentare
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    Was wir brauchen ist bezahlbarer Wohnraum. Nicht jeder mit leerem Geldbeutel ist selber an Schuld an Arbeitsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit oder Überqualifizierung, dem Arbeitsmarkt.

    Umgekehrt kann nicht jeder mit vollem Porti auch wirklich auf ehrlichem Wege zu übermäßig viel Vermögen kommen.

    Es ist absolut unberechtigt, dass Mieten dermaßen in der gesamten EU nach oben gedrückt werden, während in manchen EU-Ländern die Nettogehälter sogar gesenkt werden werden durch Leihfirmen, Wegfall des Weihnachts- und Urlaubsgeldes, Zwangsprivatversicherung bzw. Scheinselbstständigkeit.

    In der DDR soll eine gute Neubauwohnung noch nicht einmal 100 Mark gekostet haben, also nach der Umrechnung Ostmark-Westmark-Teuro 1:1:2. Bei einem Arbeitereinkommen von angeblich ca. 1.000 Mark.

    Laut Wikipedia war es zudem den Vermietern und der Reichsbahn verboten, überhaupt die Preise zu erhöhen.

    Es grenzt an Kriminalität bzw. Seelenverkäuferei, dass beispielsweise jemand mit einem Wiedereingliederungseinkommen vom ÖSHZ mehr als 80 Prozent komplett nur für ein Dach über dem Kopf zu zahlen hat je nachdem wo er in der EU wohnt.

  2. Marcel scholzen Eimerscheid

    Werter Herr Drescher.
    Als Beispiel taugt die DDR nur bedingt. Dann schon eher Singapur. Dort ist der Wohnungsbau staatlich gelenkt. Dies weil Singapur ein autoritaerer Staat ist. In Belgien wuerde das nicht gehen.

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