Essbare Kunst: Eifelerin Francine Wickler bei der Koch-WM in Luxemburg

Diese Woche findet in Luxemburg Stadt die Weltmeisterschaft im Kochen statt. Dabei ist auch eine Ostbelgierin: Die junge Köchin Francine Wickler aus Oudler. Bei dem internationalen Wettbewerb bekochen 100 Teams aus aller Welt eine 55-köpfige Jury. Verkostet werden die kulinarischen Kreationen aber nicht, denn bei der Bewertung geht es lediglich ums Aussehen.

V.l.: Francine Wickler, Inge Mayolle, Dimuthu und Edouard Colonerus (Bilder: Raffaela Schaus)

Alle vier Jahre ist es soweit: 100 internationale Teams kämpfen um einen Welt-Cup. Die Rede ist natürlich von der Koch-Weltmeisterschaft, dem Culinary World Cup, in Luxemburg Stadt. Mit von der Partie ist in diesem Jahr auch eine Ostbelgierin: Francine Wickler aus Oudler.

Seit Donnerstag bereitet sie mit ihrem Team die Gerichte vor, damit Montag um drei Uhr nachts alles bereit ist – für die Fahrt nach Luxemburg. Geübt hat sie für den Tag aber schon länger – gemeinsam mit ihrer Mannschaft. Keine leichte Aufgabe, denn ihre Teamkollegen kommen aus Sri Lanka: „Sechs Monate brauchen wir für das Training. Die Sri Lanker und ich schicken uns Fotos hin und her – so bereiten wir uns vor“, erklärt Francine Wickler.

Antreten wird das Team um Francine aber weder für Sri Lanka, noch für Belgien. Es ist die kanadische Fahne, die ihre Kochschürzen ziert. Zusammengekommen ist diese unwahrscheinliche Kombi durch den Teampräsidenten Edouard Colonerus. Gebürtig aus Atzerath, ist er vor fast 50 Jahren in Kanada gelandet. Als Koch bei einer Hotelkette – und leidenschaftlicher Wettbewerbteilnehmer – ist er international viel herum gekommen – und hat so talentierte Freunde aus Sri Lanka gefunden.

„Für die Expogast bin ich seit 1982 dabei, alle vier Jahren bin ich gekommen. Dieses Mal ist mein zehntes Mal ununterbrochen und es wird das letzte Mal sein“, gibt der 77-jährige Meisterkoch bekannt. 1998 hat er die Weltmeisterschaft sogar gewonnen – und hat seitdem immer wieder nach neuen Talenten für das Team gesucht.

1998 gewann Colonerus den Culinary World Cup. (Bilder: Raffaela Schaus)

Vor zwei Jahren besuchte er Francine Wickler in ihrem Restaurant, um sie mit ins Boot zu holen. Eine neue Erfahrung, denn anders als im Restaurant, geht’s bei den Meisterschaften nur ums Aussehen: „Das kann man gar nicht vergleichen. Hier geht’s nur ums Aussehen und das Präsentieren. Wir machen kleine Häppchen, Vorspeisen, Büffetplatte, 5-Gänge-Menü, vier Desserts und vier Petit-Fours“, so Francine.

Mehr Kunstwerk als Speise, was die Köche hier schaffen. Später nimmt eine 50-köpfige Jury die Arbeit unter die Lupe – aber verkostet wird nichts. Damit die Gerichte auch lange schön bleiben, ist Gelatine DIE Hauptzutat. Schmecken muss es ja nicht, nur essbar sollen alle Zutaten sein.

Alles essbar: Im wahrsten Sinne des Wortes zuckersüße Kreationen.

Damit bei den kulinarischen Kreationen alles perfekt sitzt, ist vor allem eins gefragt: Ein ruhiges Händchen. Bei den kleinsten Details darf es auch mal die Pinzette sein.

Hektik ist bei dieser Arbeit fehl am Platz. Genug Ruhe bringen vor allem die Sri Lanker mit, wie Teampräsident Colonerus berichtet: „Die sind sehr talentiert. Die machen ihre Arbeit, sind nicht aus der Ruhe zu bringen.“

Dass auch die junge Köchin Francine das Zeug für Meisterschaften hat, konnte sie vor zwei Jahren bei der Olympiade in Erfurt beweisen. Auf Anhieb gewann sie gleich zwei Mal Bronze. Diesmal will sie mehr. „Ja, Gold. Wir haben zwei Teams. Montags stellen wir aus und Mittwoch. Das Ziel ist natürlich Gold. Donnerstag gibt es noch den Culinary World Cup. Wenn wir genug Goldmedaillen haben, bekommen wir den Cup.“

Francine Wickler holt Edelmetall bei Koch-Weltmeisterschaft

Raffaela Schaus

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