Amel hat nun seinen Brexit Pub: „Inspector Barnaby hat mich auf die Idee gebracht“

In den Brexit-Verhandlungen hat es schon mehr als einmal Stillstand gegeben und Fristen wurden verlängert. Anders beim Brexit Pub in Amel: Der wurde pünktlich am Vorabend des Hubertusmarktes eröffnet. Und auch wenn der Name darauf schließen lässt: Zur Eröffnung des Brexit Pub war kein Referendum nötig.

"Brexit Pub" in Amel

"Brexit Pub" in Amel (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Was sich englisch anhört, das ist auch englisch. Die Stühle, die Tische und sogar die Lampen des Brexit Pub stammen aus England. Und weil der Engländer nach Feierabend gerne ein Pint trinkt, zapft Inhaber Horst Mertes seinen Gästen in Amel ein großes Bier vom Fass – ein Pint. „Das ist fast ein halber Liter“, erklärt Horst Mertes.

„Ich habe hier am Fass ein Indian Pale Ale, das ist Martin’s und kommt original aus England. Dann haben wir natürlich auch das Stella, das belgische Bier, da kam ich nicht drumherum. Das ist aber auch in England in jedem Pub erhältlich und sehr beliebt. Und dann haben wir auch das Guinness aus Irland.“ Das Pale Ale wird nach wie vor nach englischer Brauart gebraut und das Stella hat belgische Wurzeln. Auch für Biertrinker gilt: Die richtige Mischung macht’s!

Das Gebäude des Brexit Pub liegt in einem denkmalgeschützten Bereich. Vor vier Jahren hat der Besitzer Amel Mitte eröffnet und da gab es das anliegende Haus Kreusch, in dem jetzt der englische Pub sein Zuhause hat. Bei der Entkernung des Gebäudes kamen alte Holzständerstrukturen und Fachwerkwände zum Vorschein.

Innenarchitekt Guido Keller ist überzeugt: Die alte Bausubstanz unterstreicht im Zusammenspiel mit den alten englischen Möbeln das rustikale Ambiente. „Bei der ersten Begehung war relativ schnell klar, dass das Haus vom Ambiente her schon einiges mit sich bringt wie die alten Holzdecken und -strukturen, die niedrigen kleinen Räume. Und umso überraschter waren wir natürlich, als bei der Entkernung des Gebäudes dann die alten Holzständerstrukturen zum Vorschein kamen, die in Verbindung mit dem Ambiente das Rustikale noch zusätzlich unterstreichen“, so Keller.

Möbel aus England, Theke aus Ostbelgien

Horst Mertes ist Englandfan und hat lange Jahre in London gelebt. Mit seinem Konzept möchte er ein Stück Good Old England nach Amel bringen. Alles soll authentisch sein – und das sieht man auch an den Möbeln. „Ich habe Möbel sogar aus England importiert. Die ganzen Bilder, die Dekoration, die man hier sieht, das ist alles original direkt aus England. Und das älteste Möbelstück aus England ist circa zweihundert Jahre alt. Ein ganz, ganz alter Stuhl neben dem Piano.“

Das Beste ist, dass diese Möbel nicht nur Dekoration sind, sondern benutzt werden sollen. Wer es gemütlich mag, der kann sich ans Kaminfeuer setzen, ein Bierchen oder einen English Tea trinken und ein Brettspiel spielen. „Also nach dem Zeitalter der ganzen Handys und Apps, die ganzen Videospiele spreche ich dabei an, möchte ich die alten Brettspiele wieder einführen“, erklärt Mertes.

Ein besonderes Schmuckstück ist die Theke. Die stammt allerdings nicht aus England, sondern wurde auf Vorlage eines Fotos originalgetreu nachgebaut. Mit einem Augenzwinkern meint Bauunternehmer Günther Leufgen: „Wir haben hier die wunderschöne Theke reingebaut. Gott sei Dank hat Horst in London keine gebrauchte Theke gefunden, sonst hätten wir die auch nicht bauen dürfen. Aber er hat hier ja diese wunderschönen alten Möbel gefunden und ich finde, es passt alles wunderbar zusammen.“

Begegnung mit Inspector Barnaby

Der Pub in Amel ist unter anderem Inspector Barnaby zu verdanken. Wie die Krimiserie und der Brexit Pub verbunden sind, dazu erzählt Horst Mertes eine Anekdote aus seiner Zeit in London. „Da habe ich mal zufällig den englischen Schauspieler John Nettles kennengelernt, in einer Hotelbar in London. Der Name ist vielleicht nicht jedem ein Begriff, aber er ist bekannt als Inspektor aus der Serie Inspector Barnaby.“

"Brexit Pub" in Amel

Bild: Horst Mertes

Damals hat der Englandfan den Schauspieler nicht erkannt, und der war darüber glücklich, weil er sich inkognito ganz normal unterhalten konnte. Später hat John Nettles dann erzählt, dass er den Inspector Barnaby in der Fernsehserie spielt. „Daraufhin habe ich mir diese Sendung angeschaut, die auch irgendwann sehr berühmt wurde auf ZDF und später auf ZDF Neo. Und da habe ich diese authentischen Pubs gesehen. In jeder Serie sieht man diese schönen Pubs, auf dem Land im Südwesten von England. Und da kam diese Idee eigentlich her.“

Es musste aber noch ein Name gefunden werden. Es sollte ein Name sein, den sich jeder gut merken kann und den jeder kennt. Und weil der Brexit in aller Munde ist, war die Wahl schnell getroffen. „Gut, wir wissen nicht, was da alles in England passiert. Es wird ja hin und her diskutiert. Es ist sogar die Rede von einem eventuell neuen Referendum, aber eines ist sicher: Wir in Amel, wir haben einen Brexit – und wie man sehen kann, einen geordneten!“

Traditionsgemäß ist auf der Insel um punkt 23 Uhr Zapfenstreich. Wenn die Glocke im Pub läutet, rennen alle zur Theke, um das Letzte zu bestellen. Wer das nicht macht, muss zu Hause weiter trinken. So englisch ist der Wirt des Brexit Pub dann doch nicht. Es hängt keine Glocke an der Theke und auch Lamm mit Minzsoße wird es im Brexit Pub wohl nicht geben.

Chantal Scheuren