Reha in St. Vith hilft Menschen seit zehn Jahren auf die eigenen Füße

Die Reha in St. Vith ist im August zehn Jahre alt geworden. Doch wie sieht eigentlich die Behandlung in einer Reha aus? Und wie arbeitet die Abteilung in St. Vith? Um den Menschen einen Einblick in den Alltag der Reha zu verschaffen, lädt das St.-Josef-Krankenhaus am Samstag zu einer Tagung ein.

Für die meisten Leute sind Abläufe wie sprechen und gehen selbstverständlich. Doch nach einem Unfall oder einer Operation können solche Funktionen zu einer Herausforderung werden. Die Fähigkeiten wiedererlangen, um möglichst schnell und gut in den Alltag zurückzukehren, ist das Hauptziel der Reha.

Dr. Karl Vermöhlen setzt auf der St. Vither Reha-Station auf persönliche Betreuung. „Es geht darum, die Bedingungen zuhause zu erforschen und für jeden Patienten ein individuelles Rehabilitationsprogramm zu entwickeln.“

Bei einer stationären Kapazität von 20 Betten ist so eine individuelle Betreuung in der St. Vither Reha auch möglich. Vermöhlen leitet die Abteilung seit neun Jahren – und ist zufrieden mit den Bedingungen vor Ort. „Ich komme jeden Tag gerne zur Klinik“, sagt Dr. Karl Vermöhlen. „Die Klinik ist sehr gut ausgerüstet. Es ist ein völlig anderes System als in Deutschland, wo ich früher gearbeitet habe. Rehabilitation in Belgien ist kleinräumig, d.h. die Rehabilitation erfolgt im Setting, in dem die Patienten leben. Die personelle Ausstattung ist sehr gut. Wir haben echte Profis in den therapeutischen und pflegerischen Berufen, die mit den Patienten Tolles erreichen können.“

Insgesamt arbeiten etwa 50 Leute auf der Reha-Station. Die meisten sind seit zehn Jahren, also von Anfang an, dabei. Das Team umfasst verschiedene Bereiche: Neben Pflege, Kinesi- und Ergotherapie sind auch Logopädie, Ernährungsberatung, Sozialassistenz und Psychologie in der Reha vertreten, um eine ganzheitliche Behandlung zu gewähren.

Die meisten Patienten müssen nach einem künstlichen Gelenkersatz oder nach einem schweren Unfall in die Reha. Hinzu kommen neurologische Fälle, allem voran Schlaganfallpatienten, wie Dr. Vermöhlen erklärt.

Eine seelische Stütze bietet in der Reha auch der Kontakt zwischen den Patienten. Auf der Station können sie sich über schwere Anfänge und Fortschritte austauschen. „Als ich hier ankam, konnte ich praktisch nicht gehen“, erzählt Patient Erwin Hoffmann. „Am Anfang war ich im Rollstuhl, dann hatte ich einen Rollator und dann Krücken. Jetzt geht es wieder ohne und ich bin knapp 14 Tage hier.“

Bis es soweit war, hat Erwin Hoffmann, wie die meisten Patienten hier, ein straffes Therapie-Programm vollzogen. Doch auch für Entspannung und Ruhepausen wird auf der Station gesorgt. Jedoch ist all das nur in begrenzter Anzahl möglich – das weiß auch Vermöhlen. „Die 20 Betten sind permanent belegt, d.h. wir müssen leider auch des öfteren Patienten absagen. Das tut uns weh und ist für jeden Patienten, der nicht kommen kann, sicher auch mehr als bedauerlich, weil ein menschliches Schicksal dahinter steckt.“

Zu den stationären Fällen kommen noch ambulante Behandlungen hinzu, d.h. Leute, die nur für einzelne Sprechstunden zur Reha kommen. Im Schnitt behandelt die Abteilung 360 Fälle im Jahr. Der Bedarf ist aber höher und wird noch steigen, vor allem was Demenzfälle angeht, so der Abteilungsleiter. „Ich glaube, dass der Bedarf an Rehabilitation deutlich zunehmen wird, weil wir den Herausforderungen der Demographie geschuldet bestimmte Bedingungen beachten müssen. Die Menschen wollen länger alleine leben – trotz Handicap. Sie wollen möglichst selbstbestimmt und autonom und nicht abhängig sein.“

Raffaela Schaus

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