Haus Leinen in Elsenborn: Beispiel für Umnutzung von Altbauten

Bei dem Leader-Projekt "Neues Leben für unsere Dörfer" geht es unter anderem um den Erhalt und die Umnutzung von alter Bausubstanz. Zusammen mit der RWTH Aachen und der Uni Lüttich hat die WFG Ostbelgien anderthalb Jahre lang in drei Dörfern der Eifel Beispielprojekte ausgearbeitet. Der BRF hat sich eines dieser Beispiele in Elsenborn angesehen.

Bild: Michaela Brück/BRF

Bild: Michaela Brück/BRF

Es ist ein historisches Gebäude im Ortskern von Elsenborn. 1899 wurde das Haus Leinen gebaut. Als Hotel, Gaststätte und Bäckerei war es über ein Jahrhundert lang zentrale Anlaufstelle für das Dorf. Viele Elsenborner erinnern sich noch an die zahlreichen Feste, die in dem kleinen Saal gefeiert wurden. Bis zuletzt war das Haus Leinen ein Familienbetrieb. Seit 2005 ist die Gaststätte geschlossen, und das Gebäude steht leer.

Was daraus werden könnte, darüber hat sich Ozan Ilbayi Gedanken gemacht. Der Architektur-Student von der Universität Lüttich hat im Rahmen des Projekts „Neues Leben für unsere Dörfer“ einen Entwurf ausgearbeitet. Seine Idee: aus dem Hotel einen Betrieb für Gemüse und Obst machen. „Die wirtschaftliche Nutzung ist ganz wesentlich. Der Betrieb kann zur Ernährung der Dorfbevölkerung beitragen. Außerdem gibt es einen didaktischen und partizipativen Aspekt. Das Obst und Gemüse, das hier vor Ort frisch produziert wird, steht dem ganzen Dorf und der Umgebung zur Verfügung“, erklärt Ozan Ilbayi.

Nach Ozans Plan soll das Erdgeschoss als Wohnung für den Gemüsebauer und seine Familie dienen, oben könnten Wohnungen für Arbeiter entstehen. Die an das Haupthaus grenzenden kleinen Ställe und Anbauten sollen als Kühl- und Lagerraum bzw. als Verkaufspunkt genutzt werden. Hinter dem Haus werden die Anbauflächen für Obst und Gemüse angelegt. Dafür müsste das Gelände angepasst werden, „damit die Anbaufläche erweitert werden kann – bis zur Höhe des angrenzenden Restaurants, das ja zum Eigentum der Hausbesitzer-Familie gehört. So könnte das Restaurant auch die Früchte und das Gemüse aus dem Garten nutzen“, sagt Ozan.

Professor Norbert Nelles betreut Ozans Projekt. Er legt Wert darauf, dass seine Studenten sich nicht nur mit dem Gebäude, sondern auch mit dem Dorf und seinen Zukunftsperspektiven auseinandersetzen. Das Haus Leinen in Elsenborn hält er für ein interessantes Beispiel Eifeler Baukultur, das Modell sein könne für andere Altbauten. „Was Ozan gemacht hat, ist, dieses erste Gebäude, das aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammt, von allen Anbauten zu befreien. Das ist für mich ein Prinzip, dass man generalisieren kann in der Eifel“, sagt Nelles.

Die Idee, dort einen Betrieb für Obst und Gemüse einzurichten, hält der Professor für sinnvoll und zukunftsorientiert. „Die jungen Leute haben keine Zeit mehr, einen Obstgarten zu machen, aber sie wünschen sich trotzdem anderes Essen, nicht mehr die globalisierte Ernährung. So gibt es die Möglichkeit, lokale Produkte zu haben, die gesünder sind und besser für die Umwelt.“

Ein zweites Projekt für das Haus Leinen hat eine Aachener Studentin ausgearbeitet. Es sieht eine touristische Nutzung als Wanderhotel mit Eseln vor. Mit solchen Beispielen hofft die WFG möglichst viele Menschen in den Eifeldörfern anzusprechen. „Es geht darum, die Gebäudeeigentümer zu motivieren, sich Gedanken darüber zu machen, was sie aus ihrem Gebäude machen können“, erklärt Marianka Lesser von der WFG Ostbelgien. „Und es geht natürlich auch um die junge Bevölkerung. Wieso neu bauen? Wir haben hier so viele schöne, erhaltenswerte Gebäude, zu denen es ganz viele interessante Ideen gibt, wie man darin wohnen und arbeiten könnte.“

Die Entwürfe zum Haus Leinen in Elsenborn und 19 weiteren Altbauten in der Eifel werden ab dem 27. Oktober im Saal Feyen in Wallerode präsentiert. Im Rahmen der Ausstellung wird es auch eine Beratung geben, wie solche Ideen umgesetzt werden können.

Michaela Brück

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