Internationaler Tag gegen Homophobie: „Vieles verbessert, aber auch vieles verschlechtert“

Am Donnerstag ist der internationale Tag gegen Homophobie. In Ostbelgien setzt sich vor allem Uwe Koeberich mit seiner Kampagne "Keep calm it's just a kiss" dafür ein, dass die Tabuisierung von Homosexualität ein Ende nimmt.

Gay Pride

Illustrationsbild: Ian Langsdon/EPA

Seit dem 17. Mai 1990 wird der internationale Tag gegen Homophobie von Homosexuellen sowie Trans- und Bisexuellen als Aktionstag begangen. Ziel ist es, auf die Diskriminierung und Bestrafung von Menschen hinzuweisen, die in ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechteridentität von der Heteronormativität abweichen.

Homophobie ist in der heutigen Gesellschaft immer noch ein Thema. So kommt es beispielsweise vor, dass Eltern ihr Kind über alles lieben, aber nicht akzeptieren können, wenn es schwul oder lesbisch ist. Auf Sensibilisierungskampagnen wird deswegen wohl noch lange nicht zu verzichten sein, glaubt auch Uwe Koeberich.

„Wir sind eine Minderheit und es wird immer ein Ressentiment gegen Minderheiten geben. Da braucht man nicht zu träumen. Es hat sich in letzter Zeit vieles verbessert, aber auch vieles verschlechtert“, meint Koeberich.

Immer noch erfordert es ungeheuer viel Mut, sich zu outen. „Und ich glaube, dass es noch sehr viele Leute gibt, die nicht geoutet sind, vor allen in ländlichen Gegenden wie hier“, so Koeberich.

Koeberich setzt sich jetzt seit circa vier Jahren gegen Homophobie in Ostbelgien ein. Und am internationalen Tag gegen Homophobie hat Koeberich vor allem ein Anliegen: „Für mich ist es wichtig, jüngeren Menschen aus der DG zu vermitteln, dass sie nicht nach Köln, Lüttich, Paris oder Brüssel ziehen müssen, um schwul, lesbisch oder bisexuell leben zu können. Das kann man auch hier. Es ist vielleicht nur mit mehr Problemen, dummen Sprüchen und Beleidigungen verbunden. Aber dann sage ich mir einfach: Ich lasse mich doch nicht vertreiben und ich habe das Anrecht, hier zu sein.“

Shooting für den Männer-Akt-Kalender von Uwe Koeberich im Sleepwood-Hotel in Eupen

Uwe Koeberich (Bild: Jannis Mattar)

js/mg

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Ein Kommentar
  1. Peter Schallenberg

    Nach gut 35 Jahren als offen schwul lebender Mann wünsche ich mir immer noch, dass etwas lockerer mit dem Thema Homosexualität umgegangen würde. Und das auf allen Seiten!
    Ja, ich gehöre eine Minderheit an, das brauche ich nicht ständig zu betonen oder zur Schau zu Stellen, das ist für mich so normal wie verschiedene Augenfarben. Schön, wenn ich meinen Belgier jetzt auch als Deutscher heiraten darf aber es gibt wichtigeres. Ich will einfach nur als schwuler Mann leben wie alle anderen auch ohne hauptsächlich auf meine sexuelle Orientierung reduziert zu werden. Das ist nur eine Facette meines Lebens!
    Was Mädchen und Frauen meistens keine Probleme macht wünsche ich mir auch von vielen Jungen und Männern: nicht nur aus Pflichtgefühl oder Anstand mit „dem Homo“ normal umgehen sondern auch normal von ihm denken. Es gibt mehr Gemeinsamkeiten als gedacht.
    Braucht man dazu wirklich Sensibilisierungskampagnen oder nur ein bisschen Mut?

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