Mit Soutane und Birett: Kaplan Schoonbroodt in Lüttich

Er fällt durch seine Kleidung auf und ist deswegen nicht nur Kirchgängern in unserer Region bekannt: Mit Soutane und Birett wird Kaplan Jean Schoonbrodt auch schon mal Don Camillo genannt - in Anspielung auf die italienische Filmfigur. Der gebürtige Eupener ist trotz seines Alters von fast 82 Jahren noch immer sehr aktiv und pendelt zwischen Banneux, Eupen und Lüttich hin und her.

Im Wallfahrtsort Banneux nimmt Kaplan Jean Schoonbroodt Gläubigen mehrmals die Woche die Beichte ab. Dorthin fährt er mit dem Bus.

In der Kirche Saint-Sacrement am Boulevard d’Avroy ist er wie zu Hause. Hier liest er jeden Sonntag das Hochamt – auf Latein. Als 1970 Gläubige an ihn herantraten mit der Bitte, dort die alte Messe zu feiern, zögerte Jean Schoonbroodt nicht lange.

Die denkmalgeschützte Privatkirche aus dem 18. Jahrhundert liegt Jean Schoonbroodt besonders am Herzen. Zusammen mit weiteren Unterstützern hat er hier einiges investiert, um sie vor der Schließung zu retten.

In Saint-Sacrement teilt Jean Schoonbroodt mit Gleichgesinnten auch die Liebe zur Musik. Mittwochs hält hier der Kammerchor „Praeludium“ seine Proben ab – in einem Hinterraum der Kirche, wo Kaplan Schoonbrodt auch eine Unterkunft hat.

Von einer Kirche zur anderen fährt Kaplan Schoonbroodt meist mit dem Fahrrad. Nachdem man ihm letzte Woche das alte gestohlen hat, passt er ganz gut auf sein neues auf. Damit geht es quer durch die Stadt. In Lüttich ist er bekannt und fällt auf: „Die meisten rufen ja ohne Hemmungen Don Camillo oder „des pâtes“ Panzani. Ich bin dafür, dass man als Priester erkannt wird. Ich habe Pfarrer in Outremeuse sagen hören“Il faut qu’on nous voit“.“

Das ehemalige Bavière-Krankenhaus ist Jean Schoonbroodts zweites Zuhause in Lüttich. Große Teile des Komplexes sind abgebrannt, aber die denkmalgeschützte Kapelle steht noch. Auch hier liest der Kaplan seit 27 Jahren sonntags das gregorianische Hochamt – und mittwochs eine Frühmesse.

Spiritualität findet Jean Schoonbroodt nicht nur in der Kirche. Wichtig sind für ihn auch die nächtlichen Fußwallfahrten. Mindestens einmal pro Woche pilgert er 24 Kilometer zu Fuß von Lüttich oder Eupen nach Banneux. Unterwegs hat er immer wieder besondere Begegnungen: „Eine, die ich nie vergessen werde, war in der Neujahrsnacht 2004. Ich war von Eupen nach Lüttich zu Fuß, da kam jemand auf mich zu. Der junge Mann wollte beichten.“

Tag und Nacht bei egal welchem Wetter ist Jean Schoonbrodt unterwegs – zu Fuß oder per Fahrrad. Langeweile kennt der vielseitig interessierte Priester nicht.

In der Karwoche nimmt sich Jean Schoonbrodt Zeit für sein geistliches Leben. Mit den anderen Priestern des Bistums an der Chrisam-Messe in der Lütticher Kathedrale teilzunehmen – das lag ihm am Herzen. Die Weihe der Heiligen Öle am Gründonnerstag sei ein Höhepunkt des kirchlichen Lebens. An den Tagen vor Ostern bleibt Jean Schoonbrodt gerne in Lüttich. Vor allem die Kathedrale zieht ihn an.

Jean Schoonbroodts Interessen reichen aber weit über die Theologie hinaus. Der ehemalige Sprachenlehrer und Doktor der Literaturwissenschaft hat über den irischen Schriftsteller James Joyce promoviert, der ihn bis heute begeistert: „Das hat mein Leben geprägt, verändert. Daher kommt einer meiner Wahlsprüche. Auf meinem Totenzettel kommen vier Sprüche ohne Übersetzung. In risu veritas von Joyce – Die Wahrheit ist im Lachen mehr als im Weinen.“

Ostern wird Jean Schoonbrodt wieder in seiner Kirche am Altar stehen und die lateinische Messe lesen. Nächste Woche will er dann wieder nach Banneux pilgern.

Michaela Brück