Mord und Totschlag: Martina Kempff siedelt ihre Eifelkrimis auf der Kehr an

Die Eifelkrimis von Martina Kempff haben eine besondere Note: Nicht nur, dass jedes Kapitel mit einem kulinarischen Rezept eröffnet wird. Alle Mordsgeschichten spielen "auf der Kehr" an der deutsch-belgischen Grenze, bei Manderfeld und Losheim. Ein Ort für ungewöhnliche Begegnungen.

Martina Kempff und Erwin Hannen traffen sich am Donnerstag nicht zum ersten Mal auf der Kehr (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Martina Kempff und Erwin Hannen traffen sich am Donnerstag nicht zum ersten Mal auf der Kehr (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Der pensionierte Polizeinspektor Erwin Hannen und die Krimiautorin Martina Kempff treffen sich nicht zum ersten Mal auf der Kehr. „Eines Tages kam der Dienststellenleiter in St. Vith zu mir und sagte: Da ist eine Frau aus Hallschlag. Die hätte gerne ein paar Informationen über die Polizei, wie das alles funktioniert. Das wäre was für Dich, das könntest Du machen“, erklärt Erwin Hannen.

Besagte Frau aus Hallschlag war die Buchautorin Martina Kempff – auf der Recherche für ihren ersten Eifelkrimi. Den wollte sie bewusst grenzüberschreitend anlegen – oben auf der Kehr, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. „Da es hier ja gar nichts gibt, kann hier ja auch alles sein“, erklärt Martina Kempff.

„Natürlich ermorde ich keine vorhandenen Menschen, wie ich auch niemals einen Mord in einem vorhandenen Haus geschehen lassen würde. Ich habe diese Häuser, in denen Furchtbares geschieht, natürlich selbst erst in meinen Büchern erbaut.“

Von Amsterdam in die Eifel

Dabei hat Martina Kempff eine Zeit lang hier gelebt. Sie hat den Ort und die Menschen kennen und schätzen gelernt, nachdem sie in der Welt viel herumgekommen war und in Amsterdam lebte. „Ich hatte Sehnsucht nach dem deutschen Sprachraum. Dass das mich dann ausgerechnet in die Eifel bringen würde, war reiner Zufall. Aber dieses Haus, diese Lage und diese Landschaft haben mich überzeugt. Deswegen habe ich sieben Jahre lang hier gelebt und auch die Geschichten hier spielen lassen.“

Acht Krimigeschichten sind es inzwischen geworden – alle verweisen schon im Titel auf die Kehr. Die Krimis heißen zum Beispiel „Bekehrung“ oder „Wiederkehr“. Der neueste Krimi der Reihe mit dem Titel „Umkehrschuss“ führt die Protagonisten zu einem Toten auf dem Friedhof in dem kleinen Weiler. Der findet dort aber nicht die angemessene Grabesruhe, sondern liegt bäuchlings mitten auf dem Rasen.

Auf der Kehr habe sie einen der friedlichsten Orte gefunden, den sie kenne, sagt Martina Kempff. Gerade das mache es ja so reizvoll, hier Mord und Totschlag anzusiedeln. Das ist aber nicht der einzige Grund für ihre Kehr-Krimis. „Ich großen Wert darauf, dass meine Krimis wirklich nur hier spielen können.“

„Jacques Berndorf hat mal gesagt: ‚Ein guter Krimi kann überall spielen‘. Ich halte meine Krimis auch für gut, aber die können wirklich nur hier spielen. Denn alles, was sich in meinen Krimis abspielt, hängt mit den drei Zuständigkeiten zusammen: Belgien, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.“

„Dreiländereck“

Auf der Kehr stoßen die Kreise Vulkaneifel und Euskirchen auf Ostbelgien – so etwas wie ein „Dreiländereck“. Und an dieser Stelle kommt dann die Expertise des früheren Polizeiinspektors Erwin Hannen ins Spiel. „Kann man das so machen? Ja, sage ich, das geht, das ist gerade noch tragbar. Es muss ja auch ein bisschen spannend sein. Aber es ging nur um Informationen über das System“, sagt Hannen. Nach Berufsgeheimnissen habe Martina Kempff ihn nie gefragt.

Über die Jahre ist daraus eine Freundschaft gewachsen. Und Martina Kempff hat sich am lebenden Modell inspirieren lassen zu ihrer Romanfigur des belgischen Polizisten Marcel Langer. „Der ist ein bisschen auf Erwin Hannen getrimmt. Und Erwin Hannen spielt inzwischen auch selbst eine Rolle in meinen Krimis. Ich bin ihm ja so unendlich dankbar, dass er auch nach seiner Pensionierung bei mir weiter Dienst schiebt.“

Und das muss er wohl noch eine Weile, denn Martina Kempff gehen die Ideen zu ihren Krimis auf der Kehr noch lange nicht aus.

Stephan Pesch

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Ein Kommentar
  1. Martina Kempff

    Vielen Dank, lieber Herr Pesch, das haben Sie hübsch zusammengebaut – und damit auch eine Prophezeiung aus dem „Umkehrschuss“ erfüllt. Auf Seite 161 sagt Marcel Langer über den BRF: „Wir Belgier sind nicht so blöd, eine Grenzgängerin wie dich rauszuschneiden.“
    Beim WDR lief es da anders …
    Herzliche Grüße aus Deutschland, Martina Kempff

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