Vorzeigeprojekt: Naturzentrum Ternell energieautark

Im Haus Ternell muss man sich keine Sorgen mehr machen, dass der Strom ausfällt. Denn das Naturzentrum ist ab sofort energieautark. Am Samstag ist das neue Energie- und Heizsystem der Öffentlichkeit vorgestellt worden.

Montage der Solarpaneele auf dem Dach des Naturzentrums Ternell

Montage der Solarpaneele auf dem Dach des Naturzentrums Ternell

Jean-Luc Crucke heißt der neue Energieminister der Wallonischen Region. Auch er wollte sich das neue Energiekonzept auf Ternell am Samstag anschauen – auch wenn dies kein wallonisches, sondern ein Projekt der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist.

Aber eines mit Vorbildcharakter, betont Ministerin Isabelle Weykmans. „Es ist das erste Projekt in Belgien, das eine autarke Energieversorgung für ein öffentliches Gebäude ermöglicht. Und hier im Naturparkzentrum Ternell ist es natürlich auch ein in sich stimmiges Projekt – weil es ein Naturzentrum ist, das immer auch vermittelt hat, wie man mit Natur und seiner Umwelt umzugehen hat.“

Rund 650.000 Euro hat die Deutschsprachige Gemeinschaft in dieses Vorzeigeprojekt investiert. Dafür könnte man sich natürlich auch viel Energie kaufen. Aber durch die Regulierung des Energiemarktes kann der Strom der Eupener Talsperre nicht mehr genutzt werden.

Zudem gab es ohnehin immer wieder Probleme mit der Leitung, erklärt Norbert Lennertz, der Energiemanager der Deutschsprachigen Gemeinschaft. „Früher zog das Zentrum Ternell seinen Strom über die Leitung der Talsperre, die die Forsthäuser mit Strom versorgte. Da gab es Probleme in den Herbst- und Frühjahrmonaten, wenn Stürme aufzogen. Da wurde die Leitung mehrmals durch umfallende Bäume beschädigt. Und dann standen wir hier ohne Strom und mussten schauen, wie wir klar kommen.“

Eine neue Leitung aus Eupen zu ziehen, sei auch keine Alternative gewesen. Denn diese Option sei noch viel teurer – nach Angaben von  Lennertz geht es dabei um 1,2 bis 1,4 Millionen Euro. Also setzt man auf Ternell jetzt auf einen Energiemix.

„Prioritär setzen wir auf Sonnenenergie. Wir haben 60 Sonnenpaneele installiert. Sollte die Sonnenenergie nicht ausreichen, wird ein Blockheizkraftwerk eingeschaltet, was parallel zur elektrischen Leistung auch noch Heizenergie bringt. Wenn diese Energie auch nicht mehr ausreichen sollte, schaltet sich eine Pelletheizung ein. Und wenn wirklich gar nichts mehr funktionieren sollte, schaltet sich ein Notstromaggregat an. So wird hier produziert.“ Wieviel Energie gerade genau produziert wird, können Ternell-Besucher im Empfangsbereich des Naturzentrums auf einem Bildschirm ablesen.

Das Haus Ternell ist auch ein außerschulischer Lernort. Deshalb soll die neue Energieversorgung auch zu pädagogischen Zwecken genutzt werden, sagt Ministerin Isabelle Weykmans. Wichtig sei aber auch: „Wir haben eigentlich Ruhe für eine lange Zeit. Es gibt verschiedene Teile, die ausgewechselt werden, beispielsweise die Batterien. Gerade in der Batterientechnik – also in der Wahrung der Energie – ist es so, dass sich da rasant vieles verändern wird und man auch viele kleinere, aber entsprechend bessere Batterien herstellen wird. Ich denke, dass wir da in den nächsten sieben, acht Jahren auch eine Veränderung in der Batterienstruktur haben werden.“

„Gewisse Motoren oder anderes müssen auch ersetzt werden in den kommenden sieben bis zehn Jahren. Aber an sich ist das System in sich stimmig und, wie jede gute Heizung oder andere Energiezufuhrmöglichkeiten, sicherlich für die kommenden 25 oder 30 Jahre aktiv.“

Kennzahlen der Energiegewinnung auf Ternell:
Photovoltaikanlage: 15,4 kW maximal
Pelletsanlage: 70 kW
Blockheizkraftwerk:
(elektrische Leistung): 9 kW
(thermische Leistung): 20 kW
Diesel-Notstromaggregat: 20 kW

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6 Kommentare
  1. Philip Vise

    Wie man eine autarke Energieversorgung, die wirklich alles nutzt, was der Markt nur hergibt als „stimmig“ bezeichnen kann, ist mir schleierhaft.
    Anstelle eines ausreichend dimensionierten Blockheizkraftwerks zusätzlich noch einen Pelletsofen UND ein Notstromaggregat einzubauen … Respekt!

    Nicht zu vergessen, dass die Versorgung vorher durch Wasserkraft (CO2-frei) erfolgte!
    Und das Ganze zum Schnäppchenpreis von zwei Einfamilienhäusern wegen der „Regulierung des Strommarktes“.

  2. Joachim Wahl

    Sehr geehrter Herr Vise, es geht hier doch nicht um Vernunft. Die Frau Ministerin möchte doch auch mal mit „Fachwissen“ glänzen. Dann kommt sowas raus: „Gerade in der Batterientechnik – also in der Wahrung der Energie – ist es so, dass sich da rasant vieles verändern wird und man auch viele kleinere, aber entsprechend bessere Batterien herstellen wird. Ich denke, dass wir da in den nächsten sieben, acht Jahren auch eine Veränderung in der Batterienstruktur haben werden.“ Im Englischen bezeichnet man solche Wortphrasen als „verbal diarrhea“.

  3. Norbert Schleck

    Aber meine Herren, wie können Sie so lästern…
    Das ist doch nur eine einfache Anwendung des Vorsorgeprinzips nach dem Motto „Wenn alle Sticke reißen.“
    Allerdings hätte man dann auch noch gleich eine Windkraftanlage und eine Wasserturbine vorsehen sollen, dann wäre das noch stimmiger geworden.

    Nun stellt man sich die Frage: Wozu überhaupt ein Pelletsofen, ist man doch von Wald umgeben, wo es Brennholz im Überfluss gibt. Oder steht das unter Naturschutz, und man fällt die Bäume lieber in fernen Ländern?

  4. Guido Scholzen

    463.000 Euro waren mal geplant (laut Grenzecho 20.09.2016), und nun sind es 650.000 geworden. Verdammt teure Energie, diese „grüne Autarkie“.

    Bei so vielen Energieinstallationen wird doch hoffentlich in Zukunft keine Energiekanppheit herrschen, nicht wahr, Frau Ministerin?
    Aber warum klagte dann der dortige Gastronom Roger Schwerdt vor einiger Zeit, er habe am Wochenende bei Hochbetrieb zu wenig Energie, und wollte sich aus Eigeninitiative einen Gasherd anschaffen?
    sinnvolle EIGENINITIATIVE… ja sowas kennen unsere grünen Planwirtschaftler schon lange nicht mehr.

    Da haben die kommenden Kappensitzungen ja wieder ein Thema, mit dem man so manchen Saal zum lachen bringen kann. Danke an alle beteiligten Politiker. Wir schaffen das!

  5. Jean-Pierre DRESCHER

    Meiner Meinung sind die „Ternells“ mit ihrem übertriebenen belgischen Naturschutzdrang so etwas wie ein Mikrokosmos weitab der harten Realität des normalen Alltags in der DG bzw. deren Kundenkreis in der Hauptsache der Klub des vollen Geldbeutels aus ganz Europa weitab von der DG.

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