Rotary-Clubs wollen „nicht wegsehen bei Drogen“

Die Rotary-Clubs aus St. Vith und Eupen haben eine mehrjährige Informationskampagne zur Drogenprävention gestartet. Zu einer ersten Veranstaltung im St. Vither Triangel kamen 550 Sekundarschüler aus der Eifel.

Rotary-Informationskampagne zur Drogenprävention in St. Vith

Rotary-Informationskampagne zur Drogenprävention in St. Vith (Bild: Stephan Pesch/BRF)

„Die Idee kam vor einigen Jahren, da wir mit unseren Kindern darüber sprachen. Wir waren geschockt, wie präsent die Drogen in den Schulen sind. Und da haben wir gedacht: Da müssen wir was tun“, erklärt Kurt Schmidt, Präsident des Rotary Clubs St. Vith – Eifel.

Dabei soll bewusst früh angesetzt werden: Angesprochen wurden Schüler der beiden ersten Sekundarschuljahre, „weil wir das auch mit der ASL besprochen haben. Das ist das Alter, in dem sie sehr schnell beeinflusst werden, wo sie Drogen angeboten und das Einstiegsalter oft noch jünger ist.“

Die aus Büllingen stammende Astrid Greeven berichtete über ihre Erfahrungen als Drogenabhängige. Die 53-Jährige hat zwei Bücher geschrieben und bringt immer wieder auch den Mut auf, in der Öffentlichkeit darüber zu berichten. „Eine erste Zigarette, ein erstes Glas Alkohol. In der Dorfdisko den ersten Joint geraucht. Und das gefällt mir, ich möchte andere Sachen kennenlernen. So fängt das an – ganz langsam, ganz schleichend. Bis die harten Sachen kommen.“

Und das führe geradewegs in die Hölle, sagt Astrid Greeven: schwere Abhängigkeit, Beschaffungskriminalität, Prostitution, Psychiatrie, Gefängnis, Entzug, private Schicksalsschläge und Rückfälle. Irgendwann hat sie aber doch die Kurve bekommen. „Ich möchte, dass sie gar nicht erst auf die Idee kommen, das zu probieren. Ich habe selber zwei Töchter und bin dankbar, dass sie nie etwas probiert haben.“

„Ich habe überlebt und bin noch ziemlich klar im Kopf. Ich bin dankbar dafür und möchte meine Erfahrung weitergeben, dass sie diese Erfahrung nicht machen.“

Beleuchtet wurde die Problematik auch aus Sicht der Polizei und der Notaufnahme. Eindruck hinterließ die persönliche Schilderung der Polizistin Joëlle Brüls. Sie erzählte von einem Fall, bei dem eine junge Frau keinen Ausweg aus der Drogenabhängigkeit wusste. „Sie hat sich das Leben genommen. Sie ist auf einem Autobahnrastplatz auf einen stehenden LKW gefahren.“

„Sie hat für ihre anderthalb Jahre alte Tochter einen Abschiedsbrief hinterlassen. Darin hat sie geschildert, dass sie den Kampf einfach verloren hat. Dass die Liebe zur Droge stärker war als die Liebe zu ihrer Tochter. Und sie hat ihren Freund gebeten, die Tochter von allem fernzuhalten.“

Wozu Kontrollverlust auch durch zu hohen Alkoholkonsum führen kann, auf Jugendbällen oder anderen Veranstaltungen, das bekommt die Rettungssanitäterin Karin Schubert zu sehen – mit höchst peinlichen Ausgang für die Betroffenen.

„Die sind dann geschockt, wenn sie in einer Pampers aufwachen in der Notaufnahme. Und wenn sie die Schwestern beleidigt haben, müssen sie selbst putzen und sich danach in der Pampers mit ihren Eltern bei den Schwestern entschuldigen“, erklärt Karin Schubert. Das hinterlässt eine Wirkung. Das will man nicht zwei Mal erleben.“

Eine zweite Veranstaltung zur Drogenprävention ist für kommenden Mittwoch an der Pater-Damian-Schule in Eupen angesetzt.

Stephan Pesch

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Ein Kommentar
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    Also – geht doch! Bitte das Thema Alkoholkonsum nicht vergessen! Ansonsten gut ausgeführt mit lebensnahen Filmbeispielen.

    Ähnliches erfolgreiches Projekt gemeinsam in Tschechien und Ostdeutschland durchgeführt von einer Prager Antidrogenbewegung der „Revolution Train“ – ein aus 8 Wagen bestehender Zug mit Kino plus verschiedenen liebevoll nachempfundenen Drogenszenarien von der zugequalmten Kneipe über nen vermüllten „Partybunker“ nach der Komaparty bis hin zur Endstation „geschrotteter Sportwagen“, „Leichenkeller“ und „Bau“ wo jeder der Szene einen Selfie schießen kann. Also quasi wohin der Einstieg in angeblich „harmlose“ Drogen führen kann, besonders wenn man im Jugendalter unter extra viel Stress steht wegen Schule und Gruppenzwang. Gänsehautfeeling der Kids inklusive!

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