Organspende: Warten auf den entscheidenden Anruf

Jede Woche sterben in Belgien zwei Menschen, weil sie kein passendes Spenderorgan erhalten. Obwohl in Belgien prinzipiell jeder Organspender ist, stehen 1.300 Patienten auf der Warteliste - so auch eine Familie in Kettenis.

Nathalie Threinen-Weinberg ist Lehrerin und Mutter von vier Kindern. Ihr Mann braucht eine neue Niere, möchte aber selbst nicht vor der Kamera über seine Krankheit sprechen.

Wer in Belgien eine Organspende braucht, muss sich an Eurotransplant wenden. Die internationale Organisation koordiniert die Spenden. Wer die Kriterien erfüllt, kommt auf eine Warteliste. Wird ein passendes Organ verfügbar, sucht Eurotransplant in dieser Datenbank nach passenden Empfängern und fliegt das Organ per Hubschrauber direkt in ein Krankenhaus in der Nähe des Empfängers, das das Spenderorgan einsetzen wird.

Alternativen zu Eurotransplant gibt es kaum, weiß der Kardiologe und Chefarzt des St. Nikolaus-Hospitals in Eupen, Frédéric Marenne, der sich schon lange mit dem Thema Organspende beschäftigt.

Zwölf bis 18 Monate wartet ein Patient in Belgien durchschnittlich auf ein Spenderorgan. Das allerdings nur, wenn der Patient die Kriterien von Eurotransplant erfüllt, also abgesehen von dem Organversagen gesund ist. Auch wenn es objektiv gute Gründe für die Kriterien von Eurotransplant gibt, bedeuten sie für die Betroffenen und ihre Familien nur noch weitere Belastungen. Bis Ärzte zum Beispiel eine Krebserkrankung als geheilt betrachten, können fünf Jahre vergehen. Zusätzliche Wartezeit, während der Betroffene weiter täglich Medikamente schlucken oder an die Dialyse muss.

Unsicherheit besteht bei Familie Weinberg auch wegen dem auslaufenden IZOM-Abkommen, denn während die Check-Ups für die Organspende in Brüssel stattfinden, sitzt der behandelnde Arzt am Klinikum Aachen.

Das Warten gehört für Familie Weinberg mittlerweile zum Alltag dazu. Nicht immer dran denken, weitermachen und versuchen, gute Momente zu genießen. So geht es vielen Familien und Betroffenen. Nur so geht es. Bis eines Tages ein Platz auf der Liste da ist und dann hoffentlich ein Anruf von Eurotransplant die lange Wartezeit beendet.

Wenn Sie selbst helfen wollen: Bis zum 20. Mai findet wallonieweit die Sensibilisierungskampagne Télédon statt. Auf der Internetseite teledon.be gibt es alle Informationen zur Organ-, Plasma oder Blutspende. Unter dem Motto „Faites un don – Machen sie eine Spende“ sind alle Bürger in Belgien aufgerufen, ihren Teil beizutragen.

Télédon: Sensibilisierungskampagne für Organspenden gestartet

Anne Kelleter

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