Klinik St. Josef: „Antibiotika nur in klinisch notwendigen Fällen“

In Belgien werden zu viele Antibiotika verschrieben. Davor hat Gesundheitsministerin Maggie De Block diese Woche gewarnt. Zwischen 2007 und 2013 sei der Gebrauch von Antibiotika in den Kliniken um 5,6 Prozent gestiegen. Die Folge: Auch die Zahl der Antibiotika-resistenten Keime nimmt zu – ein Problem, mit dem alle Krankenhäuser zu kämpfen haben, auch die Klinik St. Josef in St. Vith.

Klinik St. Josef in St. Vith

Bild: Stephan Pesch/BRF

Der Klinik St. Josef in St. Vith geht es nicht anders zu als den anderen Krankenhäusern in Belgien. Auch dort hat man mit immer mehr Keimen zu kämpfen, die eine Antibiotika-Resistenz aufweisen, so die Erfahrung von Pflegedienstleiterin Marion Wengenroth. Allerdings habe man im Vergleich mit großen Kliniken relativ wenig Probleme:

„Das könnte daran liegen, dass wir eine andere Bevölkerung haben und weniger Leute, die aus dem Ausland hierhin kommen und sich behandeln lassen. Es kann aber auch daran liegen, dass die Richtlinien sehr gut eingehalten werden.“

Dafür sorgt unter anderem ein Hygiene-Team, das von einer Fachärztin und einer Pflegerin geführt wird. In regelmäßigen Abständen überprüft die Pflegerin zum Beispiel, wie die Händehygiene praktiziert wird, um eine Übertragung von Keimen zu verhindern.

Welche Hygienemaßnahmen zu treffen sind, das wird in einem landesweiten Netzwerk beraten, dem auch die Klinik St.Joseph angeschlossen ist. Im nationalen Hygienerat sowie auf Provinzebene werden die Linien vorgegeben und so genannte Guidelines festgelegt. Wie diese praktisch umgesetzt werden, wird in der Klinik im Rahmen von Hygieneversammlungen beschlossen.

Wie verhindert werden kann, dass sich die Antibiotika-Resistenzen weiter ausbreiten, darüber berät in der St. Vither Klinik ein hausinternes Gremium, dem neben anderen Fachärzten auch der Ärztliche Direktor Dr. Davide Diana angehört.

Auch wenn ihm zur Zeit keine konkreten Zahlen vorliegen, so versichert er, dass man die Zahl der Antibiotika-Verschreibungen in der Klinik St. Josef deutlich zurückgefahren habe. Dank einer behutsamen Vorgehensweise:

„Wir versuchen Antibiotika nur in klinisch notwendigen Fällen zu verschreiben, wenn es keine andere Möglichkeit gibt. Und sobald es die bakteriologischen Analysen zulassen, reduzieren wir das Medikament oder setzen es ab.“

Die St. Vither Ärzte berufen sich nicht nur auf eigene Erfahrungen, sondern auf nationale und internationale Richtlinien. Anders sei die Situation in Hauspraxen, so Dr. Diana. Er äußert Verständnis für seine Kollegen:

„Für den Allgemeinmediziner ist es schwierig. Einerseits soll er nicht zu viele Antibiotika verschreiben, andererseits fühlt der Patient sich sicherer, wenn er ein Antibiotikum bekommt.“

Um vor der Gefahr des zu häufigen und schnellen Gebrauchs von Antibiotika zu warnen, hält Dr. Diana weitere Sensibilisierungskampagnen, wie sie das Gesundheitsministerium durchgeführt hat, für wichtig.

Gesundheitsministerin Maggie De Block hat angekündigt, dass die Aufklärungsarbeit fortgeführt werde. Außerdem sollen die Preise für Antibiotika zum 1. Mai angehoben werden.

Michaela Brück - Foto: Stephan Pesch/BRF