Idealismus statt Resignation: Junger Eupener will neue Zukunft fürs Eupen Plaza

Das Eupen Plaza hat mehr verdient, als abgerissen und zum Appartementhaus umgebaut zu werden, schreibt Simen Van Meensel in seinem Konzept zur Wiederbelebung des "Eupener Sorgenkindes". Er will zeigen, dass das abgeschriebene Center mit den richtigen Hilfen wieder voll sein könnte - und sogar eine Triebfeder für die Wiederbelebung der ganzen Stadt.

Simen Van Meensel will das Eupen Plaza und damit die ganze Stadt wiederbeleben

Simen Van Meensel will das Eupen Plaza und damit die ganze Stadt wiederbeleben

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Junger Eupener Simen Van Meensel will neue Zukunft fürs Eupen Plaza - Anne KelleterMP3

Die Leerstände im Shoppingcenter Eupen Plaza sind der Stadt schon seit Jahren ein Dorn im Auge. Umso erleichterter waren viele, als der Investor letztes Frühjahr endlich einen Ausweg aus dem Teufelskreis von Auszügen und sinkenden Kundenzahlen präsentierte: Aus dem Shoppingcenter soll ein Appartementhaus werden. Eine gefällige Lösung, die allerdings auch von Resignation gegenüber den scheinbar unüberwindbaren Leerständen im Zentrum zeugt.

Ganz anders sieht das Simen Van Meensel. Der 19-Jährige hat ein Konzept geschrieben, das dem Eupener Shoppingcenter eine neue Chance geben will. Er wünscht sich Idealismus statt Resignation und ein gemischtes Shoppingcenter mit Kulturbetrieb und Ausgehmöglichkeiten statt eines weiteren Wohnbunkers.

„Die Stadt hat in meinen Augen ein Problem. Das betrifft die Attraktivität, es gibt immer weniger Aktivität in der Stadt. Die Geschäfte ziehen weg, ziehen alle an die Herbesthaler Straße. Dort entsteht dann ein riesiges Verkehrschaos. Wenn man da um 16:00 Uhr steht, in den Stoßzeiten, dann ist man zu Fuß schneller unterwegs“, erklärt Simen Van Meensel.

„Da stelle ich mir die Frage – langfristig für die Stadt Eupen: Möchten wir wirklich alle Geschäfte raus aus der Innenstadt haben und in der Innenstadt wohnen? Oder möchten wir die Innenstadt wiederbeleben. Die zweite Frage ist natürlich, da Eupen einen großen Mangel an bezahlbarem Wohnraum hat, ob diese Wohnungen im Eupen Plaza auch bezahlbar werden.“

Stadtentwicklung

Das Shoppingcenter zum Appartementhaus zu machen ist zwar eine einfache und definitive Lösung des Problems, eine Perspektive für die Stadtentwicklung bietet sie nicht, meint Van Meensel. Er will das Eupen Plaza erhalten. Und damit die Leerstände verschwinden, würde er dort einen multifunktionalen Kulturbetrieb einrichten.

Teile der Infrastruktur wie zum Beispiel Kinosäle gibt es bereits, und ein großer Veranstaltungsraum könnte das Kulturangebot des Schlachthofs und des Seminarzentrums im Kloster Heidberg ergänzen. Das Platzproblem des Medienzentrums könnte durch einen Durchbruch zur ersten Etage gelöst werden und böte laut seinem Konzept auch Möglichkeiten für eine Kinderbetreuung.

Der große Innenhof des Plaza könnte zum Bistro werden und mit der richtigen Lichttechnik als Ausgehmöglichkeit nach den Kulturveranstaltungen dienen. „Ich denke, dass da gerade diese Mischung den Erfolg schaffen würde. Ein reines Shoppingcenter kann nicht mehr funktionieren. Das sieht man auch an den Zentren, die man heute baut. Zum Beispiel hat im Oktober in Brüssel das ‚Docks Bruxelles‘ geöffnet, und auch da besteht der größte Teil aus Veranstaltungssälen, Kinokomplex, Erlebnispark und so weiter.“

Auch dem Tourismus könnte das Plaza förderlich sein. Dank seiner zahlreichen Gratisparkplätze. Und falls irgendwann mal die stillgelegte Bahnstrecke von Eupen nach Raeren zum Ravel-Weg ausgebaut würde, wäre das Center strategisch als Startpunkt für Radwanderungen positioniert.

Jetzt zu spät?

Ideen gibt es in dem Konzept genug, die zusammen zum Erfolg des Zentrums beitragen könnten. Trotzdem bleibt der junge Eupener realistisch, was die Umsetzung seiner Pläne angeht. „Sehr erfolgreich wird es wahrscheinlich nicht, und das war mir auch ganz klar, als ich das anfing. Die ganze Prozedur vom Besitzer war schon so weit, er hatte schon so viel Geld an Architekten gezahlt.“

„Ich habe ihm mein Konzept im Oktober überreicht, und da hieß es auch: Wir finden das Konzept zwar nicht schlecht, aber wir haben schon so viel Geld an Architekten und Studien ausgegeben. Da machen wir keine 180-Grad-Drehung mehr. Da kann ich ihn verstehen.“

Der einzige Ausweg wäre, einen neuen Investor für das Shoppingcenter zu finden. Deshalb sucht Van Meensel jetzt aktiv nach lokalen Investoren, die das Schicksal des Shoppingcenters ändern wollen.

Außerdem erhofft er sich von seinem Vorschlag eine neue Debatte über die Zukunft des Zentrums in der Politik und in der Bevölkerung. „Diese Entwicklung – alle Geschäfte raus und in der Stadt wird nur noch gewohnt – finde ich schade. Eupen kann, glaube ich, mehr.“

Anne Kelleter

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2 Kommentare
  1. Arlette xhardez

    Ein junger student hat mehr im Kopf als alle andere . Du werst ein guter Burgemeister oder politiker .den du hastsofortgesehen wo das ganze problem liegt nicht nur am geld .du denktst weiter und tiefer das jeder profitiert ….?weiter so drücke dir die daumen

  2. Fryns Bruno

    Wenigstens einer, der sieht dass Eupen ausstirbt….Ich habe mit Menschen aus München usw gesprochen, die schockiert über so eine leere Innenstadt sind. Ausser Büros und 24Std Läden gibt es fast nichts mehr. Die Idee ist top. Und kommt nicht von unseren Stadtvätern.

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