Norbert Nicoll: „Adieu Wachstum“

"Adieu Wachstum - vom Ende einer Erfolgsgeschichte" - unter diesem Titel hat der ostbelgische Lehrer und Autor Norbert Nicoll ein Sachbuch zum Thema Nachhaltigkeit veröffentlicht. Nächste Woche liest er in St. Vith und in Eupen.

Dr. Norbert Nicoll

Dr. Norbert Nicoll

In seinem neuen Buch setzt sich Nicoll kritisch mit der kapitalistischen Wachstumsidee auseinander. Nachdem das Werk bei der Frankfurter Buchmesse präsentiert wurde, stellt der gebürtige Ketteniser es jetzt auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft vor. Nächsten Montag (7. November) liest Nicoll in St. Vith, am 10. November in Eupen.

„Ich bin durchaus besorgt, was unsere Zukunft angeht. Und ich würde mir wünschen, dass das Buch auch dazu beiträgt, eine Debatte zu entfachen. Wir brauchen eine Re-Politisierung der Gesellschaft. Wir müssen wieder viel politischer werden“, sagt Nicoll im BRF-Interview.

Über das Gezerre rund um den Ceta-Freihandelsvertrag sagt Nicoll: „Ich hätte gerne Mäuschen gespielt bei den innerbelgischen Verhandlungen. Was jetzt herausgekommen ist, ist, glaube ich, gar keine so schlechte Sache. Es gibt substantielle Verbesserungen.“ Es sei „richtig und notwendig“ gewesen, den Ratifizierungsprozess zu unterbrechen.

Bild: privat

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21 Kommentare
  1. Guido Scholzen

    Anstatt sich mit neo-sozialistischen Parolen zu beschäftigen, sollte sich Herr Nicoll besser mal mit den Kondratjew-Zyklen befassen, die besagen, dass es nornal ist, dass wirtschaftliches Gebahren in einer freien Wirtschaft auf und ab gehen. Krisen sind in einer freien Wirtschaft völlig normal, und die Geschichte zeigt, dass zuviel staatliches Eingreifen den Markt verzerrt, wenn es sich selbst regulieren kann.

    Was hat Herr Nicoll denn lieber ? eine neo-sozialistische Planwirtschaft? Aus dem 20. Jh. nichts gelernt?
    Jemand, der (schonwieder) das Ende des Kapitalismus voraussagt, aber nicht mals erkennt, dass es wirtschaftliche Auf-und-Abs gibt, den kann ich nicht ernst nehmen.

    Und dann wird das ganze noch mit (natürlichem) Klimawandel in Verbindung gebracht, der das Ende noch beschleunigt… nee, kann ich nicht ernst nehmen

    Herr Nicoll predigt weniger Kapitalismus, also weniger Konsum. OK, dann soll er bitte bei sich selber anfangen. Menschen erkennt man an ihren Taten, nicht an ihren Worten

  2. Hermann Grabowski

    Herr Scholzen, ist Ihnen denn auch klar, dass kapitalistische Krisen die beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts mitverschuldet haben, und dass die derzeitige ungelöste Krise ins Fahrwasser eines weiteren Weltkriegs geraten ist ? Wir beobachten eine Verschiebung der politischen Kräfte ins rechte Lager, Nationalismus, Chauvinismus, Sozialabbau, Aufrüstung, Krieg im Nahen Osten, usw. Diese menschenfeindlichen Entwicklungen dürfen nicht ignoriert werden und können auch nicht „wegkonsumiert“ werden. Herr Nicoll hat wohl Recht wenn er behauptet, dass eine Re-Politisierung der Gesellschaft (im Sinne einer sozialen Demokratie) nötig ist, um den derzeitigen Entwicklungen entgegenzuwirken. Jenseits von Solidarität und sozialer Gerechtigkeit wird uns das wohl kaum gelingen. Die neo-liberale Marktwirtschaft fährt mit Vollgas und einschienig ins Verderben. Der Austausch des Lokführers nützt nichts mehr.

  3. Marcel Scholzen eimerscheid

    Es hat immer wieder Zeiten der Stillstands und des Rückgangs gegeben. Dies hat es in jedem politischen und ökonomischen System gegeben. Und solange es Menschen gibt, wird es nie ein fehlerfreies ökonomisches und politisches System geben. Dies da der Mensch, und somit auch sein Handeln, von Natur aus nie fehlerfrei ist. Krisen sind nichts anderes als Korrekturphasen, um aus Fehlern zu lernen.

    Ein System ohne Wachstum würde voraussetzen, dass es auch kein Bevölkerungswachstum gibt, denn sonst hätte jeder einzelne Mensch ja immer weniger. Ohne Wachstum käme auch der technische Fortschritt zum erliegen, weil der Anreiz fehlt. So ein System würde nicht zu uns passen, da jeder nach „mehr“ strebt.

  4. Guido Scholzen

    Herr Grabowski,
    Sie haben recht, wenn sie auf bestimmte Missstände aufmerksam machen.
    Die Antwort auf Neo-Liberalismus darf aber nicht Neo-Sozialismus sein. Sollen wir den Teufel mit dem Beelzebub austreiben? Wir wäre es mit mehr Demokratie und sozialer Marktwirtschaft? Fragt das Volk!
    Noch was: Konsum ist etwas völlig normales. Haben Sie je einen Menschen erlebt (hier ist es Norbert Nicoll), der zum Konsum-Verzicht aufruft, und dies auch wirklich lebt? Ich nicht. Diese Maulhelden kommen mir immer vor wie Kettenraucher, die wissen das Rauchen schädlich ist, aber anstatt selber mit dem Rauchen aufzuhören, sollen zuerst die andern mit Rauchen aufhören.
    Dieses hier vorgestellte Buch ist genau so ein pseudo-ökonomischer Mist wie das Buch „Entmachtet die Ökonomen!“ von Frank Niessen, das ich mir vor einigen Monaten mal durchgelesen habe.
    Wenn wir das einführen, was die vorhaben, dann würden Sie sich unser jetziges Gesellschaftssystem zurückwünschen, Herr Grabowski.
    P.S.: was heisst überhaupt ‚menschenfeindlich‘? Diesen Begriff definiert jeder Mensch anders.

  5. Alexander Hezel

    Herr Scholzen, Veröffentlichungen von diplomierten Volkswirten und Ökonomen als „pseudo-ökonomischen Mist“ abzutun, ohne diese Wertung/Beleidigung überhaupt näher zu erläutern ist ein Armutszeugnis ihrerseits. Keiner will „Plansozialismus“, Nationalismus, Neoliberalismus, und anderen Stuss… aber was wollen wir?
    Ein nachhaltiges System der Wirtschaftung, inklusive Fortschritt und Konsum, aber so, dass alle und nicht nur die obersten 1% etwas davon haben, und ohne den Ast abzusägen, auf dem wir sitzen (unsere Erde). Wenn jeder einzelne von uns seinen Teil dazu beiträgt, können wir unsere selbstzerstörerische Tendenz noch umkehren, aber das bedeutet, dass wir einen Schritt auf einander zu machen. Also: Können wir gemeinsam an einer Zukunft für alle arbeiten?

  6. Damien Francois

    Die Kondratjev-Zykeln können nichts mit Wachstum zu tun haben, da sie… zyklisch sind, Wachstum jedoch linear ist. Wissenschaft ist wie Religion: Es sind Weltsichten – und rein gar nichts anderes. Wer glaubt, daß man die Realität mit Wissenschaft erfasst, macht den gleichen Fehler wie derjenige, der glaubt, seine Religion erfasse die Realität. Beide sind Weltsichten, die einen bestimmten Einblick in die Realität gewähren. Da ich bereits 2007 ein knapp 600seitiges buch, The Self-Destruction of the West (Paris: Publibook), veröffentlicht habe, und im selben Jahr eine Reihe von Vorträgen zum Klimawandel (Haus Ternell), die ich in zwar in gebündelter, aber dennoch inhaltlich „erweitert“ 2010 im Energetikon in D-Alsdorf vor NRW-Managern und Ministern, sowie Wissenschaftlern (Professoren der RWTH Aachen und Jülich), gehalten habe, kann ich ja keine Ahnung haben; weshalb ich mich hier nicht mehr auslassen möchte. Die Herren Hezel und Scholzen wissen es ja eh immer besser… Lest David Engels!

  7. Alexander Hezel

    Herr François, als jemand mit akademischer Bildung scheinen Sie etwas grundlegendes nicht verstanden zu haben: Religion ist Ansichtssache, Wissenschaft ist Fakt.

  8. Damien Francois

    Da haben wir es ja wieder einmal: Wissenschaft ist Fakt? Echt? Alleine Schrödingers Katze beweist, daß Fakten, und Katzen, so oder so sein können. Gesunder Menschenverstand, ja, der hat mit Realität zu tun. Aber, stimmt, den gibt es lang nicht mehr. Vielen Dank, Herr Hezel, Tujichey, wie die Sherpas sagen! Besser hätten Sie meine Worte nicht bestätigen können! Tashi delek.

  9. Alexander Hezel

    Schrödingers Katze ist ein Gedankenexperiment, eine Hypothese, kann also gar nichts beweisen, sondern muss vielmehr erst selbst bewiesen werden.
    Wie etwas, das erst selbst bewiesen werden muss, etwas anderes beweisen soll, ist mir schleierhaft…

  10. Damien Francois

    Lassen Sie lieber die Professoren, die mir durch meine Promotion die Fähigkeit zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten (Sinn und Zweck der Promotion) zugesprochen haben, entscheiden, ob ich weiß, oder nicht, was Wissenschaft ist. Wissenschaft ist nicht gleich mit Wissen zu stellen. Die wilde Sau (Wildschwein), die ich eben im Wald gesehen habe, denkt wohl kaum „wissenschaftlich“, und weiß doch zu leben und zu überleben. Also, was ist wichtiger? Wissen oder Wissenschaft? Sie können auch noch bis ans Ende Ihres Lebens wiederholen, mit den Füßen stampfend, es wird nichts daran ändern: Wissenschaften ist nicht gleich Realität. Sollte ich mich irren, dann erklären Sie doch wissenschaftlich, weshalb es den Menschen auf der Erde gibt. Ich meine nicht die Evolution des Lebens, von der Bakterie zum homo sapiens demens (der Mensch heute), nein, sondern weshalb und wofür sind wir da? Ihr angeblicher „Rationalismus“ ist die Quelle des Elends in der modernen Welt.

  11. Marcel Scholzen eimerscheid

    Kann mir irgendjemand ein praktisches Beispiel nennen, woran man sieht, dass ein Land, Stadt, Region etc. auch ohne Wirtschaftswachstum auskommt ? Diskussionen bringen keinen weiter. Was man braucht sind praktische Beispiele, denn nur die können überzeugen.

  12. Damien Francois

    Herr Scholzen, die Erde und die Ressourcen sind nicht unendlich, darum kann Wachstum nicht die Lösung sein. Vor allem nicht, wenn es auf die ganze Welt als… Weltsystem ausgeweitet wird: Alle Menschen sollen immer mehr konsumieren. Das ist die Wachstumsideologie. Die macht die Menschen nicht glücklich und friedvoller, im Gegenteil; mehr Gier wird dadurch geschürt. Haben anstatt sein.

  13. Ernst Mathieu

    Sehr geehrter Herr Damien Francois, lassen sich sich ruhig weiter aus. Ihre Beiträge sind immer interessant und anregend, so wie auch zum jetzigen Thema.
    Wenn ich auch nicht immer mit Ihnen einer Meinung bin, Ihre Meinung ist wichtig.
    In letzter Zeit haben Sie sich leider rar gemacht.
    MfG E. Mathieu

  14. Damien Francois

    Herr Mathieu, aufgrund Ihrer bisherigen Kommentare zu meinen Ansichten, muß ich gestehen, daß ich nicht sicher bin, ob Sie dies auch ehrlich meinen, oder eher ironisch, gar zynisch. Ich habe von Anfang April bis Ende August knapp 5 Monate den Kopf in die Sche… gesteckt. Mir wurde bei all dem, was mir als Realität bewusst wurde, nur noch übel, weshalb ich auch mein 200 Seiten Manuskript „ruhen“ lasse – auf alle Ewigkeit. Das ist einer der beiden Gründe, weshalb ich mich nicht mehr „auslassen“ möchte, und mich „rar gemacht habe“. Der 2. Grund ist, daß ich es Leid bin, daß kranke Ideologien, die Europa zerstören, die ganze Debatte über die Realität überschatten. Sollten Ihre Worte jedoch ehrlich gemeint sein, dann danke Ihnen. Denn sie lesen sich wie… Komplimente!

  15. Ernst Mathieu

    Ja Herr Damien Francois, meine Worte sind ehrlich gemeint, Zynismus liegt mir gar nicht.
    Ich wünsche Ihnen alles Gute.
    MfG E. Mathieu

  16. Marcel Scholzen eimerscheid

    Sehr geehrter Herr François,
    Es ist schon richtig, was Sie sagen, dass die Rescoursen dieser Erde nicht unendlich sind. Aber dieses Problem gab es schon immer. Aus diesem Grund haben Menschen sich immer wieder was neues einfallen lassen müssen, und haben auf diese Art und Weise neues Wirtschaftswachstum ermöglicht nach dem Motto „Not macht erfinderisch“. Ein Beispiel ist die Besiedlung Amerikas durch Europäier.

  17. Damien Francois

    Nur für Sie, Monsieur Ernst! 😉 Wird Ihnen nicht schmecken, da Sie pro-Migration sind, oder? Die Katze ist aus dem Sack, Schäuble hat es „endlich offiziell“ gesagt (Die Zeit), möchte ich fast sagen: Europa wird mit Afrikanern und Arabern zwangsbevölkert; die Vermischung, wie das Orakel Coudenhove-Kalergi (erster Karlspreis-Träger, uvm.) vorraussah. Die Wachstumsideologie in ihrer perversesten Ausprägung. Europas Demographie nimmt ab (was bedeutet das überhaupt?), also muß, um dem IWF zu gefallen, dieser Waschtumstyrannei, entgegen gehalten werden. Alle Mittel sind recht; Terroristen und Unangepasste, spielt keine Rolle, nur die Zahlen müssen stimmen. Islamisierung? Na und, das Ölgeld fließt gut – jedoch nicht zum Wohle der Allgemeinheit -, und dadurch die Macht. Ein anderes Besipiel für diese wahnsinnige Wachstumsideologie? Wenn Milch- oder Holztransporte mit mindestens 80 Sachen durch eine 30er Zone fahren – „Time is money“, schließlich, wie der Freimaurer Benjamin Franklin völlig lebensfremd behauptet hat: Denn eigentlich, „Time is life“.

  18. Damien Francois

    Nein, Herr Scholzen, die Welt war noch nie so vernetzt und „globalisiert“ wie heute. Das ist das erste Mal, deshalb kann nicht mit „Früher war es schon so“ argumentiert werden. Die Wissenschaft, meistens durch Technik, löst gewisse „Fragen“, die sich der menschliche Geist ausdenkt, aber immer etwas Neues, das ist doch gerade das Problem. Prometheus, Faust und Frankenstein, sie dienen nur zur Beherrschung des Lebens und der Natur – anstatt das Leben und die Natur zu akzeptieren, uns ihnen zu fügen, da wir Teil davon sind. Es gibt kein zurück, klar, aber wie dumm wir doch sind, weiter in eine Richtung zu fahren, die sich als zerstörerisch erweist. Ist DAS der Sinn von Wissenschaft, Fortschritt und Wachstum? Wir holzen hier ab und holen dann das Holz anderswo. Das ist Wissenschaft. Wenn Indianer zuviel Holz verbrauchten, zogen sie weiter und ließen die Wälder wieder in Ruhe. Das ist Wissen…

  19. Alexander Hezel

    Ich hatte sie fast schon vermisst, die große Weltverschwörung des Dr. Damien François… Jetzt müsste als Konter eigentlich die Leier von der „Realität“ kommen, der man in die Augen sehen muss, vom „Augen öffnen“ usw. usf.
    Es bleibt ein fader brauner Beigeschmack beim Wort „Zwangsbevölkerung“, ein Wirrwar aus aneinander gereihten Schlagworten, und die unterschwellige Behautpung, dem IWF wäre Terrorismus als Mittel zum Wirtschaftswachstum ganz recht.
    Wo da auch noch die Milch- und Holztransporte reinpassen, das weiss keiner.
    Aber wahrscheinlich bin ich nur zu dumm, das alles zu verstehen…

  20. Damien Francois

    Schäuble, Die Zeit, das sind alles Träumereien, natürlich. Der I.S. spielt, ja, eine Rolle ersten Ranges. Der IWF auch. Der republikanische Senator Richard Black aus Virginia erklärt es sehr gut. Holz und Milch aus der Gegend, das nach China verfrachtet, das passt idT zum Thema „Wirtschaftswachstum“. Sonst noch Bedarf an Aufklärung?

  21. Damien Francois

    Herr Scholzen, der nord-amerikanische Genozid war vielmehr ideologisch als wirtschaftlich geprägt – wie jetzt in Europa. Monnet formulierte 1950: Es muß immer ein ökonomischer Grund genannt werden, damit die Menschen alles schlucken – die… Wachstumsideologie. Ihr „Genozid als notwendige Erfindung“ ist ein starkes Stück… Die Mongolen, unter Gengis Khan, haben zwar geplündert, sind aber immer wieder zurück in ihre Steppe geritten. Sie liebten ihr Land – was wir überhaupt nicht mehr tun. Darum werden wir kopflos bluten. Vergleichen Sie mit den tapferen Kurden, die ALLES geben um ihr „Land“ (leider keine geopolitische Realität) verteidigen. Wie die Indianer damals, oder heute (Aufstände in den Standing Rock und Pine Ridge Reservaten, wo Ed McGaa, der Mitautor meines vorletzten Buches, The Self-Destruction of the West, aufwuchs). Und Erdogan, die unsere kluge EU hofiert und ALLES erlaubt, bombardiert die Kurden. Schöne neue Welt! Die öknomische Vernunft, die die Politik lahm gelegt hat, läßt grüßen!

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