Bürgerversammlung: Elsenborner machen sich Sorgen um ihr Trinkwasser

Erhöhte Bleiwerte, trübes und rostiges Wasser: In Elsenborn hat eine Bürgergruppe bei einer Informationsversammlung die Qualität des Trinkwassers thematisiert. Außerdem wundern sich die Elsenborner, dass demnächst das aufbereitete Trinkwasser weiterhin durch die alten Gussleitungen fließen soll.

Auf den Tischen steht in Plastikflaschen abgefülltes Wasser, das nicht gerade appetitlich aussieht, versehen mit den Abfüllungsdaten. Auf dem Podium die Initiatoren der Bürgerversammlung: Roland Thönnes, Eddy Gross, Hubert Schäfer und Mario Noel.

„Wir haben starke Verunreinigungen im Trinkwasser und die Wasseranalysen besagen, dass wir Bleigehalt im Wasser haben. Wir wollten von der Gemeinde hören, woher diese Verunreinigung kommt und was man dagegen unternimmt“, erklärt Mario Noel.

Doch die Stühle für die Vertreter der Gemeinde Bütgenbach bleiben leer. Weder der Bürgermeister, noch der Wasserschöffe oder der zuständige Dienstleiter sind gekommen. Dafür hat das Gemeindekollegium der Bürgergruppe auf zehn schriftlich eingereichte Fragen am Tag der Versammlung geantwortet. „Teilweise konnten sie uns zufrieden stellen, aber noch viele Fragen bleiben offen.“

Bleigehalt

Aus Sicht der Elsenborner Bürgergruppe sind das vor allem die Fragen nach der Verunreinigung des Wassers und nach dem Bleigehalt. Darum hatte sie mit Dr. Kurt Hoffmann einen Fachmann in Sachen chemischer Zusammensetzung eingeladen, der davor warnte, Dinge zu vermischen. „Ganz klar: Blei hat nichts im Trinkwasser verloren. Es gibt da Grenzwerte, die sollen auch eingehalten werden“, erklärt Dr. Kurt Hoffmann.

„Andererseits haben wir das Problem dieses braunen Wassers, das ist aber eine andere Baustelle. Ich glaube, das Bleiproblem ist lokal, also das hat sehr oft mit Zuleitungen in Häusern zu tun, wo vielleicht noch Segmente von Bleirohren sind. Über Nacht oder über längere Zeit kann so Blei aus den Rohren in das Wasser hineindiffundieren. Wenn man direkt davon eine Probe nimmt, dann kann es sein, dass diese Werte sehr hoch, auch unzulässig hoch sind.“

Hubert Schäfer entgegnete, dass in seinem schon älteren Haus die alten Leitungen ersetzt worden seien und doch habe man mehrmals erhöhte Bleiwerte im Trinkwasser festgestellt. Er vermutet dahinter ein Problem mit dem allgemeinen Netz und den teilweise noch vorhandenen alten Gussleitungen.

„Also ich habe ein bisschen ein Problem, mir vorzustellen, dass die Gussleitungen ein größeres Problem sind. Also vor allen Dingen diese Werte, die wir hier gesehen haben, und nicht immer konstant diese Werte ergeben. Man muss auch bedenken, dass noch Gussleitungen in anderen Ortschaften liegen – und dass das Problem dort dann auch vorhanden sein müsste.“

Die Elsenborner haben dennoch ihre Zweifel. „Ich bin auch kein Experte“, sagt Mario Noel. „Aber ein älterer Bürger hat eben noch gesagt, man hätte früher die Leitungen aneinandergesetzt mit einer Art Muffe, die dann noch gefüllt wurde mit Blei, als eine Art Dichtung. Das haben wir schon öfters gehört. Wir denken, dass es eventuell daher kommt, dass die Bleiablagerung sich durch die Muffe oder durch den Anschluss in der Leitung verteilt.“

Hier liegt für die Elsenborner Bürgergruppe der Knackpunkt: Dass nach dem Anschluss der Ortschaft an die Trinkwasseraufbereitungsanlage das „gute Wasser durch schlechte Leitungen“ – nämlich die alten gusseisernen Rohre – fließe. „Alles wird neu gemacht und dann wird auf ein paar hundert Meter Leitung verzichtet. Da hätten wir uns eine Antwort erhofft, warum diese Leitung nicht mit ersetzt wird. Wobei die später auch die Ortschaft Berg mit beliefern wird.“

Eisen und Mangan

Die in Elsenborn beanstandete rostbraune Färbung führt Kurt Hoffmann auf Ablagerungen von Eisen und Mangan zurück. Das sehe nicht schön aus, sei aber gesundheitlich unbedenklich. „Da ist es egal, ob es ein Plastikrohr ist oder ein Gussrohr. Vielleicht hat das Gussrohr eine Porosität, dass das vielleicht leichter diese Ablagerungen stabilisiert und wenn man dann mehr Wasser zieht, sich dann löst und dann halt zu diesen Einträgen in den Häusern kommt. Man müsste mal wissen, wie diese Trinkwasseraufbereitung funkioniert. Wenn da der pH-Wert in Ordnung gebracht wird, dann müsste das Eisenhydroxid dort ausfallen und durch Abfiltrieren wäre es dann auch aus dem Wasser heraus.“

Für Mario Noel und seine Mitstreiter eine wichtige Information. „So hat Herr Hoffmann uns das sehr gut erklären können, dass es noch andere Methoden gibt, um die Verunreinigungen aus dem Wasser zu holen. In der Trinkwasseraufbereitungsanlage zum Beispiel kann man Sachen vorsehen, und das müssen wir dann mal klären mit der Gemeinde.“

Das gilt für diese und weitere Fragen, die bei der Bürgerversammlung aufgekommen sind und nun den Gemeindeverantwortlichen vorgelegt werden sollen.  „Anscheinend haben die sehr viele Termine, sonst wäre ja heute Abend eventuell eine Person hier gewesen, um Antworten zu geben. Wir werden ihnen die Möglichkeit geben, dass sie selber eine Klarstellung in diesen Fragen geben und in der Bevölkerung mal Klarheit schaffen.“

Bütgenbachs Bürgermeister Emil Dannemark erklärte dem BRF, dass die Gemeinde auf die angekündigten Fragen warten werde, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Das Gemeindekollegium habe in dieser Sache nichts zu verbergen. Dass kein offizieller Vertreter der Gemeinde an der Informationsversammlung teilgenommen habe, begründete er damit, dass es im Vorfeld keine terminliche Absprache gegeben habe.

Text und Bilder: Stephan Pesch