Bürgerinitiative macht gegen neue Windräder auf dem Schneifelrücken mobil

In der deutschen Eifel wehrt sich die Bürgerinitiative "Gegenwind Schneifel" gegen Windräder auf dem Höhenrücken Schwarzer Mann - in Sichtweite zur belgischen Grenze. Neben der Zerstörung des Landschaftsbildes führen die Gegner Natur- und Umweltbedenken an, so unter anderem auch den Schutz von Zug- und Greifvögeln. Außerdem rechne der Tourismus mit Einbußen.

Schneifelrücken "Schwarzer Mann" mit dem Funkturm

Im Zuge der Energiewende gibt es in Rheinland-Pfalz die Empfehlung, dass die Verbandsgemeinden zwei Prozent ihres Territoriums für Windenergieprojekte öffnen sollen. Angesichts der so schon dichten Bebauung mit Windrädern kommen nur noch bewaldete Flächen in Frage und wegen der günstigen Windverhältnisse eben der knapp 700 Meter hohe Schneifelrücken.

Geplant seien mehr als 30 Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von 160 Metern Höhe plus Rotorblättern von 70 Metern Länge, macht zusammen 230 Meter – und somit deutlich höher als etwa der Kölner Dom. Zum Vergleich: der auch von belgischer Seite aus weithin sichtbare Funkmast am Schwarzen Mann ist 105 Meter hoch – misst also gerade mal die Hälfte. Peter Eichten, Ortsbürgermeister von Auw, sieht manche Orte schon von Windrädern „umzingelt“.

Nebem dem landschaftlichen Aspekt hat die Bürgerinitiative aber auch Natur- und Umweltbedenken. So spiele der Schneifelrücken, an dem die Wolken aus dem Westen abregnen, eine wichtige Rolle für den überregionalen Wasserhaushalt. „Die Schneifel ist wie ein großer Schwamm. Der Untergrund selber ist ein sehr harter Quarzitboden, wo kein Wasser versickern kann“, erklärt Wolfgang Kiebert.

„Wir sind also darauf angewiesen, dass das Wasser in diesen lockeren Böden und in dem Wurzelwerk zurückgehalten wird. Und es wird dann langsam und kontrolliert über zahlreiche Bäche, Quellen und die Hochmoore wieder abgegeben.“ Wegen der massigen Fundamente für die Windräder fürchtet Wolfgang Kiebert, dass sich der Boden verdichtet und diese Funktion nicht mehr erfüllen kann – ganz abgesehen davon, dass für den Bau und die Zufahrtswege große Waldflächen gerodet werden müssten.

Vogelschützer klagen zudem über die Gefährdung von Zug- und Greifvögeln durch die Windräder. Gerhard Reuter von AVES-Ostkantone will sich darum über die Planungen auf deutscher Seite informieren. Aber gewöhnen sich denn die Vögel nicht an die Windräder? „Die Vögel gewöhnen sich schon daran. Aber sie gewöhnen sich niemals an die Gefahren, die von den Windkraftanlagen ausgehen. Sie unterschätzen zum Beispiel die hohe lineare Geschwindigkeit, mit der die Rotoren drehen.“

„Aber selbst in der Nähe einer Windkraftanlage – bis zu 60 oder 70 Meter entfernt – bestehen ganz andere Druckverhältnisse, die den Vögeln die Luftsäcke zerreißen und sie töten“, erklärt Gerhard Reuter.

Nicht zuletzt stellt die Bürgerinititiave die Frage, inwiefern sich der Bau der Windräder auf den Tourismus auswirken könnte: Die Schneifel ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. „Man rechnet mit Einbußen bis zu 20 Prozent. Genau die 20 Prozent sind es, die die Gastronomie braucht, um in den umsatzschwachen Zeiten zu überleben“, sagt Peter Eichten.

Weil er aber nun mal nicht grundsätzlich gegen die Nutzung der Windenergie sei, schlägt Peter Eichten vor, dass andere Flächen in Betracht gezogen werden – auch wenn sie dann zwei oder drei Zehntel Windkraft weniger lieferten.

Als Ortsbürgermeister tagt Peter Eichten mit seinen Kollegen im Rat der Verbandsgemeinde Prüm. Dort müssten die Flächennutzungspläne erst so fortgeschrieben werden, dass Windräder angesiedelt werden könnten. Über einen Solidarpakt stehen allen Ortsgemeinden zusammen bis zu 30 Prozent der Einnahmen aus der Windenergienutzung zu – auch das könnte eine Rolle spielen. Für Auw wären das 12.000 bis 13.000 Euro im Jahr. Lieber als das Geld im Haushalt ist Eichten aber, dass die Dörfer lebenswert bleiben.

Bisher hat die Bürgerinitiative „Gegenwind Schneifel“ fast 2000 Unterschriften gesammelt. „Wir haben uns auch ein Logo gebastelt: Das ist der fliegende Schwarzstorch über den Worten ‚Gegenwind Schneifel'“, erklärt Wolfgang Kiebert. „Wenn wir mit unserer Aktion Erfolg haben, behalten wir das Logo bei, nehmen den Gegenwind raus und bleiben dann einfach nur bei der ‚Schneifel‘.“

Stephan Pesch

Kommentar hinterlassen
14 Kommentare
  1. petra schleicher

    Ich hoffe sehr das sich jetzt auch in Belgien Menschen gegen diese Pläne engagieren…..diesen Eingriff in die Landschaft kann man nie wieder gut machen….

  2. Bernd Brauer

    …einen Super-GAU in Tihange auch nicht…

  3. Jean-Pierre DRESCHER

    Schrottmeiler in Tihange gehören verschrottet und Windräder auf den Bergen in ihre Grenzen verwiesen.

  4. rudi nikklas

    – – – und wenn dann irgendwann nix mehr aus der Steckdose kommt, weil alles abgeschaltet wurde, schreien die Herrschaften Schleicher / Drescher wahrscheinlich als erste(r) . . . .

  5. Guido Scholzen

    Wann wird endlich mal berichtet, dass die Energiewende in Deutschland so bankrott ist wie die ehemalige DDR?
    Und warum? weil es keine Kosten-Nutzen-Rechnung in dieser politischen Fehlplanung gibt, nur sinnlose Subventionen, damit die Menschen trotzdem glauben sollen, es habe doch einen Sinn.
    Man merke: je mehr Windräder es gibt, desto mehr muss subventioniert werden. Letztes Jahr waren dies in Deutschland durch EEG-Vergütung 30 Milliarden Euro für alle AE/EE, davon 10 Milliarden Euro für die Windkraft. Welch eine Geldverschwendung ! Und für was? für einen Zufallsstrom, den niemand braucht, weil bereits Strom im Netz vorhanden ist durch vor allem Kohlekraftwerke, die man nicht einfach herunterfahren kann und deshalb verlässlich Strom liefern.

    Wenn schon zb.Atomstrom aus deutschen Landen verschwinden soll, dann kann man sich für dieses Geld auch Gas aus Russland für Gasturbinen importieren, und eines tages wird das auch so geschehen. Aber zuerst muss das verlässliche deutsche Stromnetz kaputt gehen. Welch Irrsinn!

  6. Wahl, Joachim

    Guido, solange „alles, was Grün ist“, Narrenfreiheit genießt, wird das so weitergehen. Liest man das Programm von RLP über die Energiewende durch, kommt man aus dem Staunen über soviel Schwachsinn nicht mehr heraus. „Das Klima retten, CO2 vermindern, mehr Windenergie, dann klappt das schon. In D’land klappt bald alles zusammen. Das Programm strotzt nur so von technischen Fehlern und unhaltbaren Forderungen. Es ist ein Glaubensbekenntnis einer „ökogläubigen Politikerkaste“, die sich von jeglicher Vernunft verabschiedet hat. Schaut man rüber in die deutsche Eifel, hat das auch Einfluß auf Belgien. Man ist umgeben von einer Umweltzerstörung, die ihresgleichen sucht. Rund 1.600 to Beton für jedes Fundament, Stahl und Kunststoffe, Rodungen, zugepflasterte Zufahrten. Und der Nutzen? Der beschränkt sich auf ein ausgeklügeltes System von Nutznießern. Was bedeutet das für die Energieversorgung? Aufgrund der Volativität ist kein einziges konventionelles Kraftwerk abgestellt worden. Durch die Überkapazitäten wird es zu immer mehr Ausfällen des Netzes kommen.

  7. Jean-Pierre DRESCHER

    Herr S. man braucht den failed-state BRD erst gar nicht mit der DDR zu vergleichen. Im Gegensatz zu der „Bunten Republik“ funktionierte in der DDR der Staat zwar sehr schlecht, aber er funktionierte, was man von der BRD nun wirklich nicht mehr erwarten kann.

    Aber das ist ein anderes Thema. Fakt ist, dass Schrottmeiler in unserem Land den Menschen in DE, NL und LU nachts den schlaf rauben. Warum haben Electrabel und GDF-Suez die Gaskraftwerke abgeschaltetr? Warum wird keine Stromleitung nach DE gebaut, um Strom aus DE einzukaufen? DE kann beispielsweise grünen Strom aus norwegischen Wasserkraftwerken anbieten. Doch dafür muss man sich zum Bau einer Stromleitung bequemen. Eine Gasleitung aus Rusland gibts bereits und man müsste nur den Gashahn einfach aufdrehen.

    Gleichzeitig darf die deutsche Eifel nicht weiter zubetoniert werden für weitere Windkraftwerke und überbreite LKW-Schnellstraßen!

  8. Wahl, Joachim

    Herr Drescher, ich bedaure, Ihnen widersprechen zu müssen. Wieso rauben Kernkraftwerke den Bürgern nachts den Schlaf? Tagsüber nicht? Beteiligen Sie sich nicht an der Angstschürerei unserer Nachbarn. Ihre Idee mit der Leitung sieht zwar gut aus, ist sie aber nicht. Der Strom aus AE’s fließt auch über die Landesgrenzen nicht gleichmäßig, wie das Netz ihn braucht. Im übrigen sind die Lageenergiespeicher in Norwegen sehr begrenzt. Die östlichen Anrainerstaaten, Polen und Tschechien, installieren bereits sog. Phasenschieber, um sich nicht mehr von deutschem „Umsonststrom“ die Netze ruinieren zu lassen. Sie haben 100% Recht mit der Forderung nach Gaskraftwerken. Dies ist in Belgien verpennt worden; zu spät ist es allerdings noch nicht. Allerdings müssen die politischen Rahmenbedingungen klar definiert sein. In München steht die modernste Gasturbine der Welt, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Betrieb lohnt nicht, da Wind- und Sonnenstrom Vorrang haben; ein intermittierender Betrieb ist daher für den Investor unwirtschaftlich.

  9. Ernst mathieu

    Erstaunlich wie viel Kompetenz in Sachen Energieversorgung bei den Leserbrief Schreiber zu finden ist. Noch mehr erstaunt mich, dass diese Fachleute Deutschland als gescheiterten Staat bezeichnen. Ich selbst bin auf diesen Gebieten ein blutiger Laie und kann kein Urteil abgeben.
    Doch in Deutschland zeigen sehr viele Parameter nach oben, Arbeitsplätze, Löhne, Renten, Industrieproduktion, BSP, Steuereinnahmen,Einwohnerzahl, Politische Stabilität usw. und so weiter.
    Da kommen mir beim Nachdenken über Kompetenzen doch Zweifel.

  10. Jean-Pierre DRESCHER

    Herr M. ich bin mir ziemlich sicher, dass die angebliche „Zufriedenheit“ unserer deutschen Nachbarn mit dem System BRD und Merkel sich doch stark in Grenzen hält. Begründungen habe ich in der Vergangenheit massenweise abgegeben, es fängt mit A wie Asylanten an und hört auf mit Z wie Zerstörung der Natur durch irrsinnige Straßenbauprojekte zu lasten der deutschen Steuerzahler.

    Herr W. lassen wir dass mit den Phasenschiebern unserer osteuropäischen Nachbarn mal besser sein. Polen verrußt mit ungefilterten Kohlekraftwerken die Luft in ganz Europa und weigert sich aggressiv, aus der Kohle auszusteigen. BE ist bis auf die Kokereigaskraftwerke draußen und DE legt ältere Kraftwerke still.

    Dennoch fällt die Beliebtheit unseres Landes bei allen europäischen Nachbarn wegen der unzähligen Störfälle in den AKW. Ruß aus Polen oder Strahlung aus Belgien – beides muss ein Ende haben. Ich kann auch nicht alles zu Lasten meiner Nachbarn im Dorf machen nur weil ich grad Lust drauf habe!

  11. Guido Scholzen

    @Ernst Mathieu.
    Sie haben recht, dass D’land der Wirtschaftsmotor in Mitteleuropa ist. und das soll auch so bleiben! Aber die Energiewende streut Sand ins Getriebe dieses fantastischen Motors.
    Dies zu erkennen, ist Kompetenz.
    Wenn dies nicht erkannt wird, dann wird Deutschland scheitern.

  12. Michael Faraday

    Nun ja von vermeintlich abgeschalteten Akw´s geht aber eine nicht weniger große
    Gefahr aus. Nur dies wird leider allzu oft verschwiegen, oder sind schon alle
    deutschen Akw´s Brennstoff Frei und die Brennstäbe schon alle abgeklungen.?

  13. Karl-Heinz Braun

    Solange die Energieversorgung geopolitischer Spielball bleibt, solange gibt es genug Gründe, auf lokale Erneuerbare umzusteigen. Wer den Zusammenklang zwischen Energiepolitik und Krieg/Terrorismus nicht sieht, ist wohl blind.
    Aber Erneuerbare werden langfristig nur bestehen, wenn sie aus der marktwirtschaftlichen Logik herausgelöst werden. Energieversorgung muss unabhängig von Dividenden gewährleistet werden. Stellen Sie sich mal vor, Engie/Electrabel würde morgen alle Produktionsstandorte hierzulande schließen, nur weil das der Mehrheit der Aktionäre recht wäre !

  14. Guido Scholzen

    Zitat von Herrn Braun:
    „Aber Erneuerbare werden langfristig nur bestehen, wenn sie aus der marktwirtschaftlichen Logik herausgelöst werden.“

    Wenn sich diese Energieversorgung marktwirtschaftlich nicht mehr lohnt, dann vergessen wir die Stromerzeugung durch Sonne+Wind doch am bestens, oder verlagern es auf privates Niveau. Oder wie es in Dänemark mal formuliert wurde: „Die Erneuerbaren werden subventioniert, damit sie konkurrenzfähig bleiben“ -> Das heisst nichts anderes, als dass die Energiekosten langfristig für jeden Bürger und für die Staatskasse (wallon.Region) steigen werden, obwohl die AE/EE zur Stromversorgung total unwichtig sind.
    Wie steht eigentlich ihr Parteikollege Ecolo-Copräsident Patrick Dupriez dazu? Die Frage müsste der dann am 25.September in Eupen beantworten…

    wer glaubt, dass Fotovoltaik+Windkraft keinem Kosten-Nutzen-Prinzip unterliegen sollen, ist wohl blind… oder eben grün verblendet.

Kommentar hinterlassen

Ihre Email-Adresse wird niemals veröffentlicht!
Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien zu Kommentaren.

Restl. Anzahl Wörter: 150