Wegen Behördenfehler: Irakische Flüchtlingsfamilie hat wieder Hoffnung

Eine Familie aus dem Irak hatte ein halbes Jahr in Raeren gelebt. Dann kamen der Abschiebebescheid, der Umzug in ein Fedasil-Zentrum und schließlich der Weg ins geschlossene Zentrum Steenokkerzeel. Wegen eines Fehlers der belgischen Behörden hat die Familie jetzt eine Schonfrist erhalten und darf wieder hoffen.

Ende Februar hat der BRF über das Schicksal einer vierköpfigen Flüchtlingsfamilie aus dem Irak berichtet. Ein halbes Jahr lebte sie in Raeren, dann kam der Abschiebescheid. Die Familie musste Raeren verlassen und ins offene Fedasil-Zentrum von Jodoigne umziehen.

Vor vier Wochen ging dann alles sehr schnell. Die Vier wurden von der Polizei abgeholt und nach Steenokkerzeel in Abschiebehaft gebracht. Innerhalb von zwei Wochen sollten sie nach Italien abgeschoben werden. Doch Behördenfehler könnten der Familie jetzt helfen, über längere Zeit in Belgien bleiben zu dürfen.

Karin Maldinger hat ein großes Herz. Und sie ist eine Frau der Tat: Im Rahmen eines Patenschaftsprojekts kümmert sie sich seit September letzten Jahres um die irakische Familie – in Abstimmung mit dem ÖSHZ Raeren. Die Mutter Sahar Abosden Al Hadithy, Vater  Waleg, Tochter Shala und Sohn Mohenem hätten am Dienstag in Zaventem eigentlich ein Flugzeug Richtung Italien besteigen müssen, weil sie einen rechtskräftigen Abschiebebescheid hatten.

Frist ist verstrichen

Doch Italien sagte Nein, man wolle die Familie nicht, weil die belgischen Behörden sich nicht an die vereinbarte Frist von 14 Tagen zwischen Bescheidübergabe und Abschiebungstermin gehalten hätten. Also mussten die Al Hadithys aus der geschlossenen Haft in Steenokkerzeel entlassen werden und standen von Jetzt auf Gleich auf der Straße.

Das war Anfang letzter Woche. Keine Frage: Karin Maldinger war zur Stelle, holte die Familie ab und brachte sie zunächst bei sich und dann im Haus von Freunden unter. Weil die Behörden offensichtlich eine bindende Frist versäumt hatten, sind die Iraker nun keineswegs illegal im Land, ein wenig Hoffnung keimt auf.

Sohn Mohenem gilt als Sonderfall: Er war schon aus Jodoigne wieder zurück nach Raeren geholt worden, um weiter die RSI-Schule zu besuchen. Inzwischen ist er jedoch 18 Jahre alt geworden und steht rechtlich nicht mehr unter dem Schutz des Familienstatuts. Wie seine Schwester und Eltern hofft er sehr darauf, in Belgien, am besten in Raeren, bleiben zu dürfen. Sein Ehrgeiz, die deutsche Sprache zu erlernen, wurde bereits mit einem tollen Zeugnis belohnt.

Verunsicherung, aber auch Hoffnung

Schwester Shala, Mutter Sahar und Vater Waleg sind zunächst einmal erleichtert, der Abschiebung so knapp entgangen zu sein, aber die Verunsicherung ist groß, wenngleich die Hoffnung bleibt.

Am Mittwoch begleitet Karin Maldinger die vier irakischen Freunde nach Brüssel zu Fedasil. Dort soll ein Antrag auf Unterkunftsgewährung gestellt werden. Gemeinsam mit einer Rechtsanwältin will man dann klären, ob die Akte Al Hadithy wieder geöffnet wird, oder neue Asylanträge gestellt werden sollen.

Karin Maldinger ist überzeugt, dass die Unterstützung für die Flüchtlinge der richtige Weg ist, auch wenn es – bei aller Solidarität in Raeren – auch Gegner gibt.

Rudi Schroeder - Foto: BRF

Ein Kommentar
  1. Jens Nitzschke

    Honni soit qui mal y pense: Es gibt auch Fehler, die mit Absicht gemacht werden…