Köln: Belgische Journalistin vor laufender Kamera begrabscht

Nach den Vorfällen in der Silvesternacht steht der Kölner Karneval ja in diesem Jahr in einem ganz besonderen Licht. Dementsprechend groß war das Medieninteresse - zumal am "Altweiberdonnerstag". Umso verstörender ist die Sache, die einer RTBF-Journalistin widerfahren ist: Sie wurde vor laufender Kamera sexuell belästigt.

Verstärkte Polizeipräsenz am Altweiberdonnerstag in Köln: Die Polizei riet der Journalistin dazu, Anzeige zu erstatten

Verstärkte Polizeipräsenz am Altweiberdonnerstag in Köln: Die Polizei riet der Journalistin dazu, Anzeige zu erstatten

https://www.youtube.com/watch?v=pXpR-m1fq2Q

„Wir alle waren schockiert angesichts dessen, was da heute Mittag in den Fernsehnachrichten vor unseren Augen passiert ist“, so leitete am Abend der bekannte RTBF-Nachrichtensprecher François de Brigode das Thema ein. Und die Geschichte ist tatsächlich ziemlich unglaublich. Esmeralda Labye, ebenfalls ein bekanntes RTBF-TV-Gesicht, meldet sich live vom Altweiberkarneval in Köln. Erstmal erklärt sie natürlich, warum es eben dieses Jahr nicht ein Karneval wie jeder andere ist – und doch versuche jeder, die Ereignisse der Silvesternacht auszublenden.

Während sie das so erklärt in dieser Liveeinblendung, sieht man zunächst ein paar Mittelfinger – so weit, so harmlos. Dann taucht plötzlich ein junger Mann hinter der Journalistin auf. Der macht ein paar obszöne Gesten, wird dann aber von seinen Kumpels beiseite genommen.

Gleich darauf kommt ein anderer junger Mann ins Bild, der geht dann aber buchstäblich auf Tuchfühlung: Erst legt er quasi seinen Kopf auf ihre Schulter und sagt der Journalistin ein paar Dinge ins Ohr. An seinem Gesicht mag man schon erkennen, dass seine Worte nicht unbedingt jugendfrei sind. Am Ende überschreitet einer dann aber definitiv die Rote Linie und grabscht der Frau an die Brust. Sie sei schockiert gewesen, sagt Esmeralda Labye, ebenso wie ihre Kollegen, die dabei waren.

RTBF will Anzeige in Deutschland erstatten

Alle der Störenfriede sind sichtbar angetrunken. Doch das sei absolut unerheblich, sagt der RTBF-Informationsdirektor Jean-Pierre Jacqmin. Alkohol hin, Karneval her, ein solcher Vorfall sei inakzeptabel und deswegen habe die RTBF beschlossen, Anzeige zu erstatten – und das in Deutschland, damit die Ermittlungen möglichst schnell in Gang kommen können.

Esmeralda Labye hat erstmal die Live-Schalte so gut es geht über die Bühne gebracht, danach ging es dann aber gleich zur Polizei. Und der Vorfall habe die zuständigen Behörden sichtlich geschockt, sagte die 42-jährige. Alle hätten sie sich entschuldigt, die aktuelle Bürgermeisterin, ihr Vorgänger und auch der Kölner Polizeidirektor. Mehr noch: Die Polizisten hätten ihr ausdrücklich geraten, Anzeige zu erstatten. Also, sie hätte nicht einen Moment lang den Eindruck gehabt, dass man das Ganze lieber unter den Teppich gekehrt hätte, sagt Esmeralda Labye.

Täter noch nicht identifiziert

Esmeralda Labye hat aber tapfer weitergearbeitet. Nach der schockierenden Live-Schalte stürzte sie sich wieder ins Getümmel, um O-Töne einzufangen. Am Abend dann meldet sich Esmeralda Labye wieder live in den Abendnachrichten. Diesmal habe man aber Vorkehrungen getroffen, sagte die Journalistin: Jetzt würden sie und die Kamera von zwei Polizisten abgeschirmt. Und dann wird sie dann auch wieder einen Moment lang zur reinen Journalistin: Abgesehen von dem besagten Zwischenfall sei alles sehr friedlich und sicher abgelaufen – insgesamt bleibe doch ein positiver Eindruck.

Da kann man nur sagen: „Respekt“, erklärte der RTBF-Informationsdirektor Jean-Pierre Jacqmin: Respekt für die professionelle Einstellung der Kollegin. Zugleich verurteile er noch einmal die Leute, die die Journalistin bedrängt haben.

Am Freitag bezog die RTBF-Reporterin selbst Stellung auf der Internetseite des Senders. Sie erklärte, die Ernsthaftigkeit des Vorfalls während ihres Aufsagers nicht erkannt zu haben. Erst auf den Kamerabildern habe sie die anzüglichen Gesten entdeckt. Sie endete ihre Darstellung mit der Überlegung, ob es angesichts von Störern und selbsternannten Komikern sinnvoll bleibt, live bei Festen oder Fußballspielen Aufsager zu machen.

Die Täter konnten bislang noch nicht identifiziert werden. Aber das dürfte wohl nicht allzu lange dauern. Bilder gibt’s ja zu Hauf, wenn die RTBF auch die betreffenden Sendungen von der Internetseite genommen hat. Bleibt dann doch die Feststellung, dass manche Männer offensichtlich dermaßen die Pedale verlieren können, dass sie sogar vor einer laufenden Kamera eine Frau belästigen. So dämlich das ist, es lässt tief blicken…

Roger Pint - Illustrationsbild: Patrik Stollarz (afp)

15 Kommentare
  1. Lejeune Roland

    Ist Deutschland denn mittlerweile der Verrohung so nahe ?
    Diesmal war es ja offensichtlich kein Nordafrikaner !

  2. Dieter Leonard

    Wäre es ein Einwanderer oder ein Flüchtling gewesen, wären sie wieder aus ihren Löchern gekrochen und hätten ihren Hass abgesondert: die, die es immer schon gewusst haben.
    Aber jetzt ist alles still. War ja auch nur ein besoffener Abendländer. Halb so schlimm …

  3. Jens Nitzschke (Blankenheim)

    Herr Leonard, ich glaube eher, dass es daran liegt, dass es einfach zu viele Tatbestände sind, die Einwanderungsgegner anprangern müssten. Es hört ja nicht auf, vor allem in Deutschland, aber eigentlich in ganz Europa – ich las soeben von Problemen mit Muslimen an der TU Dortmund… Auch die Verdrossenheit gegenüber der gleich geschalteten Politik und Medien, die, trotz massiven Einsprüchen, die sich über die Meinung der überwältigenden Mehrheit einfach hinweg setzt. Und wieso so aggressiv den Einwanderungskritikern gegenüber treten? Wieso sollten wir aus unseren Löchern “kriechen”? Wir sagen offen was wir denken – oft wird dies nicht veröffentlicht, bzw. unterdrückt, oder es ist Ihnen ein Dorn im Auge. Tolles Beispiel von Demokratie, die Sie doch angeblich so hoch “achten”! Befürworter erhalten de facto die Unterstützung der Medien und der Politik. Gegner, trotz der Tatsache, dass sie die überwältigende Mehrheit bilden, haben hingegen nur ihre Stimme. So funktioniert Demokratie heute.

  4. Jean-Pierre DRESCHER

    Die Polizeipresse der No-Go-Area Köln meldet nur für Donnerstag schon 20 Frauenvergewaltigungen und elf halbtotgeschlagene Deutsche Polizisten.

  5. Dieter Leonard

    Herr Nitzschke, ich sprach von denjenigen, die es immer schon gewusst haben. Dass sie sich davon angesprochen fühlen ist ihr Problem, nicht meins.
    Aber es stimmt, als ich die Bilder nach den verheerenden Angriffen gestern aus Aleppo sah und die weiteren Zehntausenden, die sich mit ein wenig Hab und Gut auf dem Rücken und ihren Kindern unterm Arm auf den Weg Richtung türkische Grenze machen, wurde ich immer wütender. Wut auf Assad, Wut auf die Russen, Wut auf den IS,… aber auch auf diejenigen, die diesen Menschen unterstellen, doch nur unsere Sozialsyteme missbrauchen zu wollen. Als gäbe es die Fluchtursachen nicht. Ich könnte k…tzen.

  6. Angela Kerstges

    Antwort auf Herrn Dieter Leonard’s Meinung. Herr Leonard, wie stehen Sie denn dazu, dass nicht wenige dieser „armen“ Menschen etliche unterschiedliche Nationalitäts-Beweise bei sich führten?
    Auch ich befürworte helfen, wenn Menschen wirklich in Not sind, jedoch nur wenn diese ehrlich sind;

  7. Mario Meis

    Genau, Frau Kerstges!
    Aber ist das das Thema des Kommentars?
    Die Frage ist doch, ob wir erfahren, welcher Nationalität der junge Mann ist!

  8. Jens Nitzschke (Blankenheim)

    Herr Leonard, was in Syrien und im Irak geschieht ist grausam. Ich verstehe nicht – ich weiß aber wofür – nicht richtig aufgeräumt wird-wurde. Es werden Hunderte, Tausende Milliarden von den „Großmächten“ fürs Militär ausgegeben, und man kann – will – den I.S. nicht stoppen… Da könnte ich ko… Mehr noch wegen des Doppel-, nein, drei- und vierfachen Spiels der Türkei. Dennoch, weshalb die Syrer und Iraker HIER aufnehmen? Ja, wir leben im Luxus, im Vergleich zu vielen anderen Menschen. Aber wir werden die Probleme dort nicht lösen, indem wir die Tore HIER öffnen. Denn hier ballen sich auch immer mehr Probleme seit längerem an, zwar zunächst unabhängig von den Asylanten. Aber diese bringen viele neuen Probleme mit sich; einige (die Mehrheit?) sogar existenzielle Gefahren für uns. Dagegen wehren sich die meisten, hier. Und das hat nichts mit Braun zu tun! Wir vertreiben sie nicht, wir wollen sie nur nicht.

  9. Dieter Leonard

    Vielleicht können wir uns etwas annähern.
    Es geht nicht darum, alle Flüchtlinge hier aufzunehmen, sondern ihnen angesichts der katastrophalen Situation in ihrer Heimat eine Zuflucht und Schutz zu bieten. Dies darf niemand bestreiten, wenn er sich auf dem Fundament universeller Menschenrechte bewegt. Hierzu gibt es zudem verfassungsmäßige nationale, europäische und internationale gesetzliche Grundlagen.
    Dies kann angesichts der aktuellen Flüchtlingszahlen allein aus Syrien nur in einem solidarischen gesamteuropäischen Kontext erfolgreich gestaltet werden. (Ich wiederhole mich). Deutschland allein wird dies nicht schaffen.
    Selbst 5 Millionen syrische Flüchtlinge würden jedoch nur 1% der gesamteuropäischen Bevölkerung darstellen. Zur Zeit sind es nicht mal 0,2 %.
    Sollte sich die Situation vor Ort bessern und die Menschen dort mittelfristig wieder eine Lebensperspektive finden, muss auch eine Rückkehr dieser Menschen – insofern zumutbar – möglich sein. Auch die bisherigen Gesetzgebungen sehen dies für die Menschen, die einen subsidiären Schutz genießen vor.
    Worüber streiten wir also ?

  10. Jens Nitzschke (Blankenheim)

    Werter Herr Leonard,
    Eine Parabel, zum Abschluß: Selbst wenn man eine Aspirin-Tablette in einem großen olympischen Schwimmbecken (50m x 20m – wie Sie in Eupen haben) verdünnt, kann dieses Aspirin bei Analysen noch festgestellt werden; nicht weil das Wasser „böse“ ist, nein, weil es einfach „auffällt“, weil es nicht passt.

  11. Dieter Leonard

    Sorry, aber wenn sie dies ernst meinen Herr Nitzschke outen sie sich letztlich als Fremdenfeind.
    Denn auch die Juden in Deutschland passten irgendwann nicht mehr, die Schwarzen in Südafrika, …

    „Rassismus entspringt einer Denkweise, wodurch «sie» sich von «uns» dauerhaft unterscheiden, ohne dass es die Möglichkeit gäbe, die Unterschiede zu überbrücken. Dieses Gefühl der Differenz liefert ein Motiv beziehungsweise eine Rechtfertigung dafür, dass «wir» unseren Machtvorteil einsetzen, um den ethnorassisch Anderen auf eine Weise zu behandeln, die wir als grausam oder ungerecht ansehen würden, wenn Mitglieder unserer eigenen Gruppe davon betroffen wären“ (George M. Fredrickson).

  12. Jens Nitzschke (Blankenheim)

    „Fremdenfeinlichkeit“ heißt auch, wie neulich oft richtig in Kommentaren steht, daß die Fremden den Hiesigen gegenüber feindlich eingestellt sind. Und jetzt leugnen und relativieren Sie wieder alles. Und holen die braune Keule wieder raus, und vergleichen mit 1933, der Apartheid, usw. Anstatt idealistisch die Fremden zu respektieren, sollten die Meinung Ihrer eigenen Mitbürgern, deren überwältigenden Mehrheit gegen die zur Zeit stattfindenden Masseneinwanderung ist. Das wäre wirklich der erste Schritt, in Sachen Respekt. Und wieso will jetzt diese absolute Mehrheit nicht? Weil sie feststellt, daß die Fremden sich an nichts halten – welch eine Verschönerung. Respekt für die Einstellung Ihrer eigenen Landsleute wäre endlich geboten!

  13. Angela Kerstges

    Stimme Herrn Nitsches Meinung (11.36 h) zu, dass Fremde, die hiesige Meinung nicht oder nur teils respektieren! Unter „Fremde“ klassiere ich überwiegend Muslime.

  14. Dieter Leonard

    Bei den Reichtagswahlen 1933 erhielt die NSDAP 43,9 Prozent der Stimmen und war die mit Abstand stärkste Partei. Soviel zum Thema Mehrheiten.
    Geschichte wiederholt sich und dann wird es wieder heißen:
    Wir haben davon nichts gewusst.
    Mein Thema ist nicht Einwanderung sondern Asylrecht. Aber das wollen sie scheinbar nicht verstehen. Schlusspunkt.

  15. BRF Redaktion

    Die Kommentare haben sich vom ursprünglichen Thema entfernt. Wir schließen die Diskussion.