Skandal in Tihange: „Nonchalance“ in Sachen Sicherheit – Fank erstattet Anzeige

Vier Mitarbeiter des AKW Tihange sind auf Entscheidung der Atomaufsichtsbehörde vom Dienst suspendiert worden. Zudem erstattete die Behörde bei der Staatsanwaltschaft von Huy Anzeige wegen mangelnder Sorgfalt. Die Betreibergesellschaft Electrabel räumt Versäumnisse ein.

Kernkraftwerk Tihange

Die Atomaufsichtsbehörde „Fank“ hat vier Mitarbeiter der Atomzentrale von Tihange vom Dienst suspendiert. Die betroffenen Techniker und Ingenieure waren unter anderem für den Kontrollraum des Reaktors verantwortlich.

Zudem erstattete die Behörde bei der Staatsanwaltschaft von Huy Anzeige wegen mangelnder Sorgfalt der Electrabel-Mitarbeiter in Tihange. Das gesamte Personal des Atomreaktors muss zudem eine zusätzliche Sicherheitsausbildung absolvieren.

Die Atomaufsichtsbehörde reagiert mit diesen drastischen Maßnahmen auf eine Serie von Pannen, die sich in den letzten sechs Wochen ereignet haben soll. Dabei handelt es sich um fünf bis zehn Zwischenfälle. Viele dieser Pannen seien vermeidbar gewesen, so die Fank. Es habe sich zwar nicht um gravierende Fehler gehandelt, die einen Reaktorunfall hätten auslösen können, jedoch habe man eine gewisse „Nonchalance“ festgestellt. Auch bei gewissen Tests, die die Fank regelmäßig durchführt, hätten die Mitarbeiter nicht richtig reagiert.

Zum ersten Mal erstattet die Fank Anzeige gegen eine Atomzentrale aufgrund schlampiger Arbeit. Electrabel und der Zentrale von Tihange wurde nun ein Maßnahmenpaket auferlegt. Sollte dieses nicht umgesetzt werden und sich die Sicherheit nicht bessern, schließt die Fank eine Stilllegung des Atomreaktors von Tihange nicht aus.

Electrabel gelobt Besserung

Die Betreibergesellschaft Electrabel räumte Versäumnisse ein. Man sei sich der Pannenserie bewusst, jeder Zwischenfall sei jedoch ordnungsgemäß gemeldet worden, sagte der Sprecher der Atomzentrale von Tihange, Serge Dauby. Zu keinem Zeitpunkt habe jedoch eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden. Man werde das Maßnahmenpaket der Atomaufsichtsbehörde für mehr Sicherheit umsetzen, hieß es.

belga/dop - Bild: Ricardo Smit/BELGA