Kleine belgische Delegation in Sotschi

Am Freitag fällt der Startschuss für die Olympischen Winterspiele in Sotchi. Im Fokus standen bisher die Menschenrechtslage in Russland und der Faktor "Sicherheit". Das Belgische Olympische Komitee will nun den sportlichen Aspekt in den Vordergrund rücken.

Belgische Sportler in Sotschi (belga)

Am Freitagnachmittag um 17.14 ist es soweit. Dann wird das Olympische Feuer in Sotschi offiziell entzündet. Dann beginnen offiziell die 22. Olympischen Winterspiele.

Und es sind äußerst umstrittene Spiele, wie man weiß. Es sind die teuersten aller Zeiten. Die Kosten sind sogar höher als bei den Sommerspielen 2008 in Peking. Sotschi kostet 50 Milliarden Dollar, 37 Milliarden Euro, eine pharaonische Summe. Der Preis für die Umwelt ist ähnlich spektakulär. In Sotschi und Umgebung musste alles aus dem Boden gestampft werden. Als Skigebiet hatte sich der Badeort am Schwarzen Meer bislang nicht hervorgetan. Sotschi liegt in einer subtropischen Klimazone. Und die Russen haben bei Bau der nötigen Infrastruktur nicht lange gefackelt.

Es sind zudem sehr politische Spiele. Einerseits ist es quasi das persönliche Vorzeigeprojekt des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Auf der anderen Seite haben aber Menschenrechtsorganisationen die Spiele genutzt, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Im Mittelpunkt der Kritik standen in letzter Zeit vor allem die homophoben Gesetze in Russland. Deswegen wird die Eröffnungsfeier sogar von einigen internationalen Staats- und Regierungschefs unausgesprochen boykottiert.

Jetzt sollten wir aber mal die eigentlichen Spiele in den Vordergrund stellen, meint Pierre-Olivier Beckers, der Präsident des Belgischen Olympischen und Interföderalen Komitees. Dass es im Vorfeld von Olympischen Spielen immer wieder Polemik gibt, ist ja nichts Neues, sagt Beckers in der RTBF. Jetzt sollten wir aber endlich auch mal über Sport reden.

Es ist nicht verwunderlich, dass ein Sportfunktionär so redet. Pierre-Olivier Beckers vertritt Belgien auch im Internationalen Olympischen Komitee, das die Spiele ausrichtet. Es sei die Aufgabe des IOC, Olympische Spiele zu veranstalten, die die Menschen zum Träumen bringen, die große Emotionen wecken. Und Sotschi verfüge da über alle nötigen Zutaten, so Beckers.

Die Menschen zu begeistern, dafür waren gerade Winterspiele in Belgien bislang nicht unbedingt bekannt. Belgien ist nun mal kein Wintersportland. Diesmal setzen aber auch die großen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten VRT und RTBF ganz und gar auf die Winterspiele. Das sollte dazu führen, dass das Interesse auch in Belgien weiter wächst, meint BOIK-Präsident Pierre-Olivier Beckers.

Belgische Medaillen-Hoffnung

Aber nicht nur das wachsende Medieninteresse soll die Begeisterung für die Winterspiele wecken. Es gibt ja auch, wie Pierre-Olivier Beckers anmerkt, eine Reihe von belgischen Teilnehmern, die in Sotschi mit um die Medaillen kämpfen werden. Es sind sieben an der Zahl. Das sei zwar nicht wirklich eine große Delegation, dafür sei das Niveau aber sehr überzeugend, sagt Beckers. Belgien könne in einigen Disziplinen auch auf gute Ergebnisse hoffen.

Er nennt vor allem drei Disziplinen, bei denen sich Belgien Hoffnungen machen kann. Im Eisschnelllauf ruhen sämtliche Erwartungen auf Bart Swings. Im vergangenen Jahr ergatterte Swings in seiner Disziplin schon eine WM-Medaille.

Dann Snowboard: Sebastien „Seppe“ Smits hat bei internationalen Wettkämpfen schon eine ganze Reihe von Medaillen errungen. In Sotschi konnte er sich im Snowboardfahren aber zunächst nicht fürs Finale qualifizieren. Er hat aber noch die Chance, über das Halbfinale sein Ticket zu lösen.

Drittens: Bobfahren der Frauen. Im Zweierbob könnten Elfje Willemsen und Hanna Mariën für eine Überraschung sorgen. Die beiden haben gerade in den letzten Wochen für das eine oder andere Achtungsergebnis gesorgt.

Die Namen mögen schon darauf hindeuten,  die belgische Delegation besteht ausschließlich aus flämischen Athleten. Das ist paradox, räumt auch Pierre-Olivier ein.

Bild: Kristof Lenaerts (belga)

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