Immer dann, wenn der König Politiker zu Gesprächen einlädt, wird es schwierig für die Medien. Sowohl der Palast selbst als auch die eingeladenen Politiker hüllen gerne den Mantel des Schweigens über das, was in solchen Gesprächen geäußert wird.
Der Dienstag machte da keine Ausnahme. Vom Palast gab es nach den Treffen lediglich zwei Nachrichten. Zunächst die, dass der König sich mit dem Vorsitzenden von Les Engagés, Yvan Verougstraete, getroffen hatte. Dann eine Stunde später die gleiche Nachricht zum Treffen des Königs mit Sami Mahdi, Parteichef der flämischen Christdemokraten der CD&V. Doch was der König mit den beiden Politikern besprochen hatte – dazu kein Wort vom Palast.
Auch die beiden Politiker selbst hielten sich bedeckt. Und trotzdem war es natürlich interessant zu hören, was sie zur aktuellen Krise zu sagen haben. Oder zumindest den Medienvertretern sagen wollten. Verougstraete gab sich gefasst und zuversichtlich: "Ziel muss es sein, ruhig zu bleiben und gemeinsam Lösungen zu finden", sagte er mit Blick auf die Schwierigkeiten bei den Haushaltsverhandlungen. "Wir müssen Lösungen finden, das ist unsere Verantwortung. Dafür werden wir bezahlt, dafür sind wir gewählt worden, und das werden wir in den kommenden Tagen machen. Wir werden das Spiel bis zur letzten Sekunde spielen."
Ein Journalist wollte von Verougstraete wissen, was er von dem Angebot der flämischen Liberalen von Anders halte, mit den acht Abgeordneten von Anders einen deutlich rechts-liberalen Haushalt durch die Kammer zu bringen – und damit den Widerstand der flämischen Sozialisten von Vooruit in der Regierung zu brechen. "Diese Zwischenrufe von der Seite helfen nicht wirklich weiter", antwortete der Les Engagés-Chef. "Wir haben eine Mannschaft, einen Trainer, und es ist mit dieser Mannschaft und diesem Trainer, mit denen wir in den kommenden Tagen auf jeden Fall eine Lösung finden müssen." Also, eine Art Treueschwur von Les Engagés zur aktuellen Regierungskoalition.

Und bei der CD&V? Da schlug Parteivorsitzender Sami Mahdi einen hörbar härteren Ton an. "Ja, ich bin wütend", sagte er aufgebracht, "weil ich glaube, dass einige Menschen, einige Parteien nicht verstehen, was die Stunde geschlagen hat. Dass jetzt etwas passieren muss und wir es uns nicht erlauben können, wochenlang politische Spielchen zu spielen."
Die Situation sei nämlich ernst. Wenn das Land jetzt nicht seine Schulden in den Griff bekäme, würden griechische Verhältnisse drohen. Die Finanzlast durch die Märkte müssten durch drastische Maßnahmen aufgefangen werden. Löhne und Renten würden sinken, Steuern würden raufgehen – und dann könne man nicht mehr in die Politshows des Landes gehen und dort verkünden, dass man gegen dies und das sei, gleichzeitig aber alles Mögliche fordere.
Dass er mit seiner Kritik vor allem auf Vooruit und die MR ziele, gab Mahdi ohne Umschweife zu. "Ja, ich glaube, dass beide Parteien sich mal im Spiegel betrachten und aufhören sollten, mit Wahlkampfslogans um sich zu werfen. Denn die Wahlen sind vorbei. Die Wähler haben uns einen Auftrag gegeben, und die Wähler erwarten von uns, dass wir diese Verantwortung jetzt auch wahrnehmen und tun, was getan werden muss."
Kay Wagner