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"Rail Maniac": Infrabel startet neue Sensibilisierungskampagne für Blinde und Sehbehinderte

06.10.202609:23
  • Infrabel
Stapel des Kartenspiels "Rail Maniac"
"Rail Maniac" (Bild: Timon Ramboer/Belga)

Für Menschen mit einer Beeinträchtigung ist Zugfahren oft eine Herausforderung und mitunter sogar gefährlich. Der Schienennetzbetreiber Infrabel versucht dem durch die Anpassung der Infrastruktur und durch eine neue Sensibilisierungskampagne Rechnung zu tragen.

Menschen, die gar nicht oder nur sehr schlecht sehen können, sind viel stärker auf ihre anderen Sinne angewiesen, um sich zurechtzufinden. Unter anderem auf ihr Gehör. In einem Zug oder am Bahnhof sind die Personen jedoch mit vielen verschiedenen Eindrücken und Geräuschen konfrontiert. Während es sicher nicht an Lärm mangele, heiße das aber noch lange nicht, dass Blinde und Sehbehinderte deswegen alle benötigten Informationen in hörbarer Form bekämen, so Jean-Michel Bertinchamps von der gemeinnützigen Organisation "Les Amis des Aveugles". Er ist selbst betroffen. In den Bahnhöfen seien viele Informationen noch immer nur visuell verfügbar. Das mache Bahnfahren für Blinde und Sehbehinderte sehr anstrengend und stressig, weil sie oft nicht wüssten, was sie erwarte. Das sei ein Problem in puncto Inklusion.

Das unterstreicht auch Florence Lobert, die Generaldirektorin des Königlichen Instituts für Taube und Blinde (IRSA) in Brüssel. Personen mit Sehbehinderung müssten den Zug nehmen können wie alle anderen Menschen auch. Dazu gehöre natürlich einerseits eine entsprechend angepasste Infrastruktur. Andererseits müssten die Betroffenen spezifisch sensibilisiert werden. Vor allem, was die Gefahren und sicheres Verhalten in Bahnhöfen und in der Nähe von Schienen allgemein angehe. Das Ziel müsse größtmögliche Autonomie für Blinde und Sehbehinderte sein, wenn sie den Zug nähmen.

An dieser Stelle kommt die neue Sensibilisierungskampagne von Infrabel ins Spiel, die vor allem an Heranwachsende gerichtet ist. Wobei "Spiel" im wörtlichen Sinn zu verstehen ist: Auch wenn hinter der Kampagne ein ernstes Thema steckt, die Vermittlung potenziell überlebenswichtiger Informationen und Verhaltensmuster soll auch Spaß machen. In diesem Fall durch das kartenbasierte Quizspiel "Rail Maniac" ("Schienen-Verrückter") bei dem die Spieler in Teams gegeneinander antreten und um Punkte kämpfen. Neben wichtigen Regeln, die für alle gelten, vermittelt das Spiel auch Aspekte, die vor allem Blinde und Sehbehinderte betreffen. Eine Quizfrage behandelt beispielsweise, warum sich Sehbeeinträchtigte beim Überqueren eines Bahnübergangs auf gar keinen Fall ausschließlich auf die hörbaren Warnmechanismen verlassen dürfen. Längst nicht alle Menschen sind sich nämlich bewusst, dass die Warntöne nur beim Senken der Schranke erklingen, aber nicht, während die Schranke unten ist. Wissen, das den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten kann.

Trotzdem sollte sich diese Sensibilisierungskampagne nicht ausschließlich an Menschen mit Behinderungen richten, wie Jean-Michel Bertinchamps hervorhebt. Seiner Meinung nach sollten "Rail Maniac" und Co. auch ruhig in gewöhnlichen Schulen zum Einsatz kommen. Zum einen schade es nie, wenn alle die Regeln verinnerlichten. Zum anderen könne das vielleicht auch dazu beitragen, nicht-behinderte Personen besser für die Probleme von Menschen mit Behinderungen zu sensibilisieren - auch in Zügen und an Bahnhöfen. So könnten sie auch eher Hilfe anbieten, falls das einmal nötig sein sollte.

Infrabel stellt "Rail Maniac" und die kompletten pädagogischen Pakete für Blinde und Sehbehinderte sowie für Taube und Hörbehinderte auf Französisch und Niederländisch kostenlos auf seiner Internetseite zur Verfügung.

Boris Schmidt

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