Bezahlbarer Wohnraum ist für viele junge Menschen schwer zu finden - besonders für jene, die zusätzlich mit psychischen Belastungen oder schwierigen Lebensumständen konfrontiert sind. Ein neues Projekt in Eupen setzt genau hier an: Die VoG "Soziale Integration und Alltagshilfe" (S.I.A.) eröffnete in der Gülcherstraße zwei Trainingswohnungen, in denen junge Erwachsene zwischen 17 und 30 Jahren auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben begleitet werden.
Die Wohnungen verfügen jeweils über Küche, Bad, Wohn- und Schlafraum. Keller und Garten können gemeinschaftlich genutzt werden. Seit April wohnen dort bereits zwei junge Menschen, obwohl die Fassade des Gebäudes noch saniert wird."Es sind junge Menschen bis 30 Jahre. Manchmal haben sie die Schule abgebrochen, können zu Hause nicht mehr leben, haben Migrationshintergrund - oder auch nicht. Manche hatten bereits Schwierigkeiten mit der Justiz. Die mentale Gesundheit ist auch ein sehr großes Thema", erklärt Nicole Kohnen, Koordinatorin und Psychologin der VoG S.I.A.
Die Teilnehmer tragen ihre Wohnkosten selbst - ein wichtiger Schritt zur Verselbstständigung. Der Mietvertrag läuft zunächst über sechs Monate. In dieser Zeit werden gemeinsam mit der VoG S.I.A. Lösungen für alle Lebensbereiche erarbeitet. Ein zentrales Ziel ist der Start einer Ausbildung oder die Integration in den Arbeitsmarkt."Nach sechs Monaten ziehen wir eine Bilanz. Manchmal sind Wünsche nicht realistisch, dann muss man umdisponieren. Im Prinzip sollte der Aufenthalt nur ein Jahr dauern", so Kohnen. In manchen Fällen sei ein Jahr aber auch zu kurz für die komplexen Problemlagen.
Möglich wurde das Projekt durch eine Partnerschaft mit der öffentlichen Wohnungsbaugesellschaft Ostbelgien (ÖWOB). "Wir bündeln unsere Kompetenzen: Die Stärke der VoG S.I.A. ist die Begleitung junger Menschen, unsere ist bezahlbaren Wohnraum zu schaffen", sagt Annabell Pommé, geschäftsführende Direktorin der ÖWOB.
Auch Sozialministerin Lydia Klinkenberg betont die Bedeutung solcher Initiativen: "Bezahlbarer Wohnraum wird in Zukunft noch notwendiger. Wir investieren gemeinsam mit der ÖWOB - 67 Millionen Euro wurden bereitgestellt, 30 Millionen sind bereits ausgezahlt." Das Projekt will auch zeigen, dass sozialer Wohnungsbau und individuelle Betreuung Hand in Hand gehen können - und jungen Menschen in schwierigen Lebenslagen echte Perspektiven eröffnet werden.
Manuel Zimmermann