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Mord oder Totschlag als zentrale Frage im Ullens-Prozess

24.09.202612:18
  • Wallonisch-Brabant
Nicolas Ullens de Schooten
Nicolas Ullens de Schooten vor Prozessbeginn am 24. September 2026 (Bild: Eric Lalmand/Belga)

Vor einem Geschworenengericht in Nivelles hat der Prozess gegen den 61-jährigen Nicolas Ullens begonnen. Im März 2023 hatte er seine Stiefmutter mit sechs Schüssen aus einer Pistole getötet. Zentral im Prozess wird die Frage sein, ob es sich bei der Tat um Mord oder Totschlag handelt.

Der Unterschied zwischen Mord und Totschlag ist vor allem wichtig für das Strafmaß. Für einen Mord gibt es in der Regel lebenslängliche Haft. Für Totschlag "nur" zwischen 20 und 30 Jahren Gefängnis. Aber diese Strafen können reduziert werden unter bestimmten Umständen.

Für einen Mord müsste das Gericht Nicolas Ullens nachweisen, dass er seine Tat vom 29. März 2023 von langer Hand geplant und auch die Möglichkeit hatte, darüber nachzudenken, bevor er sie letztlich ausführte. Beim Totschlag wäre die Tat eher eine spontane Reaktion, die nicht geplant gewesen war.

Außer Frage steht bei der Suche nach der Antwort die Tatsache, dass Nicolas die tödlichen Schüsse abgegeben hat. Kurz nach der Tat hatte er sich damals selbst der Polizei gestellt. Laut seiner Version, die bereits in Medien zirkuliert, sei die Tat mit Nichten geplant gewesen. Vielmehr habe er aus Emotionen heraus gehandelt habe, die in ihm als Folge eines Gesprächs mit seinem Vater, das schlecht verlaufen sei, entstanden seien. Ab einem gewissen Moment habe er "rot" gesehen und dann geschossen.

Eine Rolle wird bei allem auch die Vorgeschichte und die familiäre Situation der Ullens gespielt haben, bei der Nicolas Vater, Baron Guy Ullens de Schooten, eine entscheidende Rolle spielt. Er galt zur Zeit der Tat als einer der reichsten Männer der Wallonie mit einem geschätzten Vermögen von etwa drei Milliarden Euro.

Zweimal war er verheiratet. Vier Kinder, darunter auch Nicolas, hatte Guy aus seiner ersten Ehe. Die zweite Ehe ging er mit Myriam Lechien ein, mit der seit Beginn der 1990er Jahr schon eine außereheliche Beziehung gepflegt hatte. Mimi, wie Myriam auch genannt wurde, brachte zwei eigene Kinder in die Ehe mit.

Und dann passierte der Klassiker: Guy entfremdete sich nach und nach von seinen ersten vier Kindern. Die warfen ihrem Vater vor, sie zu vernachlässigen zu Gunsten von Mimi und ihren Kindern.

An dem Tag der Tat soll Nicolas seinen Vater um ein Geldgeschenk für die Familie seines eigenen Sohnes gebeten haben. Das habe Guy abgelehnt. Woraufhin Nicolas wütend das Haus verlassen habe. Vor dem Anwesen seines Vaters in Lasne südlich von Brüssel wartete er dann im Auto auf seinen Vater und Mimi, die zu einem Termin fahren wollten. Als das Auto erschien, rammte Nicolas das Auto seines Vaters, stieg aus und schoss Pistole sechs Mal auf Mimi. Sie war sofort tot.

Der Prozess ist auf die Dauer von zwei Wochen angelegt. 118 Zeugen sollen befragt werden. Die Anklageschrift umfasst 156 Seiten.
Wann genau das Urteil verkündet werden soll, steht noch nicht fest.

Kay Wagner

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