Belgien wird im kommenden Jahr am Eurovision Song Contest in Bulgarien teilnehmen. Das hat die Sendeleitung des flämischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks VRT bekanntgegeben und auch der Europäischen Rundfunkunion (EBU) offiziell mitgeteilt.
Israels Teilnahme an dem Wettbewerb ist wegen des Gazakriegs höchst umstritten, verschiedene Länder nehmen deshalb nicht mehr am ESC teil.
Auch für die VRT hatte lange ein Boykott des Eurovision Song Contest als Möglichkeit im Raum gestanden. Die VRT hatte deswegen von der EBU Veränderungen gefordert, um dem heutigen geopolitischen Kontext gerechter zu werden.
Es habe monatelange diesbezügliche Gespräche mit der EBU und den anderen Rundfunkanstalten gegeben, sagte nun VRT-Geschäftsführer Frederik Delaplace. Es gebe zwar noch viel zu tun, aber die VRT sei überzeugt, mehr erreichen zu können, wenn sie mitmache, als wenn sie das nicht tue.
Man werde weiter sehr kritisch berichten, etwa über die Vorgänge in Gaza und die dortige unverhältnismäßige Gewalt, so Delaplace, das sei die Aufgabe des Rundfunks. Es sei aber auch die Aufgabe der öffentlichen Rundfunkanstalten, zu versuchen, Verbindungen zwischen den Völkern zu schaffen. Auch durch etwas so Kleines wie einen Musikwettbewerb.
Die sozialistische Gewerkschaft hat derweil mitgeteilt, dass sie die Ausstrahlung des ESC verhindern will. Die christliche Gewerkschaft will nicht so weit gehen, bedauert die Entscheidung der VRT aber.
Die VRT habe die Chance verpasst, ein Statement abzugeben, so die Kritik von Vooruit. Die VRT mache sich durch die Teilnahme des kulturellen Reinwaschens von Völkermord schuldig, prangert Groen an. Anders bezeichnet die Haltung der VRT als scheinheilig. Israel gegenüber seien deutliche Signale nötig, aber wenn es hart auf hart komme, liefere der Rundfunk nicht.
Boris Schmidt