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Elia beginnt mit Bau der umstrittenen Hochspannungsleitung Ventilus

14.09.202615:3314.09.2026 - 16:55
  • Westflandern
Bauarbeiter mit Kranlader führen erste Arbeiten durch
Bild: Kurt Desplenter/Belga

Der Stromnetzbetreiber Elia hat am Montag mit dem Bau der Hochspannungsleitung Ventilus begonnen. Über eine insgesamt 82 Kilometer lange Leitung soll künftig Strom von Windkraftanlagen in der Nordsee auf das Festland gebracht werden. Das Projekt war von Anfang an umstritten - und bleibt es bis heute.

Ganze sieben Jahre nach der ersten Ankündigung von Ventilus ist in Westflandern an diesem Montag nun endlich mit den Bauarbeiten begonnen worden - beziehungsweise mit den Vorbereitungen dazu. Dass es so lange gedauert hat, liegt nicht am Stromnetzbetreiber Elia oder der flämischen Regierung. Beide hätten gerne früher mit dem Bau begonnen.

Ursprünglich hätte Ventilus schon im vergangenen Jahr Strom von Windkraftanlagen in der Nordsee nach Westflandern transportieren sollen: von Zeebrügge aus 82 Kilometer weit nach Süden bis nach Avelgem südöstlich von Kortrijk.

Mit der Hochspannungsleitung sollen vor allem drei Ziele erreicht werden, wie die Projektmanagerin von Elia, Valérie Daloze, in der VRT am Montag in Erinnerung rief: Die Energiesicherheit für das ganze Land sicherstellen, das Wirtschaftswachstum in Westflandern unterstützen und erneuerbare Energien nutzbar machen.

Wenn mit diesen Zielen eigentlich alle auch in Westflandern einverstanden sind, so hat sich trotzdem seit Beginn des Projekts Widerstand gegen Ventilus formiert. Bürger und Gemeinden in Westflandern möchten zum einen ihre Landschaft nicht durch Hochspannungsmasten und -leitungen verschandelt sehen. Aber noch schwerwiegender sind die gesundheitlichen Bedenken: Die magnetischen Strahlungen der Hochspannungsleitung stehen im Verdacht, unter anderem Krebs auszulösen - gerade bei Kindern.

Mehrmals wurde der Baubeginn von Ventilus deshalb hinausgezögert. Elia änderte Teile der Planung, verlegte überall, wo es laut Expertenmeinung möglich ist, die Leitungen unter die Erde und will Strom teilweise auch über bestehende Leitungen führen. Aber gut 20 Kilometer neue Leitungen müssen doch wohl überirdisch gebaut werden, meist parallel zur Autobahn E403.

Wegen der vielen Proteste war die umwelttechnische Genehmigung für den Bau von Ventilus erst dieses Jahr erfolgt. Grund genug für Elia, jetzt endlich mit den Arbeiten zu beginnen. "Jeder Tag, an dem wir den Baubeginn hinauszögern, ist ein Tag länger, an dem wir von fossilen Energien abhängig sind", sagt dazu Projektmanagerin Daloze. Und auch mit Blick auf die Preise für diese Energie habe Elia sich entschieden, mit dem Bau jetzt zu beginnen.

Ein klein bisschen gewagt bleibt diese Entscheidung. Bürgerbewegungen haben nämlich Klage gegen Ventilus beim Staatsrat eingereicht. Der will sich Donnerstag und Freitag mit dem Fall beschäftigen, aber wahrscheinlich noch nicht direkt sein Urteil verkünden. Allerdings hat sich im Vorfeld dieser Verhandlung der Auditor beim Staatsrat bereits dafür ausgesprochen, die Einwände der Bürger abzulehnen.

Gegen die Baugenehmigung haben Bürgermeister von betroffenen Gemeinden außerdem Klagen beim Verwaltungsgericht eingereicht. "Wir bedauern diesen Protest und verstehen auch die Sorgen", sagt dazu die Projektmanagerin von Elia. Und ergänzt: "Aber man muss auch wissen, dass wir mit dem Bau nicht beginnen, ohne vorher mit den Menschen gesprochen zu haben."

Tatsächlich bietet Elia Bürgern sogar an, deren Häuser zu kaufen oder ihnen teilweise Entschädigungen zu zahlen, wenn sie den Eindruck haben, durch die neue Stromtrasse in ihrer Lebensqualität eingeschränkt zu werden. Doch die Angebote von Elia reichen vielen Bürgern nicht aus. Mit Traktoren haben am Montag ein paar der Gegner die Bauvorbereitungen von Ventilus gestört.

Eine Kolonne von Traktoren blockiert einen Zufahrtsweg
Protestaktion gegen das Ventilus-Projekt in Zuienkerke in Westflandern (Bild: Kurt Desplenter/Belga)
Mit einem großen Banner auf einem Anhänger wollen Projektgegner auf die gesundheitlichen Gefahren aufmerksam machen
Bild: Kurt Desplenter/Belga

Kay Wagner

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