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Aufarbeitung des tödlichen Hitzesommers: Gesundheitsminister Vandenbroucke will bis nächsten Mai Aktionsplan haben

09.09.202618:0509.09.2026 - 18:19
  • Föderalregierung
Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke
Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke bei der Debatte in der Kammer am 20. November (Bild: Dirk Waem/Belga)

Der Sommer 2026 wird den Belgiern lange in Erinnerung bleiben: extreme Trockenheit, anhaltende Hitze und der verheerende Vennbrand. Doch vor allem war es ein tödlicher Sommer für Belgien: Fast 3.000 Menschen starben zusätzlich während der drei Hitzewellen. Ein neuer Aktionsplan soll verhindern, dass sich das wiederholt.

Dass die hitzebedingte Übersterblichkeit in diesem Sommer sehr hoch war, das ist natürlich längst bekannt. Neu ist allerdings, dass das Ausmaß der Tragödie auch die einschlägigen Experten offensichtlich komplett überrascht hat. Weil so zynisch es für Außenstehende vielleicht erstmal klingen mag: Gesundheits- und andere Experten entwickeln und nutzen Vorhersagemodelle, um abschätzen zu können, wie viele Menschen unter bestimmten Bedingungen vermutlich zusätzlich sterben werden. Auch bei Hitzewellen.

Die Modellierung gehe etwa von der Temperatur und den Ozonwerten aus und von persönlichen Faktoren wie Alter und Geschlecht, um zu berechnen, wie hoch die Übersterblichkeit in etwa sein werde, erläutert Koen Blot gegenüber der VRT. Er ist Epidemiologe beim Gesundheitsinstitut Sciensano. Dieses Modell habe insbesondere für die erste Hitzewelle schon eine hohe Zahl an zusätzlichen Todesopfern prognostiziert. Aber die tatsächliche Zahl sei noch einmal deutlich höher ausgefallen.

Die logische Schlussfolgerung: Es muss noch andere Risikofaktoren geben, die die Wissenschaftler bei ihren Modellen noch nicht oder noch nicht ausreichend berücksichtigt haben. Und deswegen in Zukunft berücksichtigen müssen. Zum Beispiel der Gesundheitszustand und entsprechende Versorgung, ob jemand Zugang zu einer Klimaanlage hat, ob jemand allein wohnt oder in einer sogenannten Hitzeinsel, also in einem Bereich, der sich besonders schlecht und langsam wieder abkühlt. Auch der Einfluss der sozioökomischen Situation soll in diesem Zusammenhang genauer unter die Lupe genommen werden.

Dabei geht es aber natürlich nicht nur darum, schon im Vorfeld genauer zu wissen, mit vielen Hitzetoten man nächstes Mal rechnen muss. Es geht vor allem auch darum, Risikogruppen zu ermitteln. Weil von der klassischen Vorstellung der Hitze-Risikogruppen muss man sich verabschieden, wie der föderale Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) sinngemäß gegenüber der RTBF sagt. Weil bekanntermaßen sind dieses Mal längst nicht nur alte Menschen gestorben, sondern auch viele jüngere.

Man müsse sich also wirklich besser auf kommende Hitzewellen vorbereiten. Und dazu gehöre eben auch, dass man besonders gefährdete Menschen schneller kontaktieren könne. Neben älteren Menschen also zum Beispiel auch Menschen, die Sport trieben, oder auch Eltern kleiner Kinder. Man müsse sich das ein bisschen wie bei der ersten Corona-Impfkampagne vorstellen.

Damals habe man gewusst, wer besonders gefährdet war und deshalb als erstes kontaktiert werden musste. Man habe alle dafür notwendigen Daten gehabt. Und so etwas müsse es für Hitzewellen eigentlich auch geben. Aber dazu müsse vor allem die Koordination der zuständigen Stellen vor Ort verbessert werden, sprich etwa von Hausärzten, Krankenkassen und lokalen Behörden.

Das ist aber nur ein Teil des interföderalen Aktionsplans, den Vandenbroucke bis Mai 2027 fertighaben will. Ein weiterer Teil ist ein ganzer Katalog von Empfehlungen der Risk Management Group für alle Ebenen des Landes und auch für diverse Sektoren. Lokale Behörden sollen beispielsweise deutlich mehr Orte bereitstellen, an denen die Bevölkerung bei großer Hitze Schatten und Abkühlung finden kann.

Das Gleiche gilt auch für Veranstalter von Events, die zum Beispiel außerdem auch noch mehr Trinkwasser vorsehen müssen und so weiter. Auch für den Gesundheitssektor gibt es Empfehlungen. Krankenhäuser etwa sollen die Möglichkeit bekommen, sich in entsprechenden Ausnahmesituationen personell zu verstärken oder nicht dringende Eingriffe zu verschieben.

Die Vorbereitung auf große Hitze betreffe wirklich alle, so der Gesundheitsminister, Verantwortungen müssten deutlich zugewiesen werden, es müsse konkrete Pläne geben und Drehbücher, die dann befolgt werden könnten.

Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft will die Erfahrungen mit dem Hitzesommer in ihre Infrastrukturförderung einfließen lassen. Das sagte Senioren- und Gesundheitsministerin Lydia Klinkenberg im PDG-Ausschuss. So sähen die Empfehlungen von Experten im Gesundheitsbereich unter anderem vor, bei Um- und Neubauten Hitzeschutzmaßnahmen als Zuschusskriterium festzulegen.

In einem Mehrjahresplan sollen auch Maßnahmen zur passiven Kühlung angegangen werden. Die Ministerin nannte als weiteres Vorhaben eine Karte mit kühlen Orten, die von besonders vulnerablen Menschen aufgesucht werden können. Das könnten Gebäude von öffentlichen Verwaltungen sein, aber auch Kultur-, Sport- und Schulinfrastrukturen sowie Dorf- und Seniorendorfhäuser.

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