Premierminister Bart De Wever meldete sich am Sonntag aus seinem Urlaub in Japan zum Brand im Hohen Venn. Auf dem Nachrichtendienst X würdigte er die Hilfe aller Freiwilligen, die "aus allen Teilen des Landes zusammengekommen sind, um die Flammen zu bekämpfen". De Wever bedankte sich auch bei den europäischen Partnern für ihre Hilfe und fügte auch noch hinzu: "Meine Gedanken sind bei allen Betroffenen."
Auch Verteidigungsminister Theo Francken hat sich schon zum Brand geäußert. Neben anerkennenden Worten für alle, die vor Ort gegen das Feuer kämpfen und die Hilfskräfte bei ihrem Einsatz unterstützen, gab er zwischen den Zeilen zu, dass das Feuer Belgien unvorbereitet getroffen habe. Als Konsequenz werde er bald in der Kammer einen Aktionsplan vorlegen, wie das Militär bei solchen Bränden eingesetzt werden soll.
Innenminister Bernard Quitin war am Sonntag selbst im Brandgebiet, gab Interviews auch an die internationale Presse und besprach sich in einer Krisensitzung mit den Gouverneuren der Provinzen. Über das Ergebnis dieser Gespräche ich noch nichts bekannt.
Am Montagvormittag allerdings herrschte zunächst Funkstille seitens der Föderalpolitik. Auch in den Morgensendungen von RTBF und VRT war kein Politiker zu hören, der sich zum Vennbrand äußern wollte. Die VRT hatte zwar beim föderalen Klimaminister Jean-Luc Crucke angefragt. Aber der möchte zurzeit keine Interviews geben. Die VRT solle sich dafür an Innenminister Quintin oder den wallonischen Ministerpräsidenten wenden, berichtet die Moderatorin von De Ochtend.
Diese lediglich spärlichen Reaktionen findet auch Politologe Dave Sinardet von Freien Universität Brüssel (VUB) bemerkenswert. Es sei zwar nicht so, dass niemand reagiert habe. Vor allem habe es Reaktionen der frankophonen Parteien gegeben, aber die Reaktionen aus Flandern und aus der Föderalpolitik seien doch sehr selten.
"Viele Politiker sind zwar auch im Urlaub, aber das hier ist doch schon eine nationale Katastrophe", sagte Sinardet wörtlich bei der VRT. "Das ist der größte Naturbrand in der belgischen Geschichte, der einen Großteil von unserem wertvollsten und einzigartigen Naturschutzgebiet zerstört. Da könnte man schon mehr politische Reaktionen erwarten."
Grund für die ausbleibenden Reaktionen sei möglicherweise die Unsicherheit der Parteien, wie genau sie auf diesen Brand reagieren sollte. Es sei auch an den bisherigen Reaktionen abzulesen, dass die Parteien noch nicht sicher seien, in welche Richtung sie kommunizieren sollen. Die Ursachen für den Brand und die daraus folgenden Konsequenzen, die politisch zu ziehen seien, würden nämlich zurzeit noch unterschiedlich bewertet.
Bei den frankophonen Grünen, aber auch Sozialisten und Les Engagés würde der Brand mit dem Klimawandel, dem heißen und trockenen Sommer in Verbindung gebracht. Kein Wort davon allerdings bei der bisherigen Mitteilung des MR-Vorsitzenden Georges-Louis Bouchez. Der sieht ein Fehlverhalten von Menschen als Ursache für den Brand.
Einigkeit herrscht allerdings in der Feststellung, dass Belgien ohne Hilfe aus dem Ausland nicht in der Lage gewesen wäre, den Brand allein in den Griff zu bekommen - und das hier sich in der Zukunft mit Sicherheit etwas ändern müsse.
Kay Wagner