Im Fokus steht dabei das Modell DS9 des französischen Herstellers Citroёn. Citroёn lässt seine DS9 komplett in China bauen. Der oberste Chef der Streitkräfte, General Frederik Vansina, der Boss des militärischen Nachrichtendienstes und der oberste Befehlshaber der Landstreitkräfte werden zum Beispiel mit Modellen dieses Autos gefahren. So schreibt es die Zeitung Het Laatste Nieuws, die am Dienstag über den Spionageverdacht in chinesischen Autos berichtet.
Die Spionage soll über die Computer- und Chiptechnik möglich sein, die in den Autos verbaut sind. Insassen der Autos seien darüber zu orten, Gespräche von ihnen mitzuhören und die Daten aus Smartphones und Computer bei entsprechender Verbindung zur Autotechnik auszulesen.
Chinesen für raffinierte Methoden bekannt
Aus der Luft gegriffen scheinen diese Verdächtigungen nicht. Zum einen sind die chinesischen Spionagedienste bekannt für ihre raffinierten Methoden, über moderne Computer- und Chiptechnologien an Informationen von Nutzern zu kommen.
Zum anderen hat der Sicherheitsdienst des Militärs vor der ersten Nutzung der DS9 die Autos tatsächlich auch gründlich untersucht, ob mögliche Spionagetechnik zu finden wäre. Das hat Verteidigungsminister Theo Francken (N-VA) auf eine schriftliche Anfrage des Kammerabgeordneten Axel Weydts (Vooruit) in der Kammer geantwortet. Was bei der Suche gefunden wurde, will der Sicherheitsdienst laut Het Laatste Nieuws nicht kommunizieren.
Ähnliche Verdachtsfälle im Ausland
Schließlich gibt es ähnliche Spionage-Verdachtsfälle mit chinesischen Autos beim Militär aus dem europäischen Ausland. In Großbritannien haben die Streitkräfte letztes Jahr laut der flämischen Zeitung 165 Autos der chinesischen Marke BYD, die vom Militär geleast sind, die Zufahrt auf militärisches Gelände verboten - aus Angst vor Spionage.
Gleiches ist auch in Polen passiert. Auch dort haben chinesische Autos kein Zufahrtsrecht mehr auf Militärgelände.
Anschaffungskriterien sollten sich ändern
Auch aufgrund dieser Erfahrungen in anderen Ländern rät Kenneth Lasoen, Professor für Nachrichten- und Geheimdienste an der Universität Antwerpen, für das belgische Militär keine Autos mehr anzuschaffen oder zu leasen, die in China gebaut wurden. Bei den Ausschreibungen, an die sich das Militär beim Kauf oder dem Abschluss neuer Leasingverträge halten muss, dürfe nicht nur der Preis ein Kriterium sein, sondern müssten auch Sicherheitsanforderungen berücksichtigt werden.
Verteidigungsminister Theo Francken scheint solchen Überlegungen nicht abgeneigt. Er sagte der Zeitung Het Laatste Nieuws, wenn es nur nach ihm ginge, würden die belgischen Streitkräfte in Zukunft keine chinesischen Autos mehr kaufen.
Kay Wagner