Von außen weist nichts darauf hin, was sich im Inneren des weitläufigen Lagerraums auf einem unscheinbaren Gelände des Gewerbegebiets von Monceau-sur-Sambre im Westen von Charleroi befindet. Eine wahre "Stadt in der Stadt", wie einige Ermittler den Fund gegenüber Journalisten beschrieben. Und tatsächlich ist in dem Lager alles zu finden, was man grundsätzlich für ein Leben braucht: Betten, Waschgelegenheiten, eine Küche. Licht und eine komplette Fabrik, um Zigaretten von A bis Z vor Ort herzustellen.
"Es gibt hier wirklich alles, um Zigaretten zu produzieren und zu verkaufen. Eine Maschine, um den Tabak zu trocknen. Eine Maschine, um die Zigaretten herzustellen und eine weitere Maschine, um die Zigaretten zu verpacken", erklärt Kristian Vanderwaeren, Generaldirektor der Zollbehörde, bei der RTBF.
Wie die Ermittler die Fabrik genau gefunden haben wurde nicht kommuniziert. Am Lärm, den die Fabrik gemacht haben könnte, kann es nicht gelegen haben. Denn die Betrüger haben gute Arbeit geleistet. Die Halle ist so gut isoliert und durch eine zusätzliche Mauer verstärkt, dass draußen nichts von dem Produktionslärm in der Halle zu hören ist.
Anhand der Betten, die in der "Stadt in der Stadt" gefunden wurden, gehen die Ermittler davon aus, dass mindestens 42 Menschen hier gearbeitet und gelebt haben. Menschen aus Vietnam, von denen aber Donnerstagvormittag, als die Zollmitarbeiter aufgetaucht waren, niemand anwesend war. "Das ist eine sehr große Fabrik", ordnet Vanderwaeren den Fund ein.
Die Fabrik in Charleroi ist mittlerweile die elfte illegale Produktionsstätte von Zigaretten, die dieses Jahr schon vom Zoll ausgehoben worden ist. Vergangenes Jahr waren es neun, vor zwei Jahren zwölf gewesen. Elf in diesem Jahr bereits im August - Vanderwaeren glaubt, dass dieses Jahr ein besonders guter Jahrgang für seine Mitarbeiter im Kampf gegen die illegale Zigarettenproduktion werden wird.
Über 180 Millionen illegal hergestellter Zigaretten habe der Zoll in diesem Jahr schon sichergestellt. Vergangenes Jahr waren es insgesamt rund 200 Millionen. Die genaue Zahl an Zigaretten, die am Donnerstag in Charleroi gefunden wurde, ist noch nicht bekannt. Mindestens seien es aber mehr als eine Million, schätzt Vanderwaeren.
Die Betrüger lassen sich von den Erfolgen der Ermittler allerdings kaum beeindrucken. Ganz im Gegenteil nehmen die Aktivitäten krimineller Organisationen zu, berichtet Vanderwaeren.
Belgien ist dabei für die Fälscher von Zigaretten grundsätzlich zu einem beliebten Standort geworden. Nur in Polen, so die RTBF, entdecken Behörden noch mehr illegale Fabrikationsstätten für Zigaretten als in Belgien.
Kay Wagner