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Häusliche Gewalt während der Fußball-WM: Mehr Anrufe bei Notrufnummer 1712 in Flandern

05.08.202612:36
  • Flandern
Häusliche Gewalt (Illustrationsbild: PantherMedia/lofilolo)
Illustrationsbild: © Lofilolo/Panthermedia

Die Roten Teufel haben die Fußball-WM zwar nicht gewonnen, doch viele Menschen hatten trotzdem eine gute Zeit. Allerdings haben Großveranstaltungen auch ihre Schattenseiten. So verzeichnete die flämische Notrufnummer 1712, die zentrale Anlaufstelle für Gewalt, Missbrauch und Kindesmisshandlung, während der WM einen Anstieg von häuslicher Gewalt.

Es sind zwar nur vorläufige Zahlen, aber der Trend scheint deutlich genug. Während der Fußball-Weltmeisterschaft sind bei der Notrufnummer 1712 vier Prozent mehr Meldungen eingegangen als im gleichen Zeitraum im Jahr davor. Die Zahl der Kontaktaufnahmen stieg dabei in der ersten Woche des Turniers, blieb hoch und sank nach dem Finale wieder deutlich ab.

Diese Beobachtungen bestätigen frühere Statistiken und auch aktuelle Untersuchungen aus dem Ausland. Laut britischen Daten erreichten die Fälle häuslicher Gewalt in der Nacht des Spiels von England gegen Norwegen einen absoluten Rekordwert. Und dabei hatte England dieses Match ja gewonnen. Das gleiche Phänomen ließ sich auch in Spanien belegen: In den Stunden, nachdem Spanien den Weltmeistertitel errungen hatte, stiegen die Kontaktaufnahmen wegen Gewalt von Männern gegen Frauen um erschreckende über 120 Prozent, also mehr als eine Verdopplung.

"Auf Basis internationaler Studien hat man vor allem einen Anstieg bei der Partnergewalt erwartet", sagt die flämische Koordinatorin der 1712, Kasia Uzieblo, in der VRT. Aber es habe sich herausgestellt, dass das Gewaltproblem viel breiter sei. Nicht nur Gewalt zwischen Partnern nehme zu, sondern vor allem auch die Kindesmisshandlung. Und man sehe auch einen Anstieg bei sonstiger intrafamiliärer Gewalt und bei Gewalt außerhalb des Familienkontextes.

Spitze des Eisbergs

"All diese Zahlen sind sowieso nur die Spitze des Eisbergs", betont Uzieblo. Längst nicht alle Vorfälle führen zu Meldungen oder Kontaktaufnahmen mit Anlaufstellen. Und in Situationen, in denen Opfer akut in Gefahr sind oder schon etwas wirklich Schlimmes passiert ist, wird nicht die 1712 angerufen, sondern direkt die Polizei oder andere Hilfsdienste.

Und noch etwas wichtig: Es sind nicht die Fußballspiele oder andere Großveranstaltungen, die die Gewalt erzeugen. Die Spannungen und die körperliche oder auch psychische Gewalt sind schon vorher da.

"Es sind immer ganze Cluster von Faktoren, die Gewaltausbrüche fördern oder bestehende Spannungen verstärken", unterstreicht Uzieblo. Im Kontext der WM und ähnlicher Events also zum Beispiel starke Emotionen. Frust, Wut und Enttäuschung begünstigen wenig überraschend Gewalt.

Wachsam und mutig sein

Aber auch Euphorie kann zu aggressiverem Verhalten führen. Und dann kommen erschwerend noch diverse andere Faktoren dazu, die leider auch mit Turnieren zusammenhängen: Dass man mehr Zeit miteinander verbringt, dass mehr Alkohol oder andere Drogen konsumiert werden, dass der Schlaf zu kurz kommt. Und natürlich kann sich auch die Hitze auf das Verhalten mancher Menschen auswirken.

Besonders wichtig ist, dass die Menschen für diese Problematik sensibilisiert werden. Wenn jemand wisse, dass es in Familien schon Spannungen oder Aggressionen gebe, dann sei es wichtig, in solchen Risikoperioden besonders wachsam zu sein, so Uzieblo.

Wachsam sein allein reiche aber nicht immer, man müsse dann auch den Mut aufbringen, zu versuchen den Opfern zu helfen. Hilfe könne viele Formen annehmen. Man könne möglichen Opfern zuhören und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Oder man könne manchmal auch Menschen auf ihr problematisches Verhalten ansprechen.

Und ganz wichtig: Je früher potenzielle Probleme signalisiert werden, desto größer ist die Chance, dass eingegriffen werden kann, bevor die Situation noch weiter eskaliert.

Boris Schmidt

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