Nach Angaben der EU werden in Europa jedes Jahr rund 600.000 Tonnen neue und ungetragene Textilien entsorgt. Zwischen vier und neun Prozent der unverkauften Kleidung landen im Müll, ohne jemals getragen worden zu sein. Dazu gehören sowohl Kundenretouren als auch unverkaufte Lagerbestände.
Die Umweltbelastung ist erheblich. Bereits bei der Herstellung von Textilien werden große Mengen Wasser verbraucht und häufig umweltschädliche Chemikalien eingesetzt. Werden die Produkte anschließend vernichtet, entstehen zusätzlich hohe CO2-Emissionen.
Mit der neuen Verordnung dürfen Unternehmen unverkaufte Neuware nicht mehr entsorgen. Stattdessen sollen die Produkte gespendet, vergünstigt verkauft, wiederverwendet oder recycelt werden. Die EU will damit erreichen, dass Kleidung länger genutzt wird und weniger Abfall entsteht. Gleichzeitig sollen die Hersteller ihre Produktionsmengen stärker am tatsächlichen Bedarf ausrichten.
Die Regelung gilt zunächst für große Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro. Dazu zählen auch belgische Modeunternehmen wie JBC, PointCarré, ZEB und e5 mode. Ab 2028 wird die Verordnung auf weitere Hersteller ausgeweitet. Mittelständische Unternehmen müssen die Vorgaben ab Juli 2030 einhalten.
Grundsätzlich wird das Verbot begrüßt. Nathalie De Greve vom belgischen Handels- und Dienstleistungsverband Comeos hofft, dass dadurch die Produktion billiger und qualitativ minderwertiger Kleidung zurückgeht und langlebige Textilien stärker gefördert werden.
Sie fordert allerdings gleiche Wettbewerbsbedingungen für europäische und außereuropäische Anbieter. Vor allem chinesische Online-Plattformen brächten sehr günstige Produkte auf den europäischen Markt, die häufig nicht den Umweltstandards der EU entsprächen. Diese Unternehmen müssten genauso kontrolliert werden wie europäische Hersteller.
Kritik kommt von Umweltverbänden. Sie sehen Schlupflöcher in den Ausnahmeregelungen und bemängeln, dass noch nicht feststeht, welche Sanktionen bei Verstößen gelten werden. Die EU-Mitgliedstaaten müssen entsprechende Bußgelder noch festlegen.
Neben den Unternehmen sind auch die Verbraucher gefragt. Mit ihrer Kaufentscheidung können sie dazu beitragen, den Trend zu Fast Fashion einzudämmen und langlebige Kleidung zu fördern.
Michaela Brück