Eine Straßenvignette, noch dazu eine einheitliche Regelung für das ganze Land, so mancher hatte davon wohl nicht mehr zu träumen gewagt. Wegen unterschiedlicher Sichtweisen und Prioritäten hatten die drei Regionen lange Zeit sogar an eigenen, isolierten Systemen gearbeitet. Strittig war zudem der Verteilerschlüssel.
Plötzlich ging's aber offensichtlich sehr schnell. Die neue Vignette soll bereits am 1. Mai kommenden Jahres eingeführt werden. Die Preise sind nach dem Schadstoffausstoß gestaffelt: Für einen Verbrenner ab der Euronorm 4 zahlt man 100 Euro, für ältere Modelle 125 Euro und für Elektrofahrzeuge 90 Euro.
Vor allem soll damit erreicht werden, dass künftig auch ausländische Verkehrsteilnehmer für die Nutzung des belgischen Straßennetzes bezahlen. Die Mehrkosten für die heimischen Autofahrer würden derweil ausgeglichen, hatte es immer geheißen, etwa über eine Reform der Verkehrssteuer. Nur kann man die Vignette nicht vollständig verrechnen; genau daran war ja die deutsche Pkw-Maut gescheitert.
Flandern hat bereits die Grundzüge einer Reform der Verkehrssteuer vorgelegt. In der Wallonie ist demgegenüber noch völlig offen, wie die Mehrbelastung ausgeglichen werden soll.
Roger Pint