Die innere biologische Uhr tickt bekanntermaßen nicht bei allen gleich. Das ändert aber absolut nicht das Geringste daran, dass es nicht natürlich ist, sich ein stundenlanges Fußballspiel anzuschauen, anstatt zu schlafen. Das unterstreicht auch die Schlafexpertin An Mariman vom Universitätskrankenhaus Gent im Interview mit der VRT. Es sei nie empfehlenswert, die Nachtruhe zu verkürzen. Allerdings müsse man auch die Kirche im Dorf lassen: Eine Riesenkatastrophe sei es auch nicht, wenn man so was mal mache.
Der Schlafexperte Albert Lachman erklärt gegenüber der RTBF: "Eine durchgemachte Nacht kann man verkraften, zwei durchgemachte Nächte, das spürt man dann schon in den Knochen, drei durchgemachte Nächte und man ist außer Gefecht. Dann wird der Schlafmangel nämlich so akut, dass er dramatische Folgen haben kann." Aber selbst bei nur einer anstrengenden Nacht sollten Fußballfans am Dienstag vielleicht keine immens wichtigen Entscheidungen treffen.
Das A und O ist jedenfalls, das Schlafdefizit nicht zu groß werden zu lassen. Und bei einem Spiel, das um zwei Uhr nachts beginnt, bedeutet das, dass man nicht aufbleiben und auf den Anpfiff warten sollte. Statt wertvolle Stunden zu verschwenden, sollte man sie für eine wertvolle erste Portion Schlaf nutzen. Also am besten zur gewohnten Uhrzeit ins Bett gehen und den Wecker auf kurz vor Spielbeginn stellen.
Idealerweise sollte man sich nach dem Ende des Spiels dann die zweite Portion Schlaf holen. Bei Menschen, die das Glück haben, morgen frei zu haben, sollte das kein Problem sein. Bei allen anderen hängt es vom Arbeitsbeginn ab. Wer zum Beispiel erst um 8 Uhr oder noch später am Arbeitsplatz sein muss, kann normalerweise schon noch anderthalb, zwei Stunden Schlaf nach dem Spiel mitnehmen.
Wer allerdings schon um fünf Uhr auf der Matte stehen muss, bei dem sind sozusagen Hopfen und Malz verloren, was eine zweite Runde Schlafen angeht, schließlich wird das Spiel nicht vor frühestens vier Uhr vorbei sein. In diesem Fall empfiehlt es sich tatsächlich, zu versuchen vorzuschlafen.
Ganz grundsätzlich sollte man auch versuchen, schnellstmöglich in den gewohnten Schlaf-Wach-Rhythmus zurückzukommen. Sprich nach Möglichkeit sollte man nach dem Spiel trotzdem mehr oder weniger zur gewohnten Zeit aufstehen. Und man sollte auch abends nicht extra-früh ins Bett gehen wollen am nächsten Tag, um Schlaf sozusagen nachzuholen. Proaktiv Schlaf nachholen sei im vorliegenden Fall auch nicht nötig, hebt Mariman hervor. Weil man müder sei, sei der Schlaf tiefer, der Körper versuche so, den angerichteten Schaden selbst zu reparieren.
Wogegen allerdings nichts spricht, das ist ein kurzes Schläfchen, um Energie zu tanken. Wichtig ist auf jeden Fall, dass das Nickerchen nicht mehr als etwa eine halbe Stunde dauert, sonst besteht nämlich die Gefahr, in den Tiefschlaf abzugleiten und das wäre absolut kontraproduktiv für die nächste Nacht.
Auch wenn es für viele zum Fußball-Erlebnis dazugehört: Finger weg von Alkohol und Chips und Co. Alkohol sorgt nämlich nachgewiesenermaßen für unruhigeren und damit weniger erholsamen Schlaf. Während Snacks die Verdauung weiter auf Trab halten, wenn der Körper eigentlich in den Schlafmodus schalten sollte. Und eine aus offensichtlichen Gründen besonders schlechte Idee sind natürlich Energy-Drinks und Kaffee, danach kann man sich das Einschlafen nämlich abschminken und ist nur noch kaputter.
Egal wie das Spiel ausgeht, die Chance ist groß, dass man ziemlich aufgedreht sein wird. Sich dann sofort hinlegen und schlafen zu wollen wird also kaum klappen. Stattdessen empfehlen die Experten, erst mal etwas runterzukommen. Heißt also: Fernseher aus, Wasser trinken, ein bisschen Lesen oder eine andere monotone Tätigkeit, ein kleiner Spaziergang oder eine kurze Dusche.
Boris Schmidt