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Fünf Jahre nach der Flut: Assuralia hofft auf neuen gesetzlichen Rahmen vor Ende 2026

30.06.202612:20
  • Hochwasser 2021 in Ostbelgien
Hochwasserschäden in Pepinster
Hochwasserschäden in Pepinster (Archivbild: Lena Orban/BRF)

In knapp zwei Wochen jährt sich die große Flutkatastrophe zum fünften Mal. Noch immer sind vielerorts die Folgen sichtbar, von den unsichtbaren Narben der Menschen ganz zu schweigen. Eine essenzielle Rolle bei der Beseitigung der materiellen Konsequenzen haben die Versicherungen gespielt. Und die ziehen jetzt Bilanz und blicken voraus.

Wer versuchen will, das Ausmaß der Hochwasserkatastrophe von 2021 zu verstehen, sollte mit den Zahlen der Versicherer anfangen. Und dabei immer vor Augen haben, dass sich hinter jedem Dossier menschliche Schicksale verbergen.

Die Versicherer haben insgesamt 73.000 Schadensakten eröffnet im Zusammenhang mit der Unwetterkatastrophe. "Zusammengenommen reden wir hier über eine Schadenssumme von etwa 2,3 Milliarden Euro. Wobei der Löwenanteil, nämlich 2,24 Milliarden, logischerweise auf die Wallonie entfiel", sagt Hein Lannoy, der Geschäftsführer des Branchenverbandes Assuralia, in der VRT.

Die meisten Schadensfälle habe man schon abschließen können, nämlich 98,5 Prozent. Bei etwas über einem Prozent der Dossiers sei die Schadenssumme immerhin auch schon zu 80 Prozent beglichen oder seien Instandsetzungsarbeiten und Ähnliches noch im Gang. Bleiben also nur etwas weniger als ein halbes Prozent, bei denen sich Versicherungen und Geschädigte noch nicht abschließend einigen konnten.

Neuer gesetzlicher Rahmen

Das Hauptaugenmerk der Versicherer liegt mittlerweile aber woanders, nämlich auf der Schaffung eines neuen gesetzlichen Rahmens, der Entschädigungen in dieser Art von Extremsituation regelt. 2021 habe man gesehen, dass der damalige gesetzliche Rahmen absolut unzureichend gewesen sei, beklagt Lannoy. Deswegen habe man sich ad-hoc mit den Regionen einigen müssen. Da sei wirklich noch viel Luft nach oben. Es sei überlebenswichtig für die Versicherer Rechtssicherheit zu haben, um Risiken angemessen versichern zu können. Deshalb poche der Verband seitdem immer wieder auf eine Änderung des gesetzlichen Rahmens.

Ein großes Problem dabei sei gewesen, dass lange unklar geblieben sei, ob die föderale Ebene oder die Regionen zuständig seien. Letztlich seien die entsprechenden politischen Knoten aber gelöst worden und die Zuständigkeit sei bei den Regionen geblieben. Was die Verhandlungen für den Versicherungsverband allerdings nicht einfacher machte: "Statt einem Gesprächspartner musste Assuralia mit den drei Regionen verhandeln. Und dabei natürlich eine kohärente Lösung finden, schließlich machten Unwetterschäden nicht an irgendwelchen Grenzen halt."

Verhandlungen laufen gut

Dank der Vermittlung des föderalen Wirtschaftsministers befinde man sich aber auf einem guten Weg, um endlich eine Lösung zu finden. Die sehe vor, dass natürlich die Versicherer im Fall einer Naturkatastrophe einen erheblichen Teil der anfallenden Entschädigungen stemmen. Aber dass eben auch die Regionen einen nicht unerheblichen Beitrag leisten sollen. Wohlgemerkt nicht bei "normalen" Katastrophen, aber doch bei sehr schweren.

Die entsprechenden Verhandlungen liefen gut. Man hoffe also wirklich, bis Ende des Jahres wieder eine stabile gesetzliche Regelung zu haben.

Das entscheidende Element für Assuralia ist, etwas vereinfacht gesagt, eine Deckelung der Summen, die die Versicherer auszahlen müssen. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Versicherungsgesellschaften auch bei großen Unglücken finanziell gesund blieben. "Und vor allem auch, dass die Prämien für die Menschen bezahlbar bleiben."

Der Versicherungssektor will aber noch etwas: Einen stärkeren Fokus auf Anpassung und Prävention. "Das Ziel kann nicht sein, immer nur für entstandene Schäden zu zahlen, das ist nicht nachhaltig", bekräftigt der Assuralia-CEO. Da sehe man natürlich die Gemeinden und Provinzen in der Pflicht. Aber auch die Versicherungsgesellschaften hätten ein begründetes Interesse, sich zu beteiligen, gerade, was langfristige Investitionen in Infrastruktur betreffe.

Boris Schmidt

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