Phishing ist ein Riesenproblem, das kann man gar nicht oft genug wiederholen. Die Zahlen sprechen da auch eine eindeutige Sprache, wie Generalkommissar Eric Snoeck von der Föderalen Polizei gegenüber der VRT unterstreicht. Um satte 30 Prozent ist die Zahl der Anzeigen wegen Phishing im letzten Jahr gestiegen. Und das obwohl viele Opfer sich gar nicht erst bei der Polizei meldeten. Vier von fünf Geschädigten erstatteten keine Anzeige. Oft spiele dabei Scham eine große Rolle, auf die Verbrecher beziehungsweise ihre Maschen reingefallen zu sein, oder die Überzeugung, dass Anzeige erstatten sowieso nichts bringe. Aber das sei falsch.
Er könne absolut versichern, dass die Bekämpfung von Phishing eine immer höhere Priorität habe für die Behörden, egal ob es nun um die föderale Gerichtspolizei, die lokale Polizei oder die Justiz gehe. Und dass es sehr wohl etwas bringe. Man spreche schließlich auch nicht über irgendwelche Lappalien, erinnert Snoeck. Im Schnitt gehe es pro Fall um einen Schaden von zehntausend Euro, insgesamt betrage der Schaden für Gesellschaft, Bürger und Wirtschaft Hunderte Millionen Euro pro Jahr.
Es werde auf allen Ebenen verstärkt gegen Phishing vorgegangen. Aber man habe trotzdem feststellen müssen, dass auf nationaler Ebene noch Luft nach oben gewesen sei, hebt der Generalkommissar hervor. Deswegen nimmt nun eben zum Sommer eine neue nationale Zelle gegen Phishing ihre Arbeit auf, die bei der föderalen Gerichtspolizei angesiedelt ist.
Die neue Zentralstelle solle vor allem dabei helfen, ein klareres Bild über das Ausmaß des Problems und das Vorgehen der Verbrecher zu bekommen. Um dann zusätzliche und zielgerichtetere Maßnahmen ergreifen zu können. Dazu gehört auch, dass die verfügbaren Informationen besser als bisher gebündelt werden sollen. Das bedeutet zum Beispiel, dass Experten Täterprofile erstellen beziehungsweise vergleichen, um individuelle Straftaten bestimmten Individuen oder Gruppen zuordnen zu können. Das soll eine bessere Koordinierung ermöglichen und damit ein effizienteres Vorgehen gegen die Täter.
Und ganz sicher nicht zuletzt soll auch die internationale Zusammenarbeit verstärkt werden, etwa im Rahmen von Europol oder was die Kooperation mit den Behörden der Nachbarländer betrifft. Weil oft säßen die Täter und ihre Hintermänner nicht etwa in fernen Ländern, sondern nur auf der anderen Seite der Grenze, so der Generalkommissar. Aber auch sonst kann die internationale Vernetzung helfen, etwa, um schneller über neue Trends oder Maschen informiert zu werden beziehungsweise um Kollegen im Ausland potenziell wertvolle Tipps geben zu können.
Die Gesellschaft verändere sich konstant und damit auch die Vorgehensweisen der Verbrecher, betont Snoeck sinngemäß. Wer mit den Kriminellen Schritt halten wolle, müsse also auch schnell schalten können. Und das zu unterstützen sei eben genau die Aufgabe der neuen nationalen Zelle gegen Phishing.
Das Problem Phishing sei auch so groß, dass keine Institution des Landes es allein bekämpfen könne. Wie so oft liege der Schlüssel in einer bestmöglichen Zusammenarbeit. Und zwar nicht etwa nur zwischen Polizei, Justiz und dem Zentrum für Cybersicherheit beziehungsweise mit internationalen Partnern. Sondern beispielsweise auch und gerade mit den Banken. Die hätten aus offensichtlichen Gründen schließlich ebenfalls ein begründetes Interesse daran, Phishing so schwierig wie möglich zu machen. Die gemeinsame Mission laute also: möglichst schnell eingreifen und so viele Menschen wie möglich davor zu bewahren, Phishing-Opfer zu werden.
Boris Schmidt