Je globalisierter die Welt wird, desto offensichtlicher wird, dass möglichst viele Sprachen zu beherrschen ein entscheidender Vorteil sein kann. Und da sollte man auch die Bedeutung der deutschen Sprache nicht unterschätzen. Das weiß man in Belgien natürlich, wo es intensive Wirtschafts-, aber auch Kultur- und sonstige Beziehungen zum deutschen Sprachraum gibt. Manche haben das Glück, schon zu Hause das notwendige sprachliche Rüstzeug mitzubekommen. Für alle anderen ist Deutsch aber eine Fremdsprache. Und wie bei so vielem anderen gilt auch hier: Je früher man beginnt, desto besser.
Das betont auch die Leiterin des Goethe-Instituts in Brüssel, Julia Sattler: "Ich glaube, es fängt wirklich schon im Kindesalter an. Und da spielen dann aber die Lehrkräfte wieder eine Rolle. Denn ohne die Lehrkräfte gibt es keine Begeisterung an den Schulen für eine Sprache." Womit wir auch schon direkt beim Kern des Problems sind: "Es gibt wirklich einen Mangel an Lehrkräften", betont Sattler.
Das bestätigt auch Tom Smits, Professor für deutsche Linguistik an der Universität Antwerpen. Und das gelte auch nicht nur für Lehrkräfte: "Die Tatsache ist leider, dass wir in den Germanistik-Studien und in den Übersetzer- und Dolmetscherausbildungen sehen, dass weniger Studierende anfangen." Das hänge natürlich auch damit zusammen, dass immer mehr Menschen sich fragten, welche Zukunft solche Berufe denn überhaupt noch hätten angesichts der immer breiteren Nutzung von KI. Diese technischen Hilfsmittel könnten das Erlernen von Sprachen zwar nicht ersetzen, aber der Ausbildungsbetrieb habe damit zu kämpfen.
Dagegen helfen soll eine neue Kooperation mit dem Goethe-Institut, genauer gesagt eine sogenannte "DLL-Kooperation". "DLL steht für Deutsch Lehren Lernen", erklärt Sattler. "Es geht um die Ausbildung von Lehrkräften, die Verbindung von Theorie, die es an der Universität gibt, mit dem Praxisbezug, zur besten Vorbereitung von Deutschlehrkräften für ihren zukünftigen Beruf."

Weltweit nutzen schon rund 120 Universitäten und Hochschulen das DLL-Fortbildungsprogramm des Goethe-Instituts, in Belgien ist die Kooperation mit der Universität Antwerpen die dritte, nach entsprechenden Vereinbarungen mit der UC Louvain und der KU Leuven. "Genau diese Lust am Lernen von Sprachen, das Entdecken neuer Perspektiven, das Eröffnen neuer Welten soll durch diese Ergänzung beziehungsweise Kooperation stärker in den Unterricht einfließen."
An der Uni Antwerpen werden Studierende schon ab Oktober in den Genuss zweier entsprechender Module kommen, erklärt Smits, der die Kooperation mit dem Goethe-Institut initiiert hat. "Und ich bin mir sicher, dass wenn die KU Leuven, die UC Louvain und jetzt auch die Universität Antwerpen sagen können 'Wir haben eine Zusammenarbeit mit dem Goetheinstitut', dass viele, die möglicherweise hinterher Deutsch-Lehrkraft werden könnten, sich das überlegen, dass sie doch noch einen Extra-Schubs bekommen, dass sie sagen: 'Ja, das interessiert mich, das wird ein gutes Studium sein.'"
Das Zertifikat, das man so an der Universität erwerben könne, sei auch nicht nur für Lehrkräfte interessant, sondern auch für andere berufliche Betätigungsfelder, hebt Smits hervor. "Und in der Hinsicht bin ich mir sicher, dass das Gütesiegel der Zusammenarbeit doch noch möglicherweise zusätzliche Studenten und Studentinnen locken wird. Und es ist an der Zeit." Die Ausbildung von Deutsch-Lehrkräften an der Uni Antwerpen sei schon sehr gut gewesen gewesen, so Smits, danke DLL werde das Angebot aber noch attraktiver. "Und ich bin mir sicher, dass die Studierenden den Mehrwert davon sehr schnell einsehen werden."
Boris Schmidt