Große Namen bleiben Publikumsmagneten
Während für Rock Werchter auch kurz vor Festivalbeginn noch Karten erhältlich sind, gibt es Ausnahmen. Für Tomorrowland ist es nach wie vor nahezu unmöglich, überhaupt an Tickets zu gelangen. Auch Pukkelpop war in diesem Jahr in kürzester Zeit ausverkauft, sehr zur Überraschung der Veranstalter.
Woran das liegt, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Ein starkes Line-up mag eine Rolle spielen. Entscheidend ist aber auch der Ruf eines Festivals. Große Marken stehen längst für ein Lebensgefühl und ziehen Besucher oft unabhängig vom konkreten Programm an.
Ausverkauft ist die beste Werbung
Gerade für neue Festivals wird es dadurch immer schwieriger, sich auf dem Markt zu etablieren. Marketingexperten sehen darin ein grundsätzliches Problem. Ein ausverkauftes Festival erzeugt Aufmerksamkeit und Begehrlichkeit. Wer keine Karten mehr bekommt, möchte beim nächsten Mal umso eher dabei sein.
Deshalb raten Fachleute neuen Veranstaltern sogar dazu, lieber mit einer kleineren Kapazität zu starten und früh ausverkauft zu sein, anstatt möglichst viele Tickets auf den Markt zu bringen.
Das Budget der Fans ist begrenzt
Hinzu kommt ein weiterer Faktor. Festivals werden immer teurer. Sowohl die Gagen der Künstler als auch die Kosten für Organisation, Sicherheit und Infrastruktur sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Für Besucher summiert sich ein Festivalwochenende mit Camping, Verpflegung und Anreise inzwischen schnell auf die Kosten eines Kurzurlaubs. Gleichzeitig kosten auch Einzelkonzerte der großen Stars häufig weit über 100 Euro. Musikfans müssen deshalb zunehmend Prioritäten setzen, zumal viele Künstler, die auf Festivals auftreten, zuvor bereits mit eigenen Konzerten in Belgien zu Gast waren.
Kurzfristig entscheiden statt Monate im Voraus
Wer spontan ein Festival besuchen möchte, hat heute deutlich bessere Chancen als noch vor einigen Jahren. Viele Musikfans warten bewusst bis kurz vor Beginn, bevor sie sich festlegen. Nicht selten entscheidet dabei das Wetter darüber, ob sie ein Wochenende auf dem Festivalgelände verbringen möchten oder lieber darauf verzichten.
Zusätzlich hat sich der Zweitmarkt entwickelt. Die Plattform TicketSwap hat sich als seriöser Makler etabliert, wenn jemand gekaufte Karten weiterverkaufen will. Dadurch gibt es selbst für ausverkaufte Festivals kurzfristig noch Tickets.
demorgen/okr