"Koordination ist der Schlüssel zum Erfolg, vor allem in einer Materie wie dem Kampf gegen den Klimawandel". Das ist weniger eine Feststellung, sondern eher ein Appell, denn der föderale Klimaminister Jean-Luc Crucke fühlt sich wie ein Prediger in der Wüste.
In einem Punkt sind sich viele Beobachter einig: Belgien ist besonders schlecht vorbereitet auf eine Hitzewelle, wie wir sie gerade erleben. Zwar ist am Dienstag immerhin sogar das Krisenzentrum zusammengekommen, um über die Lage zu beraten. Das Gremium beschränkte sich dabei aber auf die Veröffentlichung einer Reihe von Empfehlungen, "auf die man auch selbst gekommen wäre", stichelten am Mittwoch schon einige Leitartikler.
Im Gesundheitswesen und in der Altenpflege gelten vielerorts die sogenannten Hitzepläne. Im Grunde ist das aber schon alles. Wirklich strukturelle Maßnahmen, die es erlauben würden, besser mit solchen Hitzetagen umzugehen, die sucht man meist vergebens.
Genau dieser Mangel an Vorbereitung und diese Passivität hätten ihn von Anfang an gestört, sagte Jean-Luc Crucke in der RTBF. Er habe sich also gleich nach seinem Amtsantritt an die zuständigen Minister in den drei Regionen des Landes gewandt - denn im Großen und Ganzen geht es hier um regionale Kompetenzen.
Die Reaktionen seien allerdings ernüchternd gewesen: In der Wallonie habe man ihm höflich mitgeteilt, dass seine Anfrage zum fraglichen Zeitpunkt als "nicht dringlich" betrachtet wurde. Die flämische Regierung habe ihrerseits sogar deutlich gemacht, dass er nicht zuständig sei und dass man kein Interesse an einer Zusammenarbeit habe.
"Das Resultat sehen wir jetzt", sagt Crucke. "Die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut. Man ganz davon abgesehen, dass es kaum Maßnahmen gibt, die wirklich Abhilfe schaffen." Insgesamt müsse man den Eindruck haben, dass immer noch nicht jeder die wirkliche Tragweite des Klimawandels und seiner Folgen erfasst habe.
"Der Klimawandel ist schon da. Und da ist es doch mehr als geboten, sich der neuen Realität anzupassen, indem man eben entsprechende Vorkehrungen trifft. Nicht vergessen: Es gibt Menschen, die infolge der großen Hitze sogar sterben. Und wenn wir jetzt nichts tun, dann stehen wir beim nächsten Mal genauso ohnmächtig da", sagt Crucke.
Ein großes Problem ist tatsächlich die Tatsache, dass so mancher die Krise nach wie vor nicht sehen will. "Hatten wir alles schon!", so eine häufig gehörte Reaktion. Oft verweist man dann auf den Jahrhundertsommer von 1976. Und auch aus der Föderalregierung kommen da unterschiedliche Signale.
Noch vor einigen Tagen hatte N-VA-Verteidigungsminister Theo Francken in den sozialen Netzwerken der Presse Panikmache vorgeworfen. Stattdessen empfahl er den Menschen, vom schönen Wetter zu profitieren, etwa beim Grillen mit einem kühlen Bierchen. "Das war definitiv nicht die intelligenteste Aussage, die der Kollege je gemacht hat", sagt Jean-Luc Crucke. Er könne Francken nur empfehlen, sich heute vor der Sonne zu schützen - und möglichst gerade kein Bier zu trinken. Es gebe nunmal Realitäten, die stärker seien als Wunschträume.
Crucke nimmt jetzt jedenfalls die aktuelle Hitzewelle zum Anlass, um einen neuen Anlauf zu starten, um das Land "widerstandsfähiger" zu machen, ums mal so auszudrücken. Wieder hat er sich schriftlich an die regionalen Kollegen gewandt. Diesmal mit zwölf ganz konkreten Vorschlägen.
Er denkt da zum Beispiel an "Erfrischungsoasen" im öffentlichen Raum, wo man also Schutz vor der Sonne suchen oder etwas trinken kann. "Klar sind da Investitionen nötig. Und natürlich sind das langwierige Prozesse. Man muss aber irgendwann schlichtweg mal anfangen und sich vor allem die Rollen aufteilen", sagt Jean-Luc Crucke. "Ansonsten führen wir im kommenden Jahr exakt dieselbe Diskussion aufs Neue."
Roger Pint